Online-Vorstellung

Crash Park – Das Leben einer Insel

Philippe Quesne (Hauts-de-France)
Musikalisches Bildertheater

Assistenz: François- Xavier Rouyer

Kostüme: Corine Petitpierre

Musik: Pierre Desprats

Licht: Thomas Laigle, Mickael Nodin

Ton: Samuel Gutman

Technische Leitung: Marc Chevillon

Bühne: Joachim Fosset

Dramaturgische Mitarbeit: Camille Louis

Video: César Vayssié

Videoassistenz: Małgorzata Rabczuk

Bühnenbau, Ausstattung, Requisiten: Ateliers Nanterre-Amandiers

Wir leben in einem weltumspannenden Katastrophen- Park, in dem alles nach und nach in die Brüche geht: das Ethos der Aufklärung, die Fortschritte der Wissenschaft, die Wirtschaft, die ohnehin anfällig für Katastrophen ist, humanistische Ideale und schließlich der Mensch selbst.

Doch was wäre, wenn dieser Crash nicht das schicksalhafte Ende der Menschheit bedeutet, sondern einen Neuanfang? In seiner von den Erzählungen Jules Vernes inspirierten Robinsonade »Crash Park« lässt der französische Bühnenbildner und Regisseur Philippe Quesne die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer unbewohnten Insel eine neue Heimat finden. Wunderbar skurril, melancholisch, humorvoll und mit viel Liebe zum Detail erzählt Quesne in »Crash Park« von der Herrlichkeit und den Verfehlungen des Menschen und lässt die Frage offen, ob hier ein schicksalhafter Schlusspunkt erreicht ist oder ob Utopien wahr werden.

 

 

Die deutsche Übersetzung der Antworten auf die 5 Fragen an Philippe Quesne finden Sie unterhalb des Textes. Bitte klicken Sie auf das Dropdown-Menü »Übersetzungen«.

 

 

Eine Produktion von Nanterre-Amandiers mit Unterstützung der Fondation d’entreprise Hermès im Rahmen des Programms »New Settings« in Koproduktion mit Théâtre National de Bretagne (Rennes), HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Onassis Cultural Center (Athen), Münchner Kammerspiele. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

 

Fotos: Martin Argyroglo

5 Fragen Philippe Quesne

Übersetzung

 

1. Ein abgestürztes Flugzeug, eine einsame Insel – ist das Schreckensbild oder Utopie?

In meiner Arbeit knüpfen Albtraum und Utopie aneinander an, so zumindest in der Art und Weise wie eine Gruppe von Individuen Probleme überwindet, und wie sich eine Gemeinschaft eine Katastrophe zu eigen macht, wie in diesem Stück eine Klimakatastrophe, einen Unfall, eine Autopanne oder einen Flugzeugabsturz. Das ist eng miteinander verwoben. Deshalb findet sich in einem Großteil meiner Stücke auf der Bühne eine Gemeinschaft, die versucht, ihr Schicksal neu zu definieren, mit einer Katastrophe abzuschließen und Probleme zu überwinden.

 

2. Urlauber aus den reichen Ländern schwärmen in die Welt aus, entspannen, feiern, faulenzen. Aber im März war die Party plötzlich vorbei. Verändert das den Blick auf das Projekt?

In der Tat, das kann man sagen, die Party ist vorbei. Das ist eine sehr gute Frage. Nach dem Coronavirus und der Pandemie, die wir und viele Länder gerade noch durchleben, ist die Party wirklich vorbei. Die Touristen können nicht mehr in die Dominikanische Republik, nach Thailand oder nach Brasilien reisen, und diese Austausche, die in extremer Weise auf einer kapitalistischen Gesellschaft beruhen, die das Blaue vom Himmel zu immer niedrigeren Preisen verspricht, finden nun nicht statt. Die Leute bleiben zu Hause. Wie andere Stücke auch stellen wir hier Vermutungen auf, man weiß nicht, was unser Planet noch erleben oder erleiden wird. Zudem wurde das Stück vor zwei Jahren uraufgeführt. Die aktuellen Ereignisse beeinflussen meiner Meinung nach das Stück nicht. Die besonderen Umstände machen die Flugzeugkatastrophe in einer Pappmaché-Inszenierung aber noch absurder. Für mich spielt in »Crash Park“ auch die Frage nach den Empfindungen, die mit dem Wunsch, sich heutzutage immer mehr Touren und Träume käuflich zu erfüllen, einhergehen. Ich habe meine eigene Lesart des Stücks, das genauso gut eine Gruppe von Individuen darstellen könnte, die bewusst abstürzen will, die vielleicht bewusst eine Münze eingeworfen hat, um wie in einem Vergnügungspark einen Nervenkitzel zu erleben, und die im Endeffekt vielleicht gar nicht von dieser Insel gerettet werden will.

 

3. Es wird ja eher Weniges und Unverständliches geredet im Projekt. Welche Rolle spielt die Musik in »Crash Park«?

Ja, absolut, Wörter gibt es wenige in »Crash Park«. Es gibt viele Ausrufewörter, Lautmalereien von Leuten, die nach dem Flugzeugabsturz die Sprache verloren haben. Daher gehört die Musik oft zu meinen Arbeitsbereich und vermittelt einen Teil der Emotionen, auch durch Musikzitate und -referenzen. So zum Beispiel Liedzitate oder Musik, die von den Schauspielern geschrieben wurde, aber auch Hörumwelten, vor allem in diesem Stück, bei dem ich mit einem Filmmusikkomponisten, Pierre Desprats, zusammengearbeitet habe. Pierre Desprats hat seine Musik wirklich auf dem mechanischen Klavier komponiert, das wie eine einsame Maschine am Bühnenrand spielt. Die Musik ist ein Akteur und ein unentbehrlicher Bestandteil, damit der Zuschauer eine enge Verbindung zur Geschichte des Stücks aufbauen kann. Die Musik vermischt hier Referenzen von Christoph Kolumbus bis hin zu großen Hollywood-Musiken oder Gesängen, die von den Schauspielern komponiert wurden.

 

4. Was für eine Bedeutung hat für dich generell Verständlichkeit? Gibst du den Zuschauern gerne Rätsel auf?

Es ist nicht immer unsere Absicht, das Publikum vor ein Rätsel zu stellen. Wir wollen eher auf das Theater, das Publikum vertrauen, und darauf, wie die Zuschauer sich das Projekt aneignen werden, die Referenzen deuten und sich ihre eigene Geschichte erfinden, wenn sie die kleinen Dramen auf der Bühne beobachten und in die Gedanken, die Materie und das Bühnengeschehen eintauchen, das auch wie eine Landschaft konzipiert ist. Sicherlich spielt das Mysterium in einer Theateraufführung eine Rolle für mich. Man braucht ein Rätsel, und es braucht Theaterstücke, die die Menschen nicht zwangsläufig in Gut und Böse einteilen. Das beschreibt auch eine Art von Sanftmut, die die Menschen und die Schauspieler haben, die mich begleiten, und die darüber hinaus die Stücke bei den Probenarbeiten erfinden. Meine Stücke sind oft inspiriert von den Persönlichkeiten der Schauspieler, mit denen ich arbeite.

 

5. Du hast ein ganzes Projekt über Maulwürfe gemacht. Wie kam’s dazu? Und wie kam es dann dazu, dass sich die Maulwürfe mittlerweile verselbstständigt haben?  

Die Maulwürfe sind tatsächlich ihre eigenen Herren geworden. Seit der Uraufführung des Stücks »La nuit des taupes« 2016 ist diese Gruppe, die ich »Maulwurf« genannt hatte, eine Rockband geworden, die ganz unabhängig von dem Stück tourt. Sie sollte in diesen Tagen auch in Mannheim auftreten. Ich hatte dieses Stück 2016 kreiert und hatte dazu als Maulwürfe verkleidete Schauspieler für eine Rock-Oper zusammengebracht. Es war fantastisch zu sehen, wie sie eine Maulwurf-Popstar-Karriere begannen und seit einigen Jahren regelmäßig unabhängig von dem Theaterstück auf die Bühnen der Musikwelt, auf Konzerte und Festivals eingeladen werden. Ich finde es sehr in Ordnung und richtig, dass Dinge aus meiner Arbeit sich verselbständigen und dass Interpreten ihr eigenes Leben leben, so auch die Maulwürfe. Denn ich denke auch, dass eine Welt aus Menschen und Tieren, gemischt mit nichtmenschlichen Wesen sehr viel wünschenswerter wäre, als das, was unsere Gesellschaft in den letzten Jahren durchlebt.

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