Studio Werkhaus

Die Leiden des jungen Werther

von Johann Wolfgang von Goethe Premiere: Mi, 05. Februar 2020

Werther ist in Lotte verliebt. Aber Lotte ist mit Albert zusammen. Werther wurde vorgewarnt, es sei hoffnungslos, Lotte außer seiner Reichweite. Aber er erkennt in Lotte eine Seelenverwandte und gibt nicht auf, um sie zu werben… Und ganz uninteressiert scheint auch sie nicht zu sein. Oder?

Goethes Briefroman wurde 1774 zu einem Bestseller und machte den damals 25-Jährigen über Nacht berühmt. Der Erfolg hatte unerwartete Nebenwirkungen: Die Geschichte um den jungen Mann, den seine unerwiderte Liebe zu Lotte schlussendlich in den Selbstmord treibt, wurde zum Vorbild und zur Inspiration für viele unglücklich Liebende und löste eine regelrechte Selbstmordwelle aus. Der »Werther-Effekt« ist heute ein Begriff der Sozialpsychologie und bezeichnet das Phänomen »medial vermittelter Nachahmungs-Suizide«.
Ist es wirklich Liebe, wenn man von Besitz spricht? Was für eine Art von Liebe empfindet Werther eigentlich für Lotte? In der Inszenierung von Jacqueline Reddington wird Werthers Ego untersucht, das, von Lotte verletzt, die große Geste fordert: die Inszenierung seines Leids. Dafür entwirft die Regisseurin mit ihrem Team einen multimedialen Raum, in dem der junge Werther seinen Selbstmord probt. Ensemblemitglied László Branko Breiding spielt die berühmte Figur als energetisches Solo, das zwischen psychologischem Rollenspiel und direkter

 

Dauer: ca. 1 Stunde; keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

 

Zu dieser Produktion bieten wir eine IMPULS-Mappe an. Bei Interesse kontaktieren Sie gerne Ronja Gerlach (E-Mail: ronja.gerlach@mannheim.de / Tel.: 0621 1680 488).  

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»László Branko Breiding, der den solistischen Abend intensiv und glaubwürdig gestaltet, spielt einen Werther, der auch heute noch das ist, was er im 18. Jahrhundert war: ein verunsicherter, ängstlicher, sich, seine Ausstrahlung und sein künstlerisches Potenzial überschätzender Verliebter. Das macht er brillant: zittert mit verschraubten Händen, großen Augen und seelenvoller Stimme.« (Mannheimer Morgen, 07.02.2020)

 

»László Branko Breiding spielt Werther als sympathischen, unsicheren Typ. Er knibbelt an den Fingernägeln, stiert mit Dackelblick ins Leere, streckt die Arme linkisch in die Luft – versucht die große Geste. Wenn dieser Werther den Originaltext von Goethe spricht, wirkt er wie entrückt – und trotzdem nicht lächerlich. Obwohl diese Worte nicht recht zu dem jungen Mann passen wollen, spürt man doch: die Intensität der Gefühle ist echt. László Branko Breiding wechselt virtuos von einer Sprache und Sprechhaltung in die andere und schafft es, dass das Publikum mit ihm leidet, wenn Lotte eine Ewigkeit nicht auf seine Textnachrichten antwortet.« (SWR2, 06.02.2020)

 

»Die Regisseurin Jacqueline Reddington und der Bühnenbildner Louis Panizza haben ihren Werther in eine Art Künstleratelier gestellt, das neben Videotechnik und viel Leere nur drei Dutzend Umzugskartons zu bieten hat.« (Die Rheinpfalz, 07.02.2020)

 

»Auf der – bis auf zwei Stativscheinwerfer und einige Umzugskartons – leeren Bühne des Studios (Bühne und Kostüm: Louis Panizza) wird der Brief von damals zeitgemäß durch den Handy-Sprachnachrichtendienst WhatsApp ersetzt. Das sorgt für lustige Momente, wenn aus einem doch recht geschwätzigen Roman sehr, sehr kurze Kurznachrichten werden, Eingangsbestätigungen piepsen und „Gelesen“-Häkchen aufleuchten. Und ist nah bei jungen Leuten. Bei Verliebten. Bei verzweifelt um Formulierungen Kämpfenden. Bei sehnlichst auf Nachrichten, Antworten oder Häkchen Fiebernden.« (Mannheimer Morgen, 07.02.2020)

 

»Viel originärer Goethe ist dabei nicht übriggeblieben. Breidings Werther hat ja viel zu erzählen. […] Einen Handyfilm von Charlottes Wohnung hat er auch zu bieten, ohne die Angebetete zwar, aber doch mit vielen intimen Details, die den zunehmend ins Pathologische abdriftenden Werther auch als einen handfesten Stalker outen.« (Die Rheinpfalz, 07.02.2020)

 

»Fast unmerklich geht es […] von einer lockeren, manchmal unsicher tastenden Gegenwartssprache hinüber zu Goethes Originaltext, dessen gefühlsumtoster Überschwang hier fast schüchtern-poetisch wirkt. Dabei gelingt das Kunststück, weder den neuen Text allzu flapsig und alltagsbanal werden zu lassen, noch das Original der Ironie preiszugeben. Goethes Sätze klingen wie die kunstvoll überhöhte Geheimsprache eines Liebenden, für die in der Wirklichkeit kein Raum ist und in einer SMS schon gar nicht.« (Die Rheinpfalz, 07.02.2020)

 

»Vielleicht war dieser unterhaltsame, Goethe auf sympathisch-kluge Weise ernst nehmende Abend ja einfach eine clevere Kunstaktion, und Werther hat endlich einen Weg gefunden, seinen Leiden ein unblutiges Ende zu bereiten.« (Die Rheinpfalz, 07.02.2020)