Schauspielhaus

Die Möwe

Komödie von Anton Tschechow Premiere: Fr, 29. November 2019
aus dem Russischen von Angela Schanelec

Sein erstes Theaterstück will der junge Schriftsteller Konstantin zur Uraufführung bringen – mit der von ihm geliebten Nina in der Hauptrolle, dem Landsitz seiner Familie als Bühne sowie Freunden und Verwandten als Testpublikum. Erklärtes Ziel ist nichts weniger als die Revolution des angestaubten Theaterbetriebes, zu dem er vor allem seine Mutter zählt, die gestandene Schauspielerin Irina Arkadina. Der ambitionierte Versuch der Jugend, sich von den Konventionen der Elterngeneration frei zu machen, scheitert jedoch kläglich. Konstantins Publikum zerreißt sein Debüt in der warmen Landluft. Und zu allem Überfluss verliebt sich Nina in den Schriftsteller Trigorin, den Liebhaber Arkadinas.

Man könnte das tragisch nennen. Doch die vermeintlich existentiellen Nöte vom Kunstdiskurs bis zu den romantischen Verflechtungen sind in Tschechows Komödie »Die Möwe« lediglich Fieberblasen einer Moderne, in der viel Lärm um nichts die Ruhe vor dem Sturm ausfüllen soll. Christian Weise zeigt in seiner dritten Arbeit als Hausregisseur Menschen in der Schwebe – nicht unähnlich Trickfiguren, die über einen Abgrund laufen und nicht fallen, solange sie nicht nach unten schauen.

 

#vielzuvielgefühl #allesfürdiekunst #dieideeistgutdochdieweltnochnicht #roadrunner

 

Dauer: 3 Stunden; inkl. einer Pause

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»Christian Weise und dem gut aufgestellten Mannheimer Ensemble gelingt ein berückender, eigenwilliger, sanfter und todtrauriger Theaterabend, an dem Träume der Protagonist*innen bleischwer wiegen und die Zeit doch wie im Tanz vergeht.« (Nachtkritik, 29.11.2019)

 

»Christian Weise hat die Komödie ernst genommen und mit Hilfe Paula Wellmanns eine bunt kostümierte Vielfalt von Personen auf die Bühne gestellt.« (Mannheimer Morgen, 02.12.2019)

 

»Tschechow hat sein Stück eine Komödie genannt, diese Gattungsbezeichnung führt in die Irre. Zwar gibt es auch in Mannheim viele amüsante Momente, und die quäkende Orgel von Jens Dohle rückt alles in eine leicht ironische Richtung, aber der Grundton dieses Stücks ist wehmütig.« (SWR2, 30.11.2019)

 

»[…] in Christian Weises Inszenierung des Bühnenklassikers bewegt sich zwar äußerlich wenig – es dauert, bis die Sommergäste schließlich nach Moskau abreisen –, aber im Inneren der Menschen geht es doch hoch her.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 02.12.2019)

 

»Dass Tschechows Figuren in ihrer Komik oft lächerlich wirken, ist bekannt. Doch Christian Weise vertraut ihrer langweiligen Durchschnittlichkeit, den Anzeichen einer weltmüden Vergeblichkeit nur selten. Wo man feine Seelenschwankungen erwartet, entscheidet er sich oft für derbe Reizbarkeit. Unüberhörbar wird bei ihm mehr geschrien als geseufzt. Doch dass sich hinter den Unzufriedenen und Liebenden nicht selten auch Tyrannen verbergen, lässt Weise deutlich erkennen.« (Mannheimer Morgen, 02.12.2019)

 

»Christian Weise inszeniert Tschechows „Möwe“ als einen Kreislauf aus unerwiderten Gefühlen und leeren Posen. Irgendwie lieben und reden hier alle aneinander vorbei und hoffen, wenn nicht durch die Liebe, dann immerhin durch Literatur und Schauspiel erlöst zu werden.« (SWR2, 30.11.2019)

 

»Weise, Hausregisseur in Mannheim, inszeniert Tschechows vielgespielte "Möwe" als träumerische Groteske mit schön schrägen Momenten: Da ist beispielsweise Irina, von Johanna Eiworth als wunderbar selbstverliebtes, kontrollsüchtiges Biest angelegt. […] Christoph Bornmüllers Trigorin ist ein ausgesprochen tölpelhafter Dichter mit runden Schultern und flehenden Händen, der ungeschickt über die Bühne rutscht und fällt und in Verlegenheit gerät, wenn er, von der exaltiert-forschen, etwas dümmlich wirkenden Nina gedrängt, von sich selbst sprechen soll. Mehr Blättchen im Wind als Herr seines eigenen Lebens. Aber da befindet er sich ja in bester Gesellschaft.« (Nachtkritik, 29.11.2019)

 

»Nina (Vassilissa Reznikoff) ist mit dem erfolglosen Schriftsteller Treplew (László Branko Breiding) liiert, findet aber den erfolgreichen Schriftsteller Trigorin (wunderbar unbeholfen: Christoph Bornmüller) viel interessanter. Der ist aber der Liebhaber von Treplews Mutter Arkadina (Johanna Eiworth als giftige Schreckschraube).« (Rheinpfalz, 02.12.2019)

 

»Diese elf unglücklichen Figuren stehen und sitzen nicht auf der Bühne. Sie fallen auf ihr herum, sie stolpern durch ihre Leben, purzeln Abhänge hinunter, versuchen Berge zu erklimmen, verheddern sich in pinkfarbenen Stoffbahnen, die aus einem Koffer fallen. Diese, dem großartigen Ensemble auch physisch viel abverlangende Bühne mit mehreren Bodenwellen hat Paula Wellmann erschaffen. Scheinwerfer erzeugen immer wieder surreale Bilder, träumerische Sequenzen. Um es mit Element of Crime zu sagen: Schwere See, schwere See, mein Herz.« (Rheinpfalz, 02.12.2019)

 

»Paula Wellmann hat der "Möwe" eine mit gelbem Teppich belegte Bodenwellenbühne gebaut, in drei Bögen nach hinten ansteigend. Sie kündet gleich zu Anfang von stürmischen Zeiten: Ein weicher, sanfter Ort, der sich doch hervorragend eignet zum Fallen und zum Stolpern. In einer Welle sitzt der Musiker Jens Dohle an der Orgel, und spielt die immergleichen Loops. Alle Schauspieler*innen sind stets auf der Bühne, belauern einander und bezeugen das Geschehen – oder sie tanzen, Schatten gleich, wie von Wind verweht über die Wellen.« (Nachtkritik, 29.11.2019)

 

»Da geht – oder wankt – alles seinen tragikomischen Gang. [...] Insgesamt eine dreistündige Aufführung über Vereinzelung. Scheinbar ohne Zusammenhang werden die Menschen vom Schicksal hierhin und dorthin gespült. Aber dennoch gibt es den vitalen Traum von einem glücklichen Leben. Der Zuschauer sieht die Schaumkronen unerfüllter Sehnsucht auf den Wellen tanzen. Und diese werden einmal eine neue Zeit erreichen. Die Hoffnung lebt also weiter – und deshalb auch in der Übergangsgesellschaft unserer Gegenwart.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 02.12.2019)

 

»Begeisterter Beifall für frappierende Bühneneffekte und klasse Darsteller.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 02.12.2019)