Schauspielhaus

Warten auf Godot

Samuel Beckett Premiere: Sa, 19. Oktober 2019
aus dem Französischen von Elmar Tophoven

Er wird nicht kommen, dieser ominöse Godot, aber erwartet wird er trotzdem. Vielleicht lieber gehen? Aber was, wenn er doch kommt? In diesem Dilemma stecken Wladimir und Estragon fest, es gibt kein Vor und kein Zurück. Maximal oszilliert die Handlung von Samuel Becketts Theaterstück »Warten auf Godot« zwischen einem desillusionierenden »noch nicht« und einem hoffnungsvollen »sicher bald«. Die beiden Protagonisten sitzen ihre Zeit ab, sitzen ihre Existenz aus: In einer leeren Landschaft vertreiben sie sich die Zeit mit Spielchen und spüren Erinnerungen nach, die sich mehr und mehr abnutzen.

Mit diesem Herzstück des absurden Theaters beschrieb Beckett 1948, als die Wunden des Zweiten Weltkriegs noch frisch waren, die Sehnsucht des Menschen nach einer unbestimmten Erlösung, die ihn von der ewigen Frage nach dem Sinn des Daseins befreit. In unserer Zeit des medialen Dauerfeuers scheint die Diktatur der einfachen Antworten besonders attraktiv. Sandra Strunz inszeniert Becketts ungebrochen erfolgreiches Werk als Bestandsaufnahme der Moderne, in der sich die erwarteten Erlöser stetig multiplizieren und in der Vielen von uns das Handeln trotz besseren Wissens so schwer fällt.

 

#janeinvielleicht #daseinsdilemma #wielangenoch #wobleibterdenn

 

Dauer: ca. 2 Stunden und 50 Minuten, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Wir danken der Firma Paravan GmbH für die freundliche Unterstützung von »Warten auf Godot«.

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»[...] wir sehen sehr genau, dank der tief lotenden Personenführung der Regie und ihrer überzeugenden Umsetzung durch vier glänzend kooperierende Schauspieler, was im Innern der Figuren vor sich geht. Matthias Breitenbachs Estragon versucht noch stark, Ausdauer und Haltung zu bewahren, während Martin Weigels weicher und weitgehend entmutigter Wladimir der ganzen Misere am liebsten entrinnen würde, wenigstens im Schlaf. Ihre heillose Verstörtheit und ihre Ängste bis hin zur Panik-Attacke äußern sich stumm, aber dafür umso heftiger in rein körperlichen Reaktionen. Anrührend auch, wie sie in der Sehnsucht nach Umarmung nur mühsam den Weg zueinanderfinden. Die wenigen Momente, wo es ihnen gelingt, sich ganz nahe zu sein in einem gegenseitigen Prozess des Anlehnens, Stützens und Tragens, sind Höhepunkte der Aufführung.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 23.10.2019)

 

»In dieses subtil-tragikomische Clownsspiel auf hohem Niveau bricht mit großem Getöse das Duo Pozzo/Lucky ein, grandios verkörpert von Robin Krakowski als Underdog, der den ganz in Gold gekleideten Samuel Koch aus einem um die Brust geschnallten Stuhl vor sich her trägt.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 23.10.2019)

 

»Trotz einiger Verweise auf aktuelle Fragen von existenzieller Bedeutung (Gender- und Klimaschutz-Bewegung) verzichtet die Regisseurin auf eine allzu heutige oder eindeutige Interpretation des Stücks [...].« (Rhein-Neckar-Zeitung, 23.10.2019)

 

»Es ist diese simple Erkenntnis, dieser Ur-Wunsch, diese „vage Bitte“ nach Sinn, die an diesem Abend über drei Stunden trägt. Und uns ausharren lässt. Dabei versteht Regisseurin Sandra Strunz ihren Beckett bewusst nicht als klassisches Judenverfolgungsdrama, sondern spannt die Flügel zwischen historischer Anleihe und zeitgenössischen Krisen, um sie an einem Ort zu bannen, an dem scheinbar schon alles zu spät ist.« (Mannheimer Morgen, 21.10.2019)

 

»Bühnenbildner Philip Bußmann entführt ein ausverkauftes Haus an den Un-Ort einer entrückten Autoscooter-Bahn, in der nur eines herrscht: Verfall. Die Lampen des einstigen Vergnügungspalastes flackern zwar noch, doch aus dem Verkaufshäuschen drängt nur noch der fahle Rauch vergangener Party-Nächte.« (Mannheimer Morgen, 21.10.2019)

 

»Martin Weigel zeigt uns als Wladimir eine passionierte Ordnungsmacht, die Realitäten festzuhalten versucht, aber auch Halt bietet, wo Einsamkeit droht. Matthias Breitenbach dagegen verkörpert als Estragon jenen weltverlorenen Burnout-Kandidaten, der den Augenblick mit feuriger Intensität lebt, um sich an das verglimmte Resultat schon binnen Sekunden nicht mehr zu erinnern. […] So – und auch das macht diesen Abend so groß – darf man Zweien zwischen Suizidversuch und Anekdoten beim existenziellen Müßiggang zusehen, die nicht an sich, sondern an der Welt scheitern, die Existenzen zerklüftet.« (Mannheimer Morgen, 21.10.2019)

 

»Dass Koch seinem sklavischen Treiber so viel Menschlichkeit schenkt, dass er während seines Nervenzusammenbruchs beinahe mehr Empathie erntet, als sein ausgezehrter Sklave, der nach einem furiosen Monolog („Trotz Tennis!“) schwer verletzt zu Boden sinkt, schockiert und imponiert gleichermaßen.« (Mannheimer Morgen, 21.10.2019)

 

»Wo Samuel Koch Pozzo mit sadistischem Understatement spielt, agiert Robin Krakowski grandios als Lucky, verausgabt sich körperlich und führt in seinem berühmten Monolog zum Kern des Stücks: Man weiß nicht warum.« (SWR2, 21.10.2019)

 

»Es scheint, als habe Samuel Beckett 1952 eine Rede für eine „Fridays for Future“-Demo 2019 geschrieben: „In dieser Gegend und in diesem Augenblick sind wir die Menschheit, ob es uns passt oder nicht."« (Rheinpfalz, 21.10.2019)

 

»Die Idee, Becketts Landstraße als Autoscooter zu zeigen, ist schlichtweg genial.« (Rheinpfalz, 21.10.2019)

 

»"Es passiert aber auch gar nichts“, sagt Estragon und irrt natürlich komplett. Sonst würde das Premierenpublikum nicht so laut und so lange jubeln.« (Rheinpfalz, 21.10.2019)

 

»Das enervierende Warten, das Strunz am Anfang groß ausstellt, einschließlich der Bezüge zur Langeweile, kann in den Aktionen mit den Scootern übertüncht werden […].Das gibt der Inszenierung zugleich einen sehr spielerischen Charakter […].« (Deutsche Bühne, 20.10.2019)

 

»Samuel Koch, in goldglänzendem Kostüm, spielt einen feinsinnigen Herrn, müde, sich vor dem Leben ekelnd. Robin Krakowski stellt hingegen einen jungen koboldhaften Lucky vor, der mit seinem großen Solo des Denkens, in dem er mit Genuss die Phrasenhaftigkeit theoretischer Sätze auseinanderpflückt, Beifallsstürme herausfordert.« (Deutsche Bühne, 20.10.2019)

 

»Zur „Lohengrin“-Ouvertüre kommt ein Erdballballon ins Spiel, Charlie Chaplins Interpretation für den „Diktator“ wird ins Ökologische gewendet. Als der Ballon vom ausnahmsweise fahrtüchtigen Autochen plattgemacht worden ist, können die Erwachsenen ihn nicht mehr aufpusten. Der Junge zischt ihnen aus dem Nichts ein paar Greta-Thunberg-Worte entgegen. Mitten im ansonsten unbehelligten Text (in der Übersetzung von Elmar Tophoven) ist das ein verblüffender, alptraumartiger Moment.« (Frankfurter Rundschau, 22.10.2019)

 

»Strunz baut ihre Interpretationsangebote dezent ein. Auch wenn der Text dadurch nicht an Tiefe gewinnt, so wird den Zuschauern doch eine Bequemlichkeit genommen, die sie gegenüber dem vertrauten Theaterereignis entwickeln können.« (Frankfurter Rundschau, 22.10.2019)

 

»Vor allem wird aber kraftvoll gespielt, auch hierbei dürfte die ungewöhnliche Umgebung hilfreich sein. Matthias Breitenbach und Martin Weigel als Estragon und Wladimir sind ein stabiles, lebensvolles Paar.« (Frankfurter Rundschau, 22.10.2019)

 

»Das eigentliche Virtuosenstück liefern aber Samuel Koch und Robin Krakowski als Pozzo und Lucky. […]Wie Kochs Handicap die Regie auf Ideen bringt, die sonst vermutlich ebenso möglich wären, aber erst jetzt wird es probiert – oder erst jetzt erzielt es Wirkung. […] Luckys großes Denken ist dann eine auch enorm witzige Steigerung in den völligen Irrsinn und die völlige Erschöpfung.« (Frankfurter Rundschau, 22.10.2019)