Schauspielhaus

Der Elefantengeist

Lukas Bärfuss Premiere: Sa, 29. September 2018
Uraufführung | Auftragswerk

Er war der »schwarze Riese« der alten BRD: Helmut Kohl (1930 – 2017). Als Bundeskanzler prägte Kohl 16 lange Jahre die Politik der Bundesrepublik. Der Wegbereiter der Europäischen Union und »Kanzler der Einheit« war auch verstrickt in Spendenaffären und gab mehr als nur ein umstrittenes Ehrenwort. Als Inbegriff deutscher Biederkeit und Weltpolitiker in einem zog Kohl Spott auf sich und beeindruckte zugleich durch seinen Machtinstinkt und sein vermeintliches Elefantengedächtnis. In ihrer ersten gemeinsamen Theaterarbeit gehen der Autor Lukas Bärfuss und die Regisseurin Sandra Strunz der Frage nach, wie Kohl uns in Erinnerung bleiben und welche Bedeutung sein Name für künftige Generationen haben wird. Der Pfälzer wird zum Ausgangspunkt einer Expedition in eine versunken anmutende Zeit. Für seine Theaterstücke und Romane wurde Lukas Bärfuss vielfach ausgezeichnet. Er gilt als eine der wichtigsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur. Mit »Der Elefantengeist« schreibt Bärfuss erstmals ein neues Stück für das Nationaltheater Mannheim. Sandra Strunz inszenierte u. a. am Staatsschauspiel Dresden und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

 

Dauer: 2 Stunden und 30 Minuten, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

»Ein gutes Jahr nach dem Tod des CDU-Politikers, der im Juni 2017 starb und eine zerstrittene Familie hinterließ, ist "Der Elefantengeist" vor allem eine erhellende Schocktherapie. Die Diskussionen, die Holtzhauer und sein Team in Mannheim lostreten, versprechen an der zweitgrößten Bühne Baden-Württembergs ein vielstimmiges Theater, das den Diskurs nicht scheut.« (Nachtkritik, 29.9.2018)

 

»Obwohl Kohl als Person nicht auftritt, eignet sich Matthias Breitenbach in der Rolle des Expeditionsleiters Dr. Matthias die Machtbesessenheit des Politikers an, der in seinem Zuhause in Rheinland-Pfalz die Mächtigen der Welt mit Saumagen bewirtete. Im Diskurs mit seinen Forschern liefert er eine Analyse des Altkanzlers, die den Mythos von dessen biederer Volkstümlichkeit in Frage stellt.« (Nachtkritik, 29.9.2018)

 

»Die Spieler tragen ihre eigenen Namen, fallen aus der Rolle und lassen das Publikum an ihrer persönlichen Sicht auf die Akte Kohl teilhaben. Besonders schön gelingt das Johanna Eiworth, die mit blonder Perücke und Stöckelschuhen als täuschend echtes Ebenbild der Kanzlergattin Hannelore aus einem Erdloch schlüpft. Obwohl die zierliche Spielerin die Frau an der Seite des Mannes mit dem Elefantengedächtnis erfrischend frech auf die Schippe nimmt, meißelt sie doch deren tragisches Schicksal heraus.« (Nachtkritik, 29.9.2018)

 

»Sandra Strunz […] übersetzt die Sprünge in der Seele der Menschen in eine bemerkenswerte Choreografie, die Bärfuss' bisweilen mit Fakten überladenem Text die Schwere nimmt. […] Atmosphärisch dicht setzt Strunz die deutsche Geschichte in Szene, die der Tod des Alt-Kanzlers im vergangenen Jahr ins kollektive Gedächtnis rief.« (Nachtkritik, 29.9.2018)

 

»Das temperamentvolle Ensemble haucht den vom Ballast der Zeitgeschichte erdrückten Figuren eine Leichtigkeit ein, die einen unverstellten Blick auf ihre menschliche Seite möglich macht. Sandra Strunz' sinnliches Theater der Seelenbilder offenbart die tragische Fallhöhe der Figuren, die jenseits allen Grolls in jedem Satz von Bärfuss' Geschichtstheater mitschwingt.« (Nachtkritik, 29.9.2018)

 

»Die starken Bilder des Abends werden in Erinnerung bleiben.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 1.10.2018)

 

»Es ist eine poetische Polemik, die Lukas Bärfuss da geschrieben hat. Er erliegt nie der Gefahr, in eine vordergründige Sketchparade zu verfallen. Sandra Strunz nimmt das Raunende, das Mythisch-Dunkle des Stoffes sehr ernst […] verhält sich durch und durch werkgetreu und beweist bei den teils tänzelnden Auftritten ihres vorzüglichen siebenköpfigen Ensembles ein feines choreografisches Gefühl.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 1.10.2018)

 

»"Der Elefantengeist" ist kein Dokudrama, sondern eine fiktional gerahmte Abrechnung mit dem Kanzler der Einheit.« (Süddeutsche Zeitung, 4.10.2018)

 

»Das ist ein lakonisches, oft fast revuehaftes Stück übers System Kohl geworden, das fürs System Deutschland steht: eine noch nicht vergangene Vergangenheit, die uns prägt. Ein vorzügliches Ensemble spielt das so pointiert wie politisch-poetisch.« (Thüringer Allgemeine, 1.10.2018)

 

»Ausgeklügelter kommt der Soundtrack daher, die Musiker Karsten und Rainer Süßmilch verballhornen dafür Melodien von John Cage über Wagner und Udo Jürgens bis zum alten "Tagesschau"-Jingle aufs Wunderlichste. Sie spielen auf der Bühne und tauchen immer mal wieder unvermittelt auf, etwa als Kohls lederbehoste Söhne im Bungalow. Der erweist sich immer wieder als Hingucker [...].« (TAZ, 4.10.2018)

 

»Die von Bühnen- und Kostümbildnerin Sabine Kohlstedt minimalistisch, aber effektvoll gestaltete Landschaft besteht aus einer Ruine in der vergessenen Bundeshauptstadt Bonn.» (Mannheimer Morgen, 1.10.2018)

 

»Die parabelhafte Erzählweise funktioniert, weil das Stück bei aller Ernsthaftigkeit und Schärfe stets unterhaltsam bleibt und schon in der Pause Diskussionen auslöst.» (Mannheimer Morgen, 1.10.2018)

 

»Regisseurin Sandra Strunz macht aus der Vorlage eine regelrechte Spielwiese für Schauspieler. Sie dürfen tanzen, singen, blödeln, turnen, küssen, kabarettistische Pointen setzen und deklamatorische Kurzmonologe halten. Das genießen die sieben Darsteller sehr, vor allem die Präsenz von Eiworth und Breiding sowie die Wandlungsfähigkeit von Breitenbach beeindruckt.« (Mannheimer Morgen, 1.10.2018)

 

»Das es Sandra Strunz, aber auch dem fulminant agierenden Ensemble gelingt, die schändlichen Mechanismen konstruierter Macht mit chirurgischer Präzision freizulegen, darf man als Clou bezeichnen.» (Badisches Tageblatt, 1.10.2018)

 

»Die Regisseurin Sandra Strunz […] bringt Bärfuss‘ kritisch-böse Politparabel in einen herrlichen Schwebezustand. Ganz leicht und spielerisch vollzieht sich dieser Übergang von Menschen und Zeiten.« (Die Rheinpfalz, 1.10.2018)

 

»[…] da ist Johann Eiworth, geschaffen aus dem biografischen Material der Hannelore Kohl! Ihr gelingt im Laufe der Inszenierung eine emanzipatorische und darstellerische Wandlung […] das ist berührend und tragisch.« (NZZ, 30.9.2018)

 

»In dem zweistündigen Stück gehen Autor Lukas Bärfuss und Regisseurin Sandra Strunz mit kritischem Blick der Frage nach, welche Bedeutung Kohl für künftige Generationen haben wird.« (Echo, 1.10.2018)

 

»[…] „Der Elefantengeist“ über Helmut Kohl – als Charakterstudie und Requiem für einen unerlösten Geist: düsteres Endzeitpanorama statt blühender Landschaften. Apokalypse Now. Das Premierenpublikum quittiert die Aufführung mit kräftigem Applaus.» (stern.de, 30.9.2018)