Studio Werkhaus

X (DSE)

Alistair McDowall Premiere: Fr, 04. Mai 2018
Deutschsprachige Erstaufführung

Irgendwann in einer nicht allzu fernen Zukunft. Die Besatzung einer Raumstation befindet sich für eine Forschungsmission auf Pluto, am äußersten Rand unseres Sonnensystems, als plötzlich der Kontakt zur Erde abbricht. Da die Lebenserhaltungssysteme an Bord auf Jahrzehnte angelegt sind, bleibt der Crew nur eines: Warten. Dann spielt auf einmal die Uhr verrückt, und keiner weiß mehr, wie lange sie eigentlich schon warten: Wochen, Monate oder gar Jahre? Konfrontiert mit der Ewigkeit, beginnen sich Erinnerungen zu relativieren, geraten Identitäten ins Wanken, lösen sich Realität und Rationalität immer weiter auf. Woher kommt die Kinderstimme? Wer hat das blutrote X an die Wand gemalt? Wer bin ich angesichts des großen Nichts? Das existentielle Vakuum an Bord entwickelt sich zu einem kafkaesken Paralleluniversum.

Über die Uraufführung 2016 in London schrieb die britische Financial Times: »Gewohnte Bezugspunkte werden außer Kraft gesetzt. Der Verlust des Zeitgefühls führt zum Kollaps kohärenter Erzählmuster, der Persönlichkeit und schließlich sogar der Sprache. Lässt man sich darauf ein, kann man sich der beklemmenden Wirkung von X kaum entziehen«. Und die New York Times urteilte begeistert: «Die Handlung von X schreibt sich im Moment ihrer Verfertigung, sodass man im zweiten Akt fast jedes Detail aus dem ersten überdenken muss … Am Schluss stellt man sich elektrisiert die Frage, wovon man da gerade Zeuge war.»

 

Alistair McDowall, 1987 in Nordengland geboren, gilt als eine der bedeutendsten und spannendsten britischen Stimmen seiner Generation. Am Nationaltheater waren bereits die deutschsprachigen Erstaufführungen seiner Stücke Brilliant Adventures und Pomona zu sehen.

 

Zino Wey, geboren 1988 in Basel,  inszeniert u.a. am Schauspielhaus Zürich, den Münchner Kammerspielen, dem Residenztheater München, dem Schauspielhaus Wien sowie am Ballhaus Ost in Berlin. In der Spielzeit 2014/2015 brachte er am Nationaltheater Mannheim Noah Haidles Götterspeise zur Uraufführung.

 

Dauer: ca. 1 Stunde, 40 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

»Je länger der Abend dauert, desto beklemmender wird die Atmosphäre. Anfangs war noch herzhaft gelacht worden, etwa über die britisch-bösartige Bemerkung, nichts schmecke besser als etwas, das mit Gedanken herumlief. Aber je unwirklicher alles wird, desto brutaler wird es auch.« (Die Rheinpfalz, 07.05.2018)

 

»Die sehr guten Schauspieler laden die Zuschauer mit diesem fremdartigen Szenario schon einmal zu Gedankenreisen ein. – Starker Applaus.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 07.05.2018)

 

»Seine Kritik am Zeitgeist vermittelt Autor Alistair McDowall aber – und das ist die große Stärke von „X“ – gleichsam nebenbei. […] Ansonsten scheint es dem jungen Regisseur aus der Schweiz [Zino Wey] große Lust zu bereiten, zu irritieren und Fragezeichen zu erzeugen. Die Vorlage seines Altersgenossen McDowall greift er begeistert auf und treibt die Verwirrung auf die Spitze.« (Die Rheinpfalz, 07.05.2018)

 

»Aber Pluto ist überall. Was der britische Autor Alistair McDowall (Jahrgang 1987) hier in die faszinierende Expedition einer Science-Fiction-Story verpackt, ist eine Reise ins Nichts, die jeder Mensch irgendwann antritt. Allerdings zeigt der Dramatiker nicht den berühmten Lebensfilm, der kurz vor Ausfall der Vitalfunktionen noch einmal abläuft. Sondern er führt vielmehr eine kollektiv erzeugte Lebensphase ganz neuer Qualität mit völlig veränderten Koordinaten vor Augen.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 07.05.2018)

 

»Warten auf Godot im Weltall« (Mannheimer Morgen, 07.05.2018)

 

»Verena Buss, eine Grande Dame des deutschen Theaters, spielt die Laborleiterin Gilda herrlich verloren im Zeit-Raum-Nichtkontinuum.« (Die Rheinpfalz, 07.05.2018)