Opernhaus

Esame di mezzanotte

Lucia Ronchetti (Musik) / Ermanno Cavazzoni (Text) Premiere: Fr, 29. Mai 2015
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
»URAUFFÜHRUNG DES JAHRES 2015« (OPERNWELT)

Ein von Nervosität zur Schlaflosigkeit getriebener junger Mann quält sich mit einem typischen Angstszenarium: Die Abschlussprüfung soll am nächsten Tag stattfinden und er hat alles vergessen … Nachts irrt Giro durch eine Bibliothek, doch die Bibliothek hat ihre eigentliche Bestimmung verloren. Sie ist wie der Untergrund einer Stadt, ein Sammelbecken für Unangepasste. Giro trifft auf bizarre Gestalten und Quälgeister, die aus den Büchern kriechen und unter den Bänken schlummern. Hirngespinste vergegenständlichen sich, reale Ängste und surreale Geschehnisse vermengen sich bis zur Unkenntlichkeit. Eine komische und fantastische Oper über die sich dem Ende neigende Welt der Bücher, über Prüfungen und Konzentrationsmängel, über Störungen und Gestört-Werden.

Das Libretto wurde von dem Autor Ermanno Cavazzoni, der bereits die Vorlage zu Federico Fellinis Film Die Stimme des Mondes schrieb, auf Grundlage seines Romans Mitternachtsabitur verfasst. Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti arbeitet mit verschiedenen musiktheatralen Formen: Choropern für Ensembles mit Laienchören gehören ebenso dazu wie musiktheatralische Experimente ohne Bühne.

 

Dauer: 2 Stunden und 5 Minuten, inkl. einer Pause (20 Minuten) nach 1 Stunde und 5 Minuten 

 

 

Kompositionsauftrag finanziert durch die

 

„Musikalisch verwendet Ronchetti in ihrer dicht gearbeiteten, dennoch meist schlank und sprechend instrumentierten Partitur alle Spiel- und Gesangstechniken der Avantgarde […].

«Esame di mezzanotte» ist ein Theater der Klänge – und zugleich eine richtige Oper, deren einzelne Szenen in ihrem charakteristischen Tonfall, ihrer individuellen Instrumentalbesetzung und gestischen Prägnanz wie bruchstückhafte Nummern klar gegeneinander abgesetzt und konturiert sind. […]

Was die Mannheimer Aufführung zum Ereignis machte, war die Inszenierung des unverwüstlichen Achim Freyer, der wie stets in Personalunion für alles – Regie, Bühne, Kostüme, Licht- und Videokonzeption – verantwortlich zeichnete. Wenn Giro in der mitternächtlichen Bibliothek erwacht, konfrontiert Freyer ihn mit einer Fantasiewelt, in der sich reale Ängste und surreale Ereignisse mischen. […]

Auch musikalisch war der von Johannes Kalitzke souverän dirigierte Abend ein Triumph für alle Mitwirkenden – die Solisten, allen voran Matthew Shaw (Giro), Vera-Lotte Böcker (Iris) und Ziad Nehme (als von der Schlafsucht geplagter Lehrer Natale), den Chor und das Orchester des Nationaltheaters.

Ein Sonderlob gebührt dem Kinderchor, der Ronchettis knifflige Janequin-Paraphrase geradezu magisch intonierte. Nicht zuletzt war der begeistert akklamierte Abend eine Bestätigung für die wagemutige Spielplanpolitik des Mannheimer Opernintendanten Klaus-Peter Kehr, der allein in den letzten Jahren sechs anspruchsvolle Werke zur Uraufführung brachte und damit so manch größeres Haus auf die Plätze verwies.“ (Opernwelt, Juli 2015)

Esame di mezzanotte ist ein Theater der Klänge, Farben und Bilder – eine richtige Oper, deren einzelne Szenen fast wie Nummern mit einem je eigenen Tonfall, der in einer charakteristischen Instrumentalbesetzung oder Gesangsdeklamation bestehen kann, klar gegeneinander abgesetzt sind. […]

Mannheim hat in den letzten Jahren mit mehreren spektakulären Uraufführungen einen Wagemut bewiesen, der so manches größere, renommierte Opernhaus auf die Plätze verweist.“ (Stuttgarter Zeitung, 2. Juni 2015)

„Obwohl das Werk Chor, Stimmen und Vokalensemble vorschreibt, zudem ein Orchester mit umfangreichem Schlagwerk und Klavier, verzichtet Ronchetti auf Bombast. Vielfach entwirft sie reduzierte Klanginstallationen, was unter der Leitung von Johannes Kalitzke von allen Beteiligten überaus feinsinnig verlebendigt wurde. […]“ (Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2015)

„Hervorzuheben sind neben dem Countertenor Matthew Shaw als Giro der profunde Bass Magnus Piontek als Rasorio, die klangschön alle Klippen der Partitur meisternde Sopranistin Vera-Lotte Böcker als Iris und der spielerisch wie sängerisch agile Philipp Alexander Mehr als aberwitzige Griechisch-Lehrerin. […]“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 2015)

„Chor und Orchester des Nationaltheaters haben sich unter der Leitung von Johannes Kalitzke großartig auf die Musik der am Ende gefeierten Komponistin eingestellt und bereichern die Uraufführung mit ihrer längst erfreulich hohen Expertise für Gegenwartsmusik.“ (Wiesbadener Kurier, 1. Juni 2015)

„Lucia Ronchettis Vertonung ist selbst ein Gebilde wie eine Bibliothek, ein mehrdimensionaler und geradezu enzyklopädischer Ereignisraum aus Zitaten, Formen und Verweisen, mit dicht gewirkten Teppichen, dramatischen Drohgebärden, gebrochenen Pathosgesten und perkussiv strukturierten Flächen. […]

Dem Sängerensemble und den Musikern wird in gesangs- und spieltechnischer Hinsicht allerlei abverlangt, und was man in Mannheim zu hören bekommt, ist von außerordentlicher Prägnanz und Qualität. Große Oper. […]“ (Frankfurter Rundschau, 1. Juni 2015)

„Auch diese Ronchetti-Partitur entwickelt mal wieder ordentlich theatrale Zündkraft. Der Name der Komponistin steht für Klänge, die an sich schon Theater sind! Und dafür wird sie in Deutschland geschätzt. […]

Die Handlung bebildert Freyer äußerst phantasievoll, das kann man gar nicht anders sagen. Sogar märchenhaft. Überall zündet eine Idee. […]

Lucia Ronchettis erste große Partitur [bleibt] erstaunlich transparent. Sehr leicht. Ein flüchtiger Traum eben! Aber ein absolut abwechslungsreicher Traum, der zweieinhalb Stunden nicht an Spannung verliert! […]“ (Die Deutsche Bühne, 1. Juni 2015)

„Eine höchst aufwändige Produktion leistet sich hier das Nationaltheater, doch der permanent parlierende Text und die ausdifferenzierte Musik lohnen die Anstrengung, zumal mit Johannes Kalitzke ein Spezialist am Pult steht, der Um- und Übersicht bewahrt und mit verschieden platzierten Chören, Orchester und Instrumentalsolisten präzise umgeht. Auch darstellerisch wird den Protagonisten allerhand abverlangt. Da gefallen neben erwähntem Matthew Shaw vor allem auch Bassist Magnus Piontek als Bibliotheksdirektor in Zirkuschef-Montur, sowie Christoph Wittmann, Reuben Willcox, Ziad Nehme, Vera Lotte Böcker, Philipp Alexander Mehr und Daniela Tessmann, die alle ihr individuelles Profil ausleben. Chor und Kinderchor sind exzellent. […]“ (Opernnetz, Juni 2015)

„Überwiegend junge Sänger wirken mit, und der ätherische Sopran von Vera-Lotte Böcker als Bibliothekarin Iris fasziniert nicht weniger als Magnus Piontek, der mit seinem Bass den komisch (oder furchterregend) wichtigtuerischen Chef des Instituts gibt. […]

Eine besonders wichtige Funktion erfüllt der Chor, den Anton Tremmel und Francesco Damiani nicht nur räumlich ungemein flexibel halten müssen. Er gibt dieser Bibliothek erst eine Stimme. Über allem thront der exzellente Kinderchor (Leitung: Anke-Christine Kober), der die Unschuld herrenloser Bücher transzendiert. […]“ (Mannheimer Morgen, 1. Juli 2015)

„Das berauschende Mittel zeigt schon während der Aufführung seine Wirkung: mehr davon! […]

So zum Beispiel wenn Natale (Ziad Nehme), einer der Bibliotheksbesucher, in seiner liebestrunkenen Schlaflosigkeit ein sternengleich glitzerndes Ding (…) liebkost. Das ist Poesie. Lyrik in Bühnenbild-Form. Dazu spielt Oboistin Daniela Tessmann berückende Melodien. […]

Die Sänger meistern die hohen Anforderungen bestens. Allen voran Matthew Shaw in der Hauptrolle des Giro Lamenti, der (…) sein Auf und Ab an Gefühlen in ein Auf und Ab der Stimme umsetzt. […]

Für Lachen sorgt Philipp Alexander Mehr in seiner toll gespielten Rolle der transgendernden Griechischlehrerin. Markus Piontek gibt den selbstbewussten Bibliotheksdirektor, der mit tönendem Opern-Bass die Bedeutung der Bücher predigt. […]“ (Die Rheinpfalz, 1. Juni 2015)

„[D]ie Szene pendelt zwischen Poesie, Magie, Traum und Burleske ebenso wie die Musik. Es sind faszinierende Klänge, die Lucia Ronchetti für dieses große Auftragswerk des Nationaltheaters schrieb. Eine feine Musik, die ebenso sinnlich wie geistreich daherkommt. […]

Magische Klänge findet die Komponistin immer wieder. Darunter Chorharmonien, die sich wie ein Echo um Sologesänge legen. Unerhörte Töne in traumhaften Registerkombinationen gibt es ebenso vom Orchester. Eine große Offenheit und Freiheit bestimmt diese Tonsprache. […]

Eines der ganz wichtigen Werke des neuen Musiktheaters ist „Esame di mezzanotte“ heute schon.“ (Rhein-Neckar-Zeitung, 1. Juni 2015)

„Und die Mannheimer mögen Achim Freyer. Sie zeigten ihm dies nach der Uraufführung von „Esame di mezzanotte“ am Freitagabend im Opernhaus durch einen starken, nicht nur freundlich meinenden, sondern durch einen von der Aufführung überzeugten Applaus und sie dankten ihm für ein zweistündiges, opulentes Mahl, das wie nicht anders zu erwarten, ein durchweg surrealistisches Gesamtkonzept aus Musik, Gesang, Darstellung und Bühnenbild war. […]

Eine komisch fantastische oder fantastisch komische Oper, die Johannes Kalitzke am Pult exzellent führte und das Orchester zu einem fulminanten Klangkörper werden ließ. Da passte sich der Chor, der mit im Orchestergraben sang, unter Leitung von Anton Tremmel und Francesco Damiani hervorragend an und besonders viel Applaus erhielt der Kinderchor unter Leitung von Anke-Christine Kober. […]

[E]in Ensemble, das zu hohen Leistungen herausgefordert war und diese Herausforderungen in den 16 szenisch dargestellten Handlungssträngen glänzend bestand. […]“ (Schifferstadter Tagblatt, 2. Juni 2015)