Digitale Veranstaltung

body*camp 5 – Körpergeschichten aus der binären Welt des Sports


Ein Vortrag über juristische und praktische Herausforderungen körperlicher Vielfalt im Sport aus biologischer, juristischer und sportrechtlicher Perspektive

Wie steht es damals und heute um die geschlechtliche Vielfalt im Sport? Was sind die juristischen und praktischen Herausforderungen bzgl. der vorgenommenen und noch anstehenden Maßnahmen zur geschlechterinklusiveren Gestaltung des Sportbetriebes – sowohl bei den Profis als auch im Breitensport?

 

Mit dem Projekt body* sind das Mannheimer Stadtensemble des NTM und der queere Mannheimer Sportverein mvd in dieser Spielzeit auf der Suche nach diversen Körpergeschichten in unserer Gesellschaft. In diesem Rahmen haben sie die Sportrechtsanwältin Prof. Dr. Anne Jakob eingeladen, ihr Wissen zum Thema geschlechtliche Vielfalt im Sport mit uns zu teilen.

In ihrem Vortrag wird sie anhand anschaulicher Beispiele den rechtlichen Hintergrund zu Geschlechtertrennung und -identitäten im Sport im Speziellen, aber auch aus biologischer und rechtlicher Perspektive allgemein beleuchten. Sie erlebte als Verantwortliche für die Dopingkontrollen anlässlich der Leichtathletik WM 2009 in Berlin den Fall um die Sportlerin Caster Semenya hautnah mit und befasst sich seitdem intensiv mit den Fragen der geschlechtlichen Vielfalt im Sport.

In den meisten gesellschaftlichen Bereichen herrscht noch immer eine binäre Trennung der Geschlechter in Mann und Frau, auch wenn mittlerweile wissenschaftlich anerkannt ist, dass Geschlecht und Geschlechtsidentitäten nicht in zwei Kategorien einzuteilen sind, sondern sich auf einem Spektrum darstellen. Diese binären Strukturen sind in der Welt des Sports, insbesondere des Profisports, traditionell fest verankert. In dem Wunsch, ein vermeintlich faires Wettkampgeschehen zu gewährleisten, wurde die Geschlechtszuschreibung aufgrund biologischer Merkmale zur noch heute vorherrschenden Zugangsvoraussetzung. Dieses Vorgehen führte und führt noch zu oft zu fragwürdigen Geschlechtertestungen und zum Ausschluss von vielen transsexuellen, transidenten, intergeschlechtlichen und nicht binären Sportler*innen.

Wie sollte der Sport, der doch auch immer Abbild unserer Gesellschaft ist, mit diesen binären Strukturen umgehen? Wie lässt sich ein faires Wettkampgeschehen gestalten?

Im Vortrag werden Lösungsansätze zu diesen Fragen abgewogen, aber auch Grenzen des Wunsches, gerechte Wettkampfbedingungen herzustellen, aufgezeigt. Anschließend gibt es die Möglichkeit Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Die Veranstaltung findet per Zoom statt. Den Link erhalten Sie kurz vor der Veranstaltung nach einer Anmeldung per Mail unter: ntm.stadtensemble@mannheim.de

 

 

Prof. Dr. Anne Jakob, LL.M.

Prof. Dr. Anne Jakob ist Fachanwältin für Sportrecht, Professorin für Wirtschaftsprivatrecht, Sportrecht und Compliance und Autorin. Seit Beginn der Causa um die Athletin Caster Semenya 2009 beschäftigt sie sich mit den tatsächlichen und juristischen Herausforderungen der Geschlechtervielfalt im Sport. Frau Jakob ist Schiedsrichterin am Deutschen Sportschiedsgericht, am Unabhängigen Schiedsgericht der Deutschen Eishockey-Liga, am Schiedsgericht des Deutschen E-Sport Bundes, sie ist zudem Mitglied der Anti-Doping-Kommission des Nationalen Paralympischen Komitees und Präsidentin der International Sport Lawyers Association.