Schauspielhaus

Ellbogen

nach dem Roman von Fatma Aydemir in einer Fassung von Selen Kara Premiere: Sa, 18. Januar 2020

Hazal will endlich volljährig werden. Ihr Leben besteht aus Zeitabsitzen in der »berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme«, erfolglos Bewerbungen schreiben, Streit in der Familie und Kiffen mit ihren Freundinnen. Sie fühlt sich als Fremde in ihrem eigenen Land, und es scheint sich keine einzige befriedigende Perspektive zu eröffnen. Ihr Sehnsuchtsort ist Istanbul, wo Mehmet auf sie wartet, den sie aus dem Internet kennt und der sagt, dass er sie liebe. An ihrem 18. Geburtstag geht sie mit ihren Freundinnen feiern. Der Abend eskaliert. Und zwar so heftig, dass das Mädchen aus Angst vor der Polizei aus Deutschland flieht – nach Istanbul, in die Stadt ihrer Träume. Das echte Istanbul hat mit dieser jedoch kaum etwas gemeinsam. Fatma Aydemirs viel beachteter und preisgekrönter Debütroman »Ellbogen« ist eine ungeschönte, hochemotionale Geschichte über Verlorenheit, Gewalt und das Erwachsenwerden in einer chaotischen Welt.

Selen Karas Inszenierung »Istanbul« läuft seit Oktober 2018 mit großem Erfolg auf der Bühne des Schauspielhauses.

 

#erwachsenwerden #warumwirundnichtuns #deineheimatmeinalbtraum #comingofage #girlsinrage

 

Dauer: 1 Stunde und 45 Minuten; keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

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»In ihrer von humorvollen Passagen aufgelockerten Inszenierung bedient sich Selen Kara des Geniestreichs, die Ich-Erzählerin des Romans auf drei Rollen zu verteilen. […] Gleichzeitig legt die Regisseurin, die am Nationaltheater schon die äußerst erfolgreiche Revue „Istanbul“ inszeniert hat, den sympathischen Zug an den Tag, ihre Wunschdarstellerin, die aus dem Fernsehen bekannte Kieler „Tatort“-Kommissarin Almila Bagriacik, nicht wie einen Star in den Mittelpunkt zu stellen. Vassilissa Reznikoff und Tala Al-Deen aus dem Ensemble des Nationaltheaters stehen ihr an schauspielerischer Überzeugungskraft in nichts nach. Außerdem können die beiden in weiteren Rollen – wie ebenso Nicolas Fethi Türksever, der sämtliche Männerrollen spielt – vom Facettenreichtum ihrer Kunst überzeugen.« (Die Rheinpfalz, 20.01.2020)

 

»Die Autorin Fatma Aydemir bietet in ihrer Romanvorlage »Ellbogen« keine einfachen Erklärungsmuster. Sie beschreibt, wie zermürbend der alltägliche Rassismus für Hazal ist, wie lähmend der ständige Streit mit ihrer verständnislosen Mutter und dem heimwehkranken Vater, wie frustrierend es ist, von einer berufsvorbereitenden Maßnahme in die Andere zu rutschen. […] es spielen und sprechen alle drei Schauspielerinnen im Wechsel den Text von Hazal. Übrigens drei ganz ausgezeichnete Schauspielerinnen.« (SWR2, 20.01.2020)

 

»Selen Karas Bühnenfassung verteilt den Text auf drei Schauspielerinnen und einen Schauspieler. Hazals größten Part übernimmt als prominenter Gast „Tatort“-Mimin Almila Bagriacik, die zwischen Agro-Inbrunst, trotziger Lakonie und realer Wut mädchenhaft changiert, nicht chargiert. Ihre Kollegin Vassilissa Reznikoff überzeugt als nassforsche Freundin Elma und auch in der Rolle von Hazals Mutter […]. Gekonnt schlüpft Nicolas Fethi Türksever in fast sämtliche männliche Rollen des Abends. Den Pokal für Wandlungsfähigkeit macht ihm nur Tala Al-Deen streitig, die als Freundin Gül, Besserwisser-Tante Semra und halbstarker Bruder Onur die beste Schauspielleistung des Abends ablegt.« (Mannheimer Morgen, 20.01.2020)

 

»Almila Bagriacik spielt nicht nur die Protagonistin Hazal, sondern auch deren leutselige Oma. Auch ihre beiden Bühnenpartnerinnen Vassilissa Reznikoff und Tala Al-Deen sowie Nicolas Fethi Türksever als einziger männlicher Darsteller teilen sich mehrere Rollen – allesamt mit starker Bühnenpräsenz und einem rotzigen Jargon […]. Damit lassen sich beim Premierenpublikum viele Pluspunkte sammeln.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 20.01.2020)

 

»Hazals Geschichte, eine Geschichte familiärer Konflikte, gesellschaftlicher Ablehnung und persönlicher Perspektivlosigkeit, eskaliert auf schockierende Weise. Regisseurin Kara, die sich keineswegs verpflichtet fühlt, den Roman möglichst vollständig nachzuerzählen, lässt sich und den Schauspielerinnen Zeit, wenn es um die Beschämung geht, an Hazals 18. Geburtstag nicht in einen Club gelassen zu werden […].Die Gewalttat, die darauf folgt – nicht zuletzt, weil die Frauen übel betrunken sind –, ist durch nichts zu rechtfertigen, aber es gelingt Kara doch, die Atmosphäre vorzustellen, in der so eine Situation entstehen könnte.« (Frankfurter Rundschau, 20.02.2020)

 

»Selen Kara hat ihre Inszenierung auf jung-dynamische Frauenpower, auf ein breites Spektrum an Gefühlsschwankungen und hohe Dezibelwerte getrimmt, um Hazals Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zu akzentuieren.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 20.01.2020)

 

»An vielen Stellen des Romans und auch der Bühnenfassung von Selen Kara steht man fassungslos vor dieser blinden, brutalen Wut. Und man ertappt sich selbst bei dem Gedanken, den Tante Semra immer ausspricht: Du hättest dich nur mehr anstrengen sollen, dann hätte dir doch die ganze Welt offen gestanden. Theoretisch mag das ja richtig sein, in der Praxis ist es eben verdammt viel schwieriger. Dass das so ist, liegt an uns allen. Daran, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund bei uns eben keineswegs die gleichen Chancen haben. Deswegen ist es so wichtig, dass die Geschichte dieser jungen Frau erzählt wird. Auch auf der Bühne dieser Stadt.« (SWR2, 20.01.2020)

 

»Die Premiere wurde von einem beileibe nicht nur jungen Publikum mit einem langen, geradezu frenetischen Beifall aufgenommen.« (Die Rheinpfalz, 20.01.2020)