Opernhaus

Carmen

Georges Bizet Premiere: Sa, 07. Dezember 2019
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Mit dem Opernchor

Im März 1875 findet an der Pariser Opéra-Comique eine denkwürdige Aufführung statt: die Premiere von Bizets Oper »Carmen«. Zurückhaltend bis ablehnend wird sie aufgenommen, zu radikal bricht sie mit den Seh- und Hörgewohnheiten des Publikums. Wenig später stirbt der Komponist erst 36-jährig. Von dem Welterfolg, zu dem seine »Carmen« wenig später wurde, erlebte er nichts mehr.

Es ist eine Geschichte von unten: Die Zigarettenwerksarbeiterin Carmen bringt den braven Unteroffizier José dazu, seine Braut zu verlassen und zu desertieren, bis sich ihre flatterhafte Liebe dem Stierkämpfer Escamillo zuwendet. José erträgt diese Demütigung nicht und ersticht seine ehemalige Geliebte.

»Carmen« revolutionierte die Oper und bietet zugleich Anschauungsmaterial für ein Frauenbild, das jenseits des braven Mädchens Micaëla oder des gefährlichen »Monsters« Carmen keine Alternativen kennt. Für Regisseurin Yona Kim, die schon in Schumanns »Genoveva« und Verdis »Ernani« komplexe Frauenfiguren auf die Bühne des NTM gebracht hat, ist Carmen zugleich das Traumbild und Schreckgespenst einer bürgerlichen Welt, die das erotische Selbstbewusstsein der Frau fürchtet und zugleich heimlich ersehnt.

 

#liveausderzigarettenfabrik #sexandcrime1830 #opernhitsnonstop

 

Dauer: ca. 3 Stunden; inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

 

English Version

 

A memorable performance takes place at the Parisian Opéra-Comique in March of 1875: It is the premiere of Bizet's opera »Carmen«. It breaks so radically with what audiences are used to seeing and hearing that reactions span from reservation to rejection. The composer dies shortly thereafter at the young age of 36. He doesn't live to see the global success that his »Carmen« would soon become.

It is a people's history: Carmen, a young woman who works in the cigarette factory, convinces the naive corporal José to abandon his fiancé and desert the army, until her fickle affection turns towards the bullfighter Escamillo. José is unable to endure this humiliation and stabs his former lover to death.

»Carmen« revolutionized opera while offering illustrative material for a portrayal of women that is not limited to just the »good girl« Micaela or the treacherous »monster« Carmen. Director Yona Kim has already brought complex female characters to the Mannheim National Theater stage in Schumann's »Genoveva« and Verdi's »Ernani«. For Kim, Carmen represents both the ideal vision and the nightmarish specter of a middle-class world which fears erotic confidence in women while secretly longing for it.

 

Duration: Approx. 3 hours

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»Regisseurin Yona Kim deutet das allzu bekannte Stück neu, und ihr gelingt eine so schlüssige wie spannende Lesart des Opernklassikers.« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»[...] der Abend [ist] ein Sängerfest.« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»Yona Kim, Bühnenbildner Herbert Murauer und Kostümbildner Falk Bauer finden hochästhetische, zur Schwarz-weiß-Optik neigende Bilder. Wahrscheinlich sind wir irgendwo in der Franco-Diktatur. Serielle nackte Betonwände. Es herrscht Zucht und Ordnung. Die geistig minderbemittelten Soldaten geilen sich an den schönen Damen aus einer Black Box auf, mehr: die fast ejakulierende Erotik wird zur Triebfeder ihrer gewaltigen Aggressionsausbrüche.« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»Mark Rhode am Pult sorgt für viele ganz unterschiedliche Farben, lässt mit leidenschaftlicher Emphase ebenso musizieren wie mit (pseudo)spanischem Elan. Eine moderne, heutige „Carmen“, die uns auch musikalisch vieles zu sagen hat.« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»Diese Carmen ist eine Projektionsfläche der unter ihrer Triebunterdrückung leidenden Gesellschaft.« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»Carmen, die bei Jelena Kordic zu einer so starken wie auch zerbrechlichen Figur voller Facetten wird, könnte auch als nacktes Pin-Up-Girl in Josés Spint hängen. Doch sie ist nun mal hier. Leibhaftig. Und die Psychologisierung im Parallelogramm mit dem Torrero Escamillo und dem Bauernmädchen Micaëla, ist gelungen. [...] vor allem in zarten, in sich gekehrten Passagen lässt sie [Kordic] die Schönheit ihres Timbres und die Kultur der Phrasierung aufblühen.« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»Jelena Kordić gibt darstellerisch in der Titelpartie alles. Sie ist ganz Vamp, ganz Femme fatale [...].« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»Don José, dem Irakli Kakhidze wieder einmal tenorales Weltniveau verleiht, ist ein schüchterner einfacher Soldat. [...] Der Schmelz, die Kraft, die Möglichkeit müheloser Höhe und gleichzeitig die Freiheit der Tongestaltung und -modifizierung - das ist nicht weniger als sensationell.« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»Kakhidze bringt alle stimmlichen Voraussetzungen für diese Partie mit, begeistert mit einem metallisch strahlenden, nie aber kalten Tenor.« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»Auch die [...] auf der Bühne sehr präsente Micaëla von Eunju Kwon hat ein Extremniveau. [...] Rein, pur und einfach schön strömt ihr Sopran.« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»Der Sopran von Eunju Kwon besticht durch eine traumwandlerische Leichtigkeit und Höhensicherheit.« (Rheinpfalz, 09.12.2019)

 

»Eunju Kwon als Micaëla wurde vom Premierenpublikum frenetisch bejubelt, Irakli Kakhidze sang den Don José stimmkräftig und makellos.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 09.12.2019)

 

»Die beiden Carmen-Verbündeten Mercédès und Frasquita liefern ebenfalls höchste Qualität. Martiniana Antonie macht ihre Sache gut, und vor allem Nikola Hillebrand überragt in den Ensembles [...].« (Mannheimer Morgen, 09.12.2019)

 

»In Kims dezentem Psychogramm wird [das Beziehungsquartett] mit energischen Strichen gezeichnet, die auch das Ironische einschließen [und] den klischeebedrohten Repertoire-Dauerbrenner wie frisch erdacht erscheinen lassen. Das spanische Kolorit bleibt eben das: Rahmung von gegenwärtigen Fragen – weibliche Autonomie, Männerfantasien, Gewalt und Hierarchien.« (Opernwelt, Februar 2020)

 

»Die Strenge der Bühne hegt die vor Farben explodierende Partitur ein – Mark Rohde und das hingebungsvoll musizierende Orchester bringen sie mit rhythmischem Elan, auffälliger Duftigkeit und exotischer Süße ins Leben.« (Opernwelt, Februar 2020)