Mannheimer Monteverdi-Zyklus

Am 24. Februar 1607 fand am Hof der Herzöge von Mantua die Uraufführung eines Spektakels statt, das als erste Oper der Musikgeschichte ins kollektive Gedächtnis eingehen sollte: Claudio Monteverdis »L’Orfeo«. Die Geschichte des Sängers Orpheus entlockte nicht nur den scheinbar fühllosen Kreaturen der Unterwelt Tränen der Rührung und des Mitleids – genauso ergriffen war auch das Uraufführungspublikum. Es waren die menschlichen Leidenschaften und Emotionen, die den Komponisten inspirierten, für die er immer neue Ausdrucksmittel suchte und die für ihn zum Grundantrieb seines gesamten Schaffens wurden. Als »Kraftwerk der Gefühle« lebt die Oper bis heute von diesem künstlerischen »Treibstoff«.

 

Dem Werk Claudio Monteverdis, des »Erfinders der Oper«, wie er häufig genannt wird, widmet das Nationaltheater Mannheim seit der Spielzeit 2016/17 einen besonderen Schwerpunkt: den Monteverdi-Zyklus. Um die Musik der Zeit um 1600 im Sinne der historischen Aufführungspraxis erlebbar zu machen, arbeitet das NTM dafür mit dem Barockorchester »il Gusto Barocco« unter der Leitung von Jörg Halubek zusammen. Auf historischen Instrumenten und im Geiste der barocken Musizierpraxis wird die Musik dieser Zeit in besonderer Weise lebendig.

 

Der Monteverdi-Zyklus begann im März 2017 mit der »Heimkehr des Odysseus / Il ritorno d’Ulisse in patria« in der Regie von Markus Bothe. Im April 2018 folgte »Die Krönung der Poppea / L’incoronazione di Poppea«, inszeniert von Lorenzo Fioroni. Im Dezember 2018 wurde Monteverdis großangelegte »Marienvesper« in der Regie von Calixto Bieito szenisch präsentiert. Die ursprünglich für Herbst 2021 vorgesehene Premiere des »Orfeo« musste pandemiebedingt verschoben werden und wird nun in der Saison 2023/24 stattfinden.

Stattdessen zeigt das NTM im Herbst 2021 einen auf die konkreten Bedingungen zugeschnittenen Abend: »Ombra e Luce. Gesänge von Liebe und Finsternis« erschließt mit den Madrigalen Monteverdis einen an musikalischen Höhepunkten reichen und für die Entwicklung seines Schaffens hoch bedeutsamen Werkkomplex für die Opernbühne und bereichert den Monteverdi-Zyklus auf diese Weise um eine wichtige Facette.

 

 

Der Monteverdi-Zyklus am NTM wird gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung.

 

Die Akademie für Nachwuchskünstler*innen bei »Ombra e Luce« wird gefördert von der L-Bank - Musikstiftung.

 

       

 

 

Einblicke in die vergangenen Produktionen »Die Heimkehr des Odysseus«, »Die Krönung der Poppea« und »Marienvesper« erhalten Sie hier:

 

 

 

 

 

 

Pressestimmen zum Monteverdi-Zyklus

 

Die Heimkehr des Odysseus

 

»Es gelingt ein geradezu sensationeller Auftakt zur geplanten Monteverdi-Reihe: Ein Muss für jeden Freund frühbarocker Musik und Bühnenkunst! [...] Das Ganze ist ein wunderbares Teamwork aller Beteiligten und kann als solche nur begeistern. Bei den Sängern ist allen voran Nikola Diskic ein grandioser Odysseus.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 06.03.2017)

 

»In der szenisch geistreichen Handschrift von Markus Bothes Regie und unter dem Eindruck des dramaturgisch sinnfälligen Dirigats von Jörg Halubek gelingt gemeinsam mit dem Gastorchester Il Gusto Barocco ein fulminanter Auftakt. Dass dieser am Premierenabend zum barocken Feuerwerk gerät, ist nicht allein dem in den Zuschauerraum ragenden Bühnenraum von Robert Schweer und den ausladenden Kostümen von Justina Klimczyk geschuldet, sondern auch einem darstellerisch und stimmlich brennenden Sängerensemble.« (bachtrack, 07.03.2017)

 

 

Die Krönung der Poppea

 

»Regisseur Lorenzo Fioroni, Paul Zoller (Bühne) und Sabine Blickenstorfer (Kostüme) gelingt mit Monteverdis "Krönung der Poppea" ein bildmächtiger, unter die Haut gehender Abend, der den Monteverdi-Zyklus heterogen weiterführt und einen Gegenpol zum reduzierten "Odysseus" bildet. Die Musik: zum Dahinschmelzen. Was wieder mal dem Gastorchester "Il gusto barocco" unter Jörg Halubek zu danken ist, das sensibel, klangschön, überraschend, differenziert spielt. Dieser Monteverdi-Zyklus dürfte bald Kultstatus haben.« (Mannheimer Morgen, 14.04.2018)

 

»Musikalisch ist die Aufführung überragend. Mit den barocken Techniken und Gesangsweisen haben die Sänger keine Mühe, gehen vielmehr fabelhaft darin auf. Insbesondere Nikola Hillebrand als Poppea, die beseelte Lyrik mit inniger Wärme strömen lässt, um dann wieder mit attackenreichen Koloraturen sängerischen Furor zu entfachen. Immer klangschön und hochpräsent.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 14.04.2018)

 

 

Marienvesper

 

»Ein Klangfest in Mannheim.« (Deutschlandfunk, 16.12.2018)

 

»Herrlich ist die Musik bei der Mannheimer Aufführung. Ein Spezialistenensemble, »Il gusto barocco« unter der Leitung von Jörg Halubek, steht zur Verfügung – wie schon in der fabelhaften »Poppea« im vergangenem Frühjahr -, den stark geforderten Chor hat Dani Juris so einstudiert, dass er federnd alle Hürden nimmt, zehnstimmige Polyphonie-Feuerwerke eingeschlossen. Acht Solisten treffen den gelassen virtuosen, intensiven und doch distanzierten Ton, den Halubek nahelegt und der zu Bieitos Bildern passt.« (Frankfurter Rundschau, 17.12.2018)

 

»Bieito macht aus dem gut eineinhalb Stunden dauernden Werk ein farbenfrohes Fest der Liebe, des Lebens und der Frau […] Ein weltumarmendes Theatererlebnis, durch den Einsatz des Chores und der Bühnenkonstellation mit dem Orchester in der Mitte zum einen reduziert, und doch auch wieder in typischer Bieito-Manier opulent.« (Mannheimer Morgen, 17.12.2018)