Schauspielhaus

Für immer schön (UA)

Noah Haidle Premiere: Sa, 07. Oktober 2017

»Hallo, mein Name ist Cookie Close. Als ich ein kleines Mädchen von knapp sechs Jahren war, da sagte meine Mutter zu mir, dass Gott uns alle nach Seinem Bilde erschaffen hat. In diesem Moment war mein Schicksal entschieden! Zabong! Ich war die geborene Kosmetik-Verkäuferin! Beauty-Produkte verdecken nichts, sie verstecken nichts, sie helfen uns, die vollkommenste Version unseres eigenen Bildes zum Vorschein zu bringen, ein Abglanz von Gottes Herrlichkeit zu sein! Darf ich einen Moment Ihrer Zeit in Anspruch nehmen, oder drei?«

Cookie Close hat ihre Erfüllung gefunden. Mit Rollkoffer und Stöckelschuhen zieht sie im Dienste der Schönheit von Haus zu Haus und spult ihre Verkaufsfloskeln ab. Tausende Frauen hat sie zum Kauf von Kosmetikartikeln verführt – und unzählige Männer zu unverfänglichem Sex. Ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Aber Cookie kommt in die Jahre, die Füße sind blutig gelaufen, ihre eigene Schönheit verblasst, die Verkaufsquote sinkt. Doch aufgeben kommt für sie nicht in Frage, im Gegenteil: The show must go on!
Cookie ist eine Wucht und eine Provokation für ihr Umfeld, nicht erst seit sie ihre lebensuntüchtige Tochter zu ihrer legitimen Nachfolgerin auf dem Schlachtfeld der Straße auserkoren hat.
Noah Haidle hat das bitter-komische Porträt einer von fragwürdigen Idealen getriebenen Frau entworfen. Für immer schön ist ein grotesker Abgesang auf den amerikanischen Way of Life.

 

Dauer: 1 Stunde und 35 Minuten

 

Ermöglicht wird der Aufenthalt des Hausautors durch die freundliche Unterstützung der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e.V.

Das gelungene Kunststück der Regie von Intendant Burkhard C. Kosminski besteht darin, auf dem schmalen Grat zwischen Tragödie und typisch amerikanischer Komödie Balance zu halten. (Rhein-Neckar-Zeitung, 9.10.17)

 

Die funktionale Bühne von Florian Etti bietet in ihrer Minimalisierung Raum für Traum und Albtraum: Ihr beherrschendes Element ist eine stilisierte weiße Hausfront mit Tür und Fenster. […] Projizierte Videoseqzenezen von der Armee der Direktverkäuferinnen […] verdichten die Atmosphäre. (Rhein-Neckar-Zeitung, 9.10.17)

 

Ulrike Folkerts […] spielt das zuweilen beklemmend genau. Hinter der sicheren Deckung einer gepflegten Erscheinung demonstriert sie gestenreich eine früh verbrauchte Gefühlsroutine, die sie immer wieder in Lieben treibt, die keine sind. (Mannheimer Morgen, 9.10.17)

 

Mannheims Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski inszeniert die Uraufführung stimmig als amerikanischen Alptraum. Zwischen hintertrieben-tollkühner Majestätik und archaisch-armseligem Überlebenstrieb schafft Ulrike Folkerts Echoräume existenzieller Intensität, die berühren, schockieren und trotz ihrer Grausamkeit den Humor nicht ertränken. (Badische neueste Nachrichten, 10.10.17)