Schauspielhaus

Amphitryon

Heinrich von Kleist Premiere: Fr, 16. September 2016
Ein Lustspiel nach Molière

Alkmene verbringt eine unvergessliche Liebesnacht mit ihrem Mann Amphitryon – glaubt sie. In Wirklichkeit war es Jupiter, Gottvater persönlich, der sich ihr in Amphitryons Gestalt genähert hatte. Als der echte Amphitryon am nächsten Morgen nach längerer Abwesenheit siegreich aus dem Krieg heimkehrt, wird er von seiner Frau nur mit »So früh zurück?« begrüßt. Plötzlich geraten alle Sicherheiten ins Wanken …

 

Seit der Erfindung des Götterhimmels wissen wir, dass es im olympischen Himmel vor allem eines ist: langweilig. Was also sucht Jupiter? Was fehlt dem, der alles hat? Ihm fehlt die Welt, das gewöhnliche Leben. Und was lässt Amphitryon verzweifeln, macht den professionellen Krieger machtlos? Das Göttliche muss etwas sein, womit Amphitryon weder konkurrieren noch was er bekämpfen kann. Lag bei Molières Bearbeitung des Amphitryon-Stoffes der Schwerpunkt auf der Rivalität zwischen Liebhaber und Ehemann, so wird bei Kleist daraus ein tragikomischer Kampf um menschliche Beziehungen und das Unerreichbare.

 

Regie führt Elmar Goerden, der dem Mannheimer Publikum bereits durch seine Inszenierungen von Die Wildente, Emilia Galotti und Hamlet bekannt ist.

 

Dauer: 1 Stunde und 50 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

Ein Meilenstein deutscher Theatergeschichte ist das 1807 entstandene und erst 1899 uraufgeführte „Lustspiel nach Molière“. Goerden nimmt die Unsicherheit der menschlichen Existenz darin ernst. (Mannheimer Morgen, 19.09.2016)

 

Für sinnstiftende menschliche Gewissheiten ist bei dieser auf hohem Niveau unterhaltenden, […] Premiere kein Raum: Unbestechlichkeit liebender Gefühle, Wohlwollen und Erhabenheit der Götter, Zuverlässigkeit der eigenen Existenz und der Traum vom singulären Individuum werden als Illusion enttarnt. (Mannheimer Morgen, 19.09.2016)

 

Eine zutiefst treue Frau wird durch eine List zur Untreue verführt und findet sich zwischen zwei Männern wieder, die sich bis aufs Schamhaar gleichen und doch so verschieden sind. Der eine hat trauliches Liebesglück zu bieten, der andere göttlichen Sex. Am liebsten hätte sie natürlich beides. Anne-Marie Lux hat in Goerdens Inszenierung die Wahl zwischen zwei testosterongesteuerten Superegos. (Die Rheinpfalz, 19.09.2016)

 

Michael von Au, als Gast für die Titelrolle verpflichtet, ist ein grauer, fahriger Kriegsheimkehrer und wirkt nicht nur äußerlich mindestens doppelt so alt wie der unverschämt junge Jupiter in Elmar Goerdens Inszenierung, den Julius Forster zwar liebenswürdig im Ton gibt, aber auch ungemein eitel in der Pose und gelegentlich recht rüde selbst im Umgang mit dem Objekt seiner Liebessehnsucht. Anne-Marie Lux zeigt die Alkmene frisch und unbefangen als selbstbewusste junge Frau, der alle Falschheit fremd ist. (Rhein-Neckar-Zeitung, 20.09.2016)