Studio Werkhaus

Santa Monica (UA)

Akın E. Şipal Premiere: So, 01. März 2015

Es dauert eine Weile, bis die Ärzte herausfinden, was mit dem Jungen nicht stimmt, was die vielen roten Punkte auf dem Körper des kleinen Bruders zu bedeuten haben. Die Familie ist noch in den Urlaub an die türkische Mittelmeerküste gefahren, nach Akcay, ins Land ihrer Väter. Zurück im Ruhrgebiet müssen Mutter, Vater und der große Bruder erkennen, was dem kleinen fehlt: Thrombozyten, Blutplättchen – ein Symptom bei akuter Leukämie, Blutkrebs.

Gemeinsam erzählen die vier diese Krankheitsgeschichte, die zugleich eine Geschichte über Angst, Schmerz, Hoffnung ist. Die Verzweiflung der Mutter, die raucht um die Zeit zu strukturieren, oder die des Vaters, der Hilfe bei einem brasilianischen Heiler sucht, zeigen aber auch die Versuche jedes Einzelnen, dem lähmenden Warten auf den passenden Knochenmarkspender etwas entgegen zu setzen.

Akın E. Şipal bearbeitet ein schweres Thema in einer leichten, humorvollen und poetischen Sprachpartitur.

Akın E. Şipal wurde 1991 in Essen geboren und studiert bildende Kunst mit Studienschwerpunkt Film an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 2012 erschien sein erstes Stück Vor Wien im Suhrkamp Theaterverlag. Für Santa Monica erhielt er 2013 den Förderpreis für Literatur der Hamburger Kulturbehörde.

Tarik Goetzke hat am Nationaltheater bereits Hurenkinder Schusterjungen von Marianna Salzmann uraufgeführt. Die Inszenierung wurde zum Regiefestival Radikal jung 2014 nach München eingeladen.

 

Dauer: ca. 1 Stunde und 40 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Obwohl der Autor Akin Sipal im Hauptberuf Film studiert, ist sein Stück eher erzählend, sanft, undramatisch, einige schnelle Schnitte, ansonsten ein lakonischer Bericht voller Witz und Humor. […] Der Abend ist reines, tolles, erzählendes Schauspielertheater. Besonders die Beziehung der Eltern ist von der Regie sehr glaubwürdig und liebevoll analysiert […].
Julius Forster als kleiner Bruder, als Krebspatient ist eine Entdeckung: Eine fast beunruhigend sichere Bühnenpräsenz – der schaut sich selber staunend beim Sterben zu, wehrt sich, erträgt die Chemos und hat bei all dem einen großen Abstand zu sich selbst. Der handwerklich ungemein präzise Regisseur Tarik Goetzke deutet die Torturen einer Knochenmark-Übertragung nur an. Er setzt auf Ironie und Poesie. Den richtigen Spender zu finden ist ein kleines Wunder – wie auch diese Uraufführung, die noch lange nachhallt.
(Deutschlandfunk/Kultur heute, 2. März 2015)

Vor allem ist da dieser hinreißende Hauptdarsteller, Julius Forster: Charmant, strahlend. Und doch in seiner Rolle überzeugend linkisch und verunsichert. (SWR2, 2. März 2015)

Wieder handelt es sich um eine Uraufführung, und wieder hat der junge Regisseur eine Feuerprobe mit Bravour bestanden. Denn das handlungsarme Stück ist nicht leicht in Szene zu setzen. (Die Rheinpfalz, 3. März 2015)

Dank Tarik Goetzkes zurückhaltender Regie lenkt nichts von der Sprache und den vier Schauspielern ab, die diesen Text-Marathon in all seinen dramatischen Höhen und Tiefen ohne die geringste Entgleisung und mit nie nachlassender Intensität bewundernswert meistern. (Rhein-Neckar-Zeitung, 4. März 2015)

Am Ende gibt es minutenlangen Beifall für die Schauspieler und die überaus gelungene Inszenierung von Tarik Goetzke. (Mannheimer Morgen, 3. März 2015)