Opernhaus

My Fair Lady

Frederick Loewe Premiere: Fr, 11. Juni 2010

Eigentlich will Eliza Doolittle durch den Sprachunterricht bei Professor Higgins nur ihren lästigen Akzent loswerden, um den Sprung von der Straßenverkäuferin zur ehrenwerten Angestellten eines Blumenladens zu schaffen. Doch der ganz von sich und seinen Fähigkeiten überzeugte Higgins nutzt die Chance zum Experiment am lebenden Objekt: in seiner Hybris will er aus Eliza eine Lady nach seinem Bilde formen und die mit Oberst Pickering abgeschlossene Wette ist nur der geeignete Vorwand für seine berserkerhaften Methoden. Doch Higgins hat die Rechnung ohne Eliza gemacht, die ihn mit seinen eigenen Waffen schlägt – der guten Erziehung ...

Mit My Fair Lady gelang Frederick Loewe und seinem Librettisten Alan Jay Lerner 1956 ein Glanzsstück, der das Werk bis heute zum wohl erfolgreichsten Musical aller Zeiten macht. Das Geheimnis dieses Erfolges liegt neben einer Fülle musikalischer Ideen – kaum einem anderen Musical entstammen so viele Songs, die bis heute als Klassiker gelten – im behutsamen Umgang mit der literarischen Vorlage: dem Autorenduo gelang eine musicalgerechte Adaption von George Bernard Shaws Pygmalion ohne auf die für das Musical so ungewohnte ironische Schärfe Shaws zu verzichten oder die Brisanz des Themas zu vernachlässigen. Elizas Geschichte ist die ihrer Auflehnung und ihres Ringens um Selbstbehauptung. Fast beiläufig erzählt sie von einer unmöglichen Liebe, die so alt ist wie das abendländische Bewusstsein: der zwischen Pygmalion und der von ihm erschaffenen Statue Galatea.

 

Dauer: 3 Stunden und 15 Minuten, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

"Die Geschichte spielt im London des 19. Jahrhunderts, und weil es dort oft regnet und neblig ist, gibt es beides auch im ersten nächtlichen Bild in der stimmungsvollen Bühne von Katrin Kegler-Fritsch. Schnelle Umbauten bringen die Handlung in Fahrt und verleihen ihr sehr viel Atmosphäre. Prachtvolle Innenräume wechseln mit stimmungsvollen Außenplätzen, und die farbenreichen Kostüme (Uta Loher/Conny Lüders) tun ein Übriges die Stimmung zu heben. [...] Mit Berliner Schnauze zeichnet die Musicalsängerin Frederike Haas eine sympathische und erfrischend offenherzige Rollenfigur der Eliza. [...] Die Klugheit hat sie von ihrem Vater geerbt, dem Müllkutscher Alfred Doolittle: Karsten Küsters gab der Figur treffliche Schlitzohrigkeit [...]. Prächtig bei Stimme war Lars Möller als Freddy, der sich seinerseits in Eliza verguckt. Sehr viel Stimmung kam in die Aufführung durch die schwungvolle Musik und vor allem durch die Tänze, die Jürg Burth launig choreografierte. [...] Unter Leitung von Michael Cook musizierte das Nationaltheater-Orchester mit sehr viel Schwung und Vitalität in den stämmigen Märschen und Tänzen. Das hob die Laune des Publikums, das die gewitzte und farbenfrohe Inszenierung mit großer Begeisterung goutierte." Rhein-Neckar-Zeitung, 14.6.2010

 

"Tänzerisch, schauspielerisch und musikalisch geht der Abend voll in Ordnung. Axel Herrig trifft bei Higgins' Sprechgesang genau den richtigen Ton, wie auch die Figur in ihrer Mischung aus Ekel und Sympathie. [...] Cook tariert Drive, orchestrale Fülle und Koordination mit der Bühne bestens aus und lässt auf dem Diplomatenball den Dreivierteltakt in schier wienerischer Manier wuchtig auf die Bretter walzen - immer mit einem Augenzwinkern, weil wuselnde, schräge Mittelstimmen die glatte Oberfläche torpedieren." Mannheimer Morgen, 14.6.2010

 

"Man erlebte eine hoch achtbare Ensembleleistung, nicht zuletzt dank des musicalerfahrenen Dirigenten Michael Cook, der das Orchester des Nationaltheaters zu aufgekratztem Spiel ermutigte. Unter Tilman Michael sang der Chor mehr Oper als Musical, was dem Niveau allerdings sehr zugute kam. Herausragend der erfahrene Karsten Küsters (als Alfred P. Doolittle) und Peter Rühring (als Oberst Pickering). An Einfällen und Spielwitz fehlte es also nicht." Die Rheinpfalz, 14.6.2010