Opernhaus

Genoveva

Robert Schumann Premiere: Sa, 29. April 2017
Oper in vier Akten. Libretto von Robert Schumann und Robert Reinick
In deutscher Sprache

Als Meister des Liedes und der Kammermusik gelangte Robert Schumann bereits zu Lebzeiten zu Ansehen. Doch immer war es die große musikalische und dramatische Form, nach der er suchte. In der Legende der heiligen Genoveva von Brabant, die im Wald von einer weißen Hirschkuh genährt worden sein soll, fand Schumann den idealen Opernstoff:

 

Pfalzgraf Siegfried zieht in den Krieg und lässt seine Frau Genoveva in der Obhut Golos zurück. Dieser liebt seine Herrin bis zum Wahnsinn und versucht, unterstützt von seiner Amme Margaretha, die Abwesenheit Siegfrieds zu seinen Gunsten zu nutzen. Im gemeinsamen Duett Golos und Genovevas »Wenn ich ein Vöglein wär« glaubt Golo sich am Ziel, wird von Genoveva jedoch mit den Worten »ehrloser Bastard« zurückgewiesen. Auf Rache sinnend, bezichtigt Golo seine Herrin des Ehebruchs und erwirkt ein Todesurteil. Die Vollstreckung kann im letzten Augenblick durch Siegfrieds Rückkehr verhindert werden.

 

Regisseurin Yona Kim und Ausstatter Herbert Murauer haben eine Welt entworfen, in der alles zwiespältig und doppelbödig ist: Angst, Sehnsucht und Zerstörung treiben die Figuren in ein albtraumhaftes Spiel der Beziehungen. Wie Robert Schumann es in den abgründigen Doppelgänger-Figuren von Florestan und Eusebius formuliert und es in den Ehetagebüchern und Aufzeichnungen bis zu den letzten Briefen aus Endenich zum Ausdruck kommt – so kämpfen auch hier zwei komplementäre Kräfte miteinander: Golo, der Liebende und Verlorene auf der einen Seite und Siegfried, der Ehemann, der für die Ordnung steht, auf der anderen Seite. Zwischen beiden steht die Frau, die erst in der totalen Verzweiflung der Todesnähe ihre eigene Stimme findet und sie dem Begehren der Männer entgegensetzt.

 

Dauer: ca. 3 Stunden, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Mit freundlicher Unterstützung von Fuchs Petrolub SE und Manfred und Lilo Fuchs

»Es ist die so überraschende wie sinnfällige Coda einer inspirierenden Neuinterpretation, der eine adäquate musikalische Realisierung zur Seite steht; mit Alexander Soddy, der die Partitur wie ein Kunstwerk zwischen „Euryanthe" und „Lohengrin" liest und alle Klippen des Werkes vibrierend bewältigt; mit einem Chor, den Jani Juris zu wuchtiger Homogenität eingestimmt hat; schließlich mit einem Ensemble, aus dem der kernige Bariton Evez Abdulla als Siegfried, Andreas Hermann als von Gefühlen zerrissen agierender und ebenso deklamierender Golo und Maria Markina als tragisch-schuldige Margarethe, vor allem aber die in der emotional komplexen Titelrolle ohne Rücksicht auf Schönklang sich bewundernswert verausgabende Astrid Kessler herausragen.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2017)

 

»Sie (Astrid Kessler) spielt die Genoveva nicht nur aufopferungsvoll im Sinne eines Method Acting. Sie singt sie auch so: leidenschaftlich, emotionsüberbordend, doch stets klanglich kontrolliert. Sensationell.« (Mannheimer Morgen, 02.05.2017)

 

»Mannheims Generalmusikdirektor Alexander Soddy, ein diszipliniert agierendes Nationaltheaterorchester und vor allem ein brillant aufgelegter Chor sorgen auch mit größter Sensibilität dafür, dass sich das lyrische Gesicht der "Genoveva" von seiner schönsten Seite zeigt. [...] Astrid Kessler, der ein großartiges Portrait der Titelheldin gelingt: immer sauber, lyrisch eingefärbt singend, dabei intensiv spielend. [...] Regisseurin Yona Kim und ihr Ausstatter Herbert Murauer dekonstruieren einerseits die Romantik und damit die Entstehungszeit der Oper, anderseits blicken sie tief in die Psyche der Figuren und zeigen die Geschichte einer Emanzipation [...]« (Die Rheinpfalz, 02.05.2017)

 

»Das Ensemble [...] überzeugt in einer geschlossenen Leistung. Zumal sich Alexander Soddy mit Geschmeidigkeit so auf den romantischen Schumannsound einlässt, dass es durchweg eine Freude ist. FAZIT: Dem Nationaltheater Mannheim ist mit Schumanns Genoveva eine rundum sehens- und hörenswerte Ausgrabung gelungen.« (Online Musik Magazin, 02.05.2017)