Klang des Ostens

Musiksalon // Klassik: Solidarität, Erinnerung und Hoffnung

Am Sonntag, den 22. Februar 2026, jährt sich der Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zum vierten Mal – ein Datum, das kaum ohne Beklemmung vorübergeht. Das Konzert »Der Klang des Ostens« für Violine und Klavier antwortet darauf mit einem Programm, das die musikalische Vielfalt Osteuropas hörbar macht und zugleich zeigt, wie stark ukrainische Musikgeschichte über Jahrzehnte hinweg überdeckt, vereinnahmt oder falsch zugeordnet wurde.

Im Zentrum stehen Werke von Komponisten, deren Lebenswege von Migration, politischem Druck und kultureller Verschiebung geprägt sind. Die Violinsonate op. 26 von Leo Ornstein (1892–2002), geboren im heutigen Kremenchuk, verbindet expressionistische Schärfe mit kantabler Energie. Ornstein emigrierte früh in die USA, wo er als Pianist und Komponist wirkte. Musik von Nikolai Roslavets (1875–1944) steht exemplarisch für eine osteuropäische Avantgarde, die zwischen Tradition und radikaler Neuerung oszillierte und später durch kulturpolitische Gleichschaltung nahezu ausgelöscht wurde.

Einen bewussten Kontrapunkt setzt Claude Debussys Violinsonate g-Moll, 1917 im vom Ersten Weltkrieg gezeichneten Paris entstanden: ein spätes, hochkonzentriertes Werk zwischen klassischer Form und brüchiger Moderne. Der Blick öffnet sich noch weiter mit Frederic Rzewski (1938–2021), politisch engagiertem amerikanischem Komponisten und Pianisten polnischer Herkunft, dessen Musik für Widerstand, Wachheit und Verantwortung steht.

Komplettiert wird das Programm durch Werke von Valentyn Silvestrov (geb. 1937), dessen fragile, nach innen gewandte Klangsprache heute als eine der eindringlichsten Stimmen der ukrainischen Gegenwart gilt, sowie durch drei kurze Stücke von Julij Mejtus.

Ein Konzertvormittag der Erinnerung, der Einordnung – und der leisen Hoffnung.

Besetzung

Mit
KlavierAndrey Doynikov

Alle Termine

So, 22.02.2026, 11:00 Uhr