DREIMAL GESANG

Drei faszinierende Künstlerinnen, drei faszinierende Festivalabende voller Gesang: Musiktheaterregisseurin Cordula Däuper inszeniert Mozarts »Zauberflöte«, Monika Gintersdorfer von der Performancegruppe »La Fleur« nähert sich lustvoll Kálmáns internationalen Operetten an und Opernstar Diana Damrau hat ein neues Liedprogramm im Gepäck.

Wir haben die Festivalkünstlerinnen gefragt, was Mannheim für sie bedeutet und was Gesang kann, das keine andere Kunstform kann.

Frau Damrau, Sie gelten als eine der besten Sopranistinnen der Welt, gastieren heute rund um den Globus. Um die Jahrtausendwende waren Sie hier im Mannheimer Opernensemble – was ist Ihre erste Assoziation dazu?
Diana Damrau: Ich denke mit Freuden an meine wunderbare Zeit am Nationaltheater.
Das klingt gut! Und woran liegt es?
DD: Die Zeit in Mannheim war wirklich etwas Besonderes. Es ist ein Schlaraffenland für junge Sänger!
v.l.n.r. Diana Damrau, Monika Gintersdorfer, Corulda Däuper
Sie wollen bei uns einen ungewöhnlichen Liederabend erproben mit Werken wie Schuberts »Hirt auf dem Felsen« mit Klarinettenbegleitung und anderen Raritäten. War Mannheim für Sie auch damals ein Experimentierfeld?
DD: Ja! Ich konnte wunderbare Partien dort erlernen, ausprobieren im Schutz der Mannheimer Zuschauer, die – wie auch das Mannheimer Umland – wie eine Eins zu ihrem Nationaltheater stehen.
Was bedeutet Mannheim für Sie, Frau Däuper?
Cordula Däuper: Ich wurde 2007 dazu eingeladen, die neue Sparte der »Jungen Oper« mit »Krabat« zu eröffnen. Das war kurz nach meinem Diplom in Berlin und eine tolle Chance.
Und wie war Ihr erster Kontakt zu klassischem Gesang?
CD: Ich habe früher im Kinderchor des Hessischen Staatstheaters gesungen und stand dort auf der Bühne. Das hat Spaß gemacht, aber den Gesang der Erwachsenen fand ich ziemlich manieriert. Dann hat mich Theater immer mehr begeistert. Zur gleichen Zeit habe ich selbst Musik mit meiner Geige gemacht, in Orchestern gespielt, Kammermusik – und so kam ich auch zur Oper …
Frau Gintersdorfer, im Jahr 2018 haben wir schon Mozarts »Entführung« in Ihrer westafrikanischdeutschen Version gezeigt. Dabei kommen Sie gar nicht von der Oper…
Monika Gintersdorfer: Nein. Ich habe Theaterwissenschaften und Regie studiert, war am Schauspielhaus Hamburg und anderen Stadttheatern. Ich habe also das System von innen kennengelernt, bevor ich einen Wechsel zu Performance und freier Gruppe gemacht habe.
Und welche Rolle spielt Musik für Sie?
MG: Ich liebe das Mit- und Nebeneinander von Club und populären bis experimentellen Kunstformen. Mit den Jahren haben wir immer mehr Musiken für unsere Stücke selbst produziert. Die Auseinandersetzung mit Popkultur und den jeweiligen Kontexten, in denen sie entsteht, ist eines der Hauptthemen unserer Arbeiten.
Die Oper kann viel von Ihrem performativen Verfahren lernen: Improvisation, Aktualität, Direktheit. Was lernen Sie von der Oper?
MG: Wir lernen andere Gesangsweisen und Musiktitel kennen!
Die Elfenbeinküste, wo ein großer Teil von »La Fleur« herkommt, ist wahrscheinlich eine ziemlich opern- und operettenfreie Zone?
MG: Ja, wir können deshalb wirklich frische Hörerfahrungen machen und ungewohnt darauf reagieren. Das Singen ist eine Herausforderung, denn wir eignen uns Arien oder Lieder auf unsere Weise an, das heißt: übers Gehör und nicht über Noten.
Bei Operetten, wie der »Csárdásfürstin« ist doch interessant, dass sie uns wie ein Vorläufer zum Showbiz erscheinen…
MG: Nur wenige wissen, dass Kálmán für die transkontinentale Operette gekämpft hat, also für das Aufnehmen nichteuropäischer Einflüsse in seine Werke! Er lässt Jazz auf Walzer und Csárdás treffen und wagt mit seiner Cowboy-Operette ein weiteres Experiment. Sein Mut zum Stilmix gegen nationalistische Gesinnungen ist für uns als transnationale Gruppe wegweisend.
Frau Däuper, Sie kennen sich auch im Operettenfach sehr gut aus.
CD: Ich finde, auf der Operettenbühne kann man in grotesken Szenarien und mit geradezu merkwürdig beschwingter Musik wunderbar menschliches Verhalten betrachten, sezieren und daraus Rückschlüsse ziehen. Ich kann mich mit Humor grundsätzlich sehr gut Themen nähern – also auch problematischen Dingen und Inhalten. Wenn es gelingt, steckt einiges hinter der vermeintlich einfach »oberflächlichen Unterhaltung«. Und übers Lachen öffnet man sich ja manchmal viel leichter.
Keine Oper wird so oft inszeniert wie die »Zauberflöte«, keine ist so beliebt. Wie gehen Sie damit um?
CD: Ich versuche, bei allen Werken bei quasi null anzufangen. Je bekannter das Werk und je häufiger man es gesehen hat, umso schwieriger ist das… Ich gehe da – in der Vorbereitung – immer durch Höhen und Tiefen, in denen mich das Stück mal anspringt und begeistert – und es sich in anderen Momenten so sperrig und fremd anfühlt, dass ich mich dann richtig an dem Werk abarbeiten muss, ehe ich einen eigenen Zugang finde und es dadurch zu »meinem« wird.
Wie ist Ihr Zugang zur »Zauberflöte«? Können Sie uns schon etwas verraten?
CD: Pamina ist für uns die vielschichtigste Figur der Oper. Aus ihrer Perspektive erzählen wir die Geschichte als eine Art Coming-of-Age-Story. Pamina hat viele Fragen und große Gefühle, sie schreibt Tagebuch, um klar zu kommen mit ihrer Wut, ihrer Freude, ihren Sehnsüchten, ihrer Trauer und auch ihrem Glück.
Ist das Stück auch eine Studie über die Kraft der Musik?
CD: Unbedingt. Genau dann, wenn man nur noch Fragen hat, wie zum Beispiel, was diese Feuer- und Wasserprobe denn soll?! In diesen Momenten ist es ausdrücklich die Musik der Zauberflöte selbst, die, ganz märchenhaft, dem Liebespaar das Leben rettet.
Sie alle werden im Festival sehr unterschiedliche Formen des Gesangs präsentieren: Von den mitreißenden Popstimmen in »Das Phantom der Operette« über subtilen Liedgesang bis zu der ergreifenden Emotion Mozartscher Opernpartien. Was ist die Gemeinsamkeit?
DD: Musik ist für mich Medizin für unsere Herzen und gibt uns Kraft in schweren Zeiten.

MG: Für mich ist Musik ein komplexes Feld des Austauschs und der Analyse…aber vor allem eine sinnliche Komponente unserer Arbeit, die nicht zu Ende erklärt werden muss!
Das Nationaltheater hat dank der Spende der Heinrich-Vetter-Stiftung einen brandneuen Konzertflügel: Der Steinway D-274 erklingt erstmals beim Liederabend mit Diana Damrau und Pianist Helmut Deutsch.
Und Mannheim? Wie hat sich Ihr Verhältnis zur Stadt im Laufe vieler Inszenierungen und Jahre geändert?
CD: Nach Mannheim kommen fühlt sich ein bisschen an, wie »nach Hause« kommen…Man kennt sich im Theater aus, man weiß, wo es in der Nähe den besten Kaffee gibt und trifft sich dann dort zum Besprechen. Außerdem weiß man, wo man abends nach der Probe noch etwas zu Essen bekommt…

DD: Ich erinnere mich noch, wie gegenüber vom Spielhaus Leinentücher aus den Fenstern hingen, beschriftet mit »Meistersinger müssen bleiben«. Das ist für mich Mannheim.

CD: Vor allem ist es toll, immer wieder auf die wunderbaren Menschen des Nationaltheaters zu treffen.

DD: Ich freue mich, dass ich bald wieder Mannheim besuchen werde!

Diana Damrau ist eine der wichtigsten Sopranistinnen der Gegenwart. Sie begann ihre Karriere von 1999 bis 2002 am Nationaltheater Mannheim. Für den »Mannheimer Sommer 2026« entwickelt sie einen außergewöhnlichen Liederabend.
Cordula Däuper ist eine renommierte Musiktheaterregisseurin, die in Mannheim seit 2007 zahlreiche Produktionen realisiert hat. Ihre aktuelle Produktion ist »Die Zauberflöte«.
Monika Gintersdorfer ist Regisseurin im deutsch-ivorischen Kollektiv »La Fleur«. Im Festival zeigen wir ihre aktuelle Arbeit »Das Phantom der Operette«, in der sie sich mit Kálmáns »Csárdásfürstin« beschäftigt.
Veröffentlicht im Mannheimer Sommer Magazin 2026

TERMINE

https://www.nationaltheater-mannheim.de Nationaltheater Mannheim Mozartstr. 9, 68161 Mannheim
Do
18
Jun
19:00 | mit deutschen Übertiteln
Große Oper in zwei Aufzügen
von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Emanuel Schikaneder
Eröffnungspremiere Mannheimer Sommer 2026
Ausverkauft Oper OPAL iCal
https://www.nationaltheater-mannheim.de Nationaltheater Mannheim Mozartstr. 9, 68161 Mannheim
Fr
19
Jun
19:00 | Kurzeinführung mit Liedbegleiter Helmut Deutsch und Chefdramaturgin Cordula Demattio um 18.15 Uhr
Die große Sopranistin kehrt nach Mannheim zurück
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Sa
20
Jun
19:00 | Kurzeinführung um 18.15 Uhr | mit deutschen Übertiteln
Große Oper in zwei Aufzügen
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Libretto von Emanuel Schikaneder
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So
21
Jun
18:00 | Kurzeinführung um 17.15 Uhr | mit deutschen Übertiteln
Große Oper in zwei Aufzügen
von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Emanuel Schikaneder
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Sa
27
Jun
20:00 | Kurzeinführung um 19.15 Uhr
Performance von La Fleur nach Emmerich Kálmán
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So
28
Jun
19:00 | Kurzeinführung um 18.15 Uhr | mit deutschen Übertiteln
Große Oper in zwei Aufzügen
von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Emanuel Schikaneder

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Jun
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Jun
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