Ein ganzes Künstlerleben lang, so will es zumindest die Legende, ist Jacques Offenbach auf der Suche nach einem Stoff für eine große Oper, nachdem er es mit der »kleinen Oper«, der Operette, zu Weltruhm gebracht hat.
In Jules Barbier und Michel Carrés Theaterstück »Les Contes d′Hoffmann« wird er schließlich fündig. Die Verbindung der fantastisch skurrilen Figurenwelt des deutschen Romantikers mit Schlaglichtern aus seinem Leben inspiriert Offenbach, denn sie lässt ihm Raum für psychologische Tiefe, Schönheit, Abgründigkeit und großen Theaterzauber. Musikdramatische Höhepunkte wie die Szene mit der Puppe Olympia, deren halsbrecherische Koloraturen einen nur staunen lassen können, oder die berühmte Barcarolle haben dem Stück seinen Platz im Opernkanon gesichert – und das, obwohl Offenbach über der Arbeit am »Hoffmann« verstarb und die Oper nicht fertigstellen konnte. Aus einer faszinierenden Fülle an Material muss bis heute für jede Aufführung eine eigene Stückfassung erstellt werden. Regisseur Markus Bothe, dessen Inszenierungen etwa von Monteverdis »Heimkehr des Odysseus« und »L‘Orfeo« oder auch Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« am NTM ihr begeistertes Publikum gefunden haben, übernimmt diese Aufgabe gemeinsam mit Generalmusikdirektor Roberto Rizzi Brignoli. Was ist Phantasie, was Wirklichkeit?