Eine Königin ist auf der Bühne an sich nichts Ungewöhnliches, zwei Königinnen hingegen sehr. Was wiegt schwerer: Staatsraison oder Menschlichkeit?
Die historische Episode der rivalisierenden Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I. – Maria in Gefangenschaft Elisabeths – hat sich nicht nur ikonographisch ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt, sie wurde auch ein populärer Bühnenstoff. Friedrich Schiller lässt die beiden Königinnen in seinem berühmten Drama persönlich aufeinandertreffen und spitzt die Geschichte damit auf einen Kampf zweier Frauen zu, der nicht allein politische Züge trägt. Für Gaetano Donizetti wird die Begegnung Marias und Elisabeths zum Ausgangspunkt einer Oper, in der die Nerven bis aufs Äußerste gespannt sind: Wer ist bereit, wem zu vergeben? Zu welchen Taten treiben Eifersucht und Demütigung? In schönsten Kantilenen, hochvirtuosen Arien und Ensembles sowie einer gehörigen Portion leidenschaftlicher Italianità entlädt sich das gesamte emotionale Panorama zwischenmenschlicher Beziehungen. Nach ihrer bejubelten »Traviata« kehrt Regisseurin Luise Kautz mit diesem Hauptwerk des Belcanto ans Nationaltheater zurück und erforscht, welche Opfer eine Frau bringen muss, um zu herrschen – und, ob sich eine Königin Weiblichkeit, Liebe und Mitleid erlauben kann.
Mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Ingrid Grummt