Leo Lorena Wyss
NTM Hausautor*in 2024.25
NTM Hausautor*in 2024.25
MITTWOCH, 25. JUNI 2025, 14.23 UHR
Collini Center
Die Luft steht. Von irgendwo zirpt es. Gibt es Grillen in Mannheim? Hier schon. Hier grillt es und zirpt es und brennt es. Von oben auf mich, von oben auf meinen Balkon runter. Ist es schlauer, die Tür offen oder zu zu lassen? Den Mund, offen oder zu? THAT‘S NOT FAIR. THAT‘S JUST NOT FAIR. Trump hat den Mund offen. Weit offen. Trump schreit. SPANIEN WEIGERT SICH DIE FÜNF PROZENT. EINE UNVERSCHÄMTHEIT. NATO VERBÜNDETE. Mein Handy scheppert fast. Die Nachrichten-App geöffnet. Ich beuge mich über die Brüstung des siebten Stocks im Collini.
Vor mir der Parkplatz und das Versicherungsgebäude. Von oben auf einmal nass. Gießt hier wer Blumen auf dem Balkon über mir oder ist das mein Gehirn, das langsam zu tropfen beginnt, vom Ohr aus auf meinen Oberschenkel, dann die Wade runter? WIR HABEN EINE FÜHRENDE ROLLE ÜBERNOMMEN. ICH ALS KANZLER KANN BESTÄTIGEN. Hässlich.
Vor mir der Parkplatz und das Versicherungsgebäude. Von oben auf einmal nass. Gießt hier wer Blumen auf dem Balkon über mir oder ist das mein Gehirn, das langsam zu tropfen beginnt, vom Ohr aus auf meinen Oberschenkel, dann die Wade runter? WIR HABEN EINE FÜHRENDE ROLLE ÜBERNOMMEN. ICH ALS KANZLER KANN BESTÄTIGEN. Hässlich.
Richtig hässlich. Diese tote Taube. Da. Unten auf dem Asphalt. Liegt die schon immer hier? Wurde sie überfahren? Oder ist sie im Flug gestorben und dann, ausgerechnet hier, auf den Asphalt vor meinem Balkon im siebten Stock des Collinis gefallen? SO AUSGELASSEN WAR DIE STIMMUNG BEI EINEM NATOGIPFEL SCHON LANG NICHT MEHR. MASSIVE ERHÖHUNG IHRER VERTEIDIGUNGSMASSNAHMEN. DIE LUFTVERTEIDIGUNG VERFÜNF-. Was macht man mit einer toten Taube? Ein Amt anrufen? Bestimmt irgendein Amt anrufen. Im Zweifelsfall in Deutschland immer ein Amt anrufen. UND JETZT ZUM WETTER. HITZEWELLE VON ÜBER DREISSIG. Ich schließe die Nachrichtenapp auf meinem Handy. Gehe wieder rein. Los. Ich sollte los. Es geht gleich los. Eincremen. Laptop laden. Los. Ich sollte –
MITTWOCH, 25. JUNI 2025, 17.34 UHR
Begrüßung und Programmvorstellung, R4
Eröffnungsrede. Ich notiere: Teilhabe vs. Teilnahme. Während ich schreibe, bin ich mir auf einmal nicht mehr sicher, ob ich weiß, worin genau der Unterschied liegt, stelle fest: Beides hat mit Besitz zu tun. Beim einen möchte ich etwas haben, beim anderen etwas nehmen. Partizipation also als Umverteilung der Produktionsverhältnisse. Bloß: Wer hat schon und wer will noch? Wer ist das Ganze, wer der Teil? Und: Was war zuerst da? Das Ganze oder der Teil?
MITTWOCH, 25. JUNI 2025, 18.10 UHR
»We are so lonely. So are you.«, Performativer Impuls von Gob Squad, R4
Es ist offiziell. GOB Squad macht es offiziell: Mannheim is the hottest place in Germany.
Dann: BIG TALK STATT SMALL TALK
Eine Idee für die kommenden Tage: Sätze anfangen mit ICH BIN - ICH WILL - ICH KANN statt immer nur über das Wetter zu reden.
Dann: BIG TALK STATT SMALL TALK
Eine Idee für die kommenden Tage: Sätze anfangen mit ICH BIN - ICH WILL - ICH KANN statt immer nur über das Wetter zu reden.
MITTWOCH, 25. JUNI 2025, 18.56 UHR
»Exile Promenade. Fragmente«, Performativer Spaziergang von Ada Mukhína, Alina Anufrienko & Georgii Malykh, Startpunkt R4
Wir folgen Alina durch die Straßen Mannheims. Auf den Ohren, über Kopfhörer, ein Bericht: Wie Alina nach der russischen Invasion in die Ukraine noch ein letztes Mal zurückgegangen ist, um das Cello - Mr. Cello - zu holen. Mr. Cello könne so wie Alina und viele andere queere Menschen nicht länger geschützt in Russland leben, erzählt Alina. Mr. Cello has no gender, sagt Alina. Mr. Cello has no gender, notiere ich mir in meiner Handy-Notizenapp und bin berührt als Alina sich mitten auf der Straße hinsetzt und anfängt zu spielen.
MITTWOCH, 25. JUNI, 19.11 UHR
Begrüßung Vernissage, zeitraumexit
Pause. Ganz kurz. Pause. Schorle. Ein Gebäck. Ist da Fleisch drin? Nein. Sicher? Ja, schau. Weiße Krümel im Gebäck, Blasen in der Schorle, warmes Gefühl im Bauch. Innen und Außentemperatur angeglichen. Mannheim is the hottest place. Ich beiße ins Gebäck. Weiße Krümel. Eine einsame, oder – nein, eine GEMEINSAME Schweißperle, die da langsam das Bein runterläuft.
MITTWOCH, 25. JUNI, 19.35 UHR
Vernissage »Widerstand durch performative Kunst: Perspektiven aus der Black Community auf koloniale Praxis«, Performative Ausstellung von Akim Gubara und Vanessa-Irene Omoigui, zeitraumexit
Jedes Museum hat eine Mitte.
Was in der Mitte steht, wird angeschaut.
Was in der Mitte steht, bestimmt die Regeln.
In der Mitte steht: Der Reichsapfel.
Was in der Mitte steht, wird angeschaut.
Was in der Mitte steht, bestimmt die Regeln.
In der Mitte steht: Der Reichsapfel.
MITTWOCH, 25. JUNI, 21.05 UHR
»The Transition Pieces: Chant I (Glitches, Fairies and Warrior Goddesses)«, Performance von Gérald Arev Kurdian, Studio
Ein Bild, das mich nach der Performance nicht mehr loslässt: Die kinky Lehrerin, von der die performende Person am Ende erzählt. Die kinky Lehrerin, die alle Schüler*innen mit dem Namen anspricht, von dem sie noch gar nicht wissen, dass es einmal ihrer sein wird. Die kinky Lehrerin, die für all die Queers in der Klasse da ist. Die für alle Faggots, Lezzies und Enbies da ist.
MITTWOCH, 25 JUNI, 00.17 UHR
Collini Center
Ich dusche kalt. Schaue auf die Taube unten auf dem Asphalt bevor ich die Balkontür schließe und mich ins Bett lege.
DONNERSTAG, 26. JUNI, 09.27 UHR
»Jenseits der Einladung: Über Beziehungen, Bühne und Brüche«, Impuls von Ivana Pilić, R4
Eintrudeln. Kaffee. Hallo. Wie geht’s? Ganz gut. Und dir? Auch. Warst du noch lange? Nein, ich war so müde. Ich auch. Hallo. Wie geht’s? Ganz gut. Und dir? Müde. Aber. Hey! Guten Morgen! Schon lange da? Nein, grade gekommen. Und du? Auch. Hey. Wie geht’s? Gut. Und –
FREUNDE DER PARTIZIPATION!
Der Weckruf: Es geht los. Ich bin erstaunlich wach. Schreibe durchgehend mit, als Ivana Pilić über die Ehrlichkeit der Partizipation anstelle eines symbolischen Akts spricht. Als sie sagt, dass es keine rhetorische Überhöhung dessen geben darf, was getan wird. Dass es um eine Partizipationsarbeit jenseits der Einladung geht. Eine Einladung allein reicht nicht. Partizipation muss Prozess, nicht bloß Zierde oder Antwort sein.
Dann weiter: Theaterhäuser sind keine neutralen Orte. Sie kreieren Bilder. Bilder, die bestimmen, wer Teil ist von dem Wir.
Da ist es wieder: Der Teil. Das Bild. Der Reichsapfel in der Mitte.
Ich denke an den Ausdruck: Sich etwas auf die Fahne schreiben. Denke an dieses eine Gespräch mit einem Intendanten, dem ich mein neues Projekt vorgestellt habe und der dann meinte, er hätte ja eher Lust auf was Queeres.
Das Queere fehle noch im Programm. Und das könne ich doch. Das Queere oder?
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ivana Pilić sagt: Institutionen per se können nicht gut lernen.
Die AI, die Ivana Pilićs Worte ins Englische übersetzt, sagt: The love for the garden remains posed. Die Liebe für den Garten bleibt gestellt.
FREUNDE DER PARTIZIPATION!
Der Weckruf: Es geht los. Ich bin erstaunlich wach. Schreibe durchgehend mit, als Ivana Pilić über die Ehrlichkeit der Partizipation anstelle eines symbolischen Akts spricht. Als sie sagt, dass es keine rhetorische Überhöhung dessen geben darf, was getan wird. Dass es um eine Partizipationsarbeit jenseits der Einladung geht. Eine Einladung allein reicht nicht. Partizipation muss Prozess, nicht bloß Zierde oder Antwort sein.
Dann weiter: Theaterhäuser sind keine neutralen Orte. Sie kreieren Bilder. Bilder, die bestimmen, wer Teil ist von dem Wir.
Da ist es wieder: Der Teil. Das Bild. Der Reichsapfel in der Mitte.
Ich denke an den Ausdruck: Sich etwas auf die Fahne schreiben. Denke an dieses eine Gespräch mit einem Intendanten, dem ich mein neues Projekt vorgestellt habe und der dann meinte, er hätte ja eher Lust auf was Queeres.
Das Queere fehle noch im Programm. Und das könne ich doch. Das Queere oder?
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ivana Pilić sagt: Institutionen per se können nicht gut lernen.
Die AI, die Ivana Pilićs Worte ins Englische übersetzt, sagt: The love for the garden remains posed. Die Liebe für den Garten bleibt gestellt.
DONNERSTAG, 26. JUNI, 10.30 UHR
»Modi der Partizipation und Formate partizipativer Forschung im Theater«, Impuls von Maike Gunsilius, R4
Ich notiere: Binäres Verhältnis Kinder – Erwachsene. Denke wieder an Mr. Cello und die Regeln. All die Regeln.
Ich notiere: Drama Control in Bochum, Aufsichtsrat. Recherchieren AUSRUFEZEICHEN.
Ich notiere: Theater darf kein Trostpflaster für einen grundlegenden demokratischen Konflikt sein. Wieviel Prozent der Bevölkerung hat Zugang zum Theater?
Ich notiere: Drama Control in Bochum, Aufsichtsrat. Recherchieren AUSRUFEZEICHEN.
Ich notiere: Theater darf kein Trostpflaster für einen grundlegenden demokratischen Konflikt sein. Wieviel Prozent der Bevölkerung hat Zugang zum Theater?
DONNERSTAG, 26. JUNI, 11.01 UHR
Pause, R4
In der Pause nochmal Kaffee. Hallo. Hey. Schön dich zu sehen. Ebenfalls. Wie lange bist du schon da? Seit drei Wochen. Schön. Und du? Ach, schon länger. Schön. Ja. Mh. Mh.
Ich schaffe den Absprung von Small Talk zu Big Talk irgendwie noch nicht so ganz. Dafür lerne ich, dass das mit dem hottest Place und Mannheim gar nicht stimmt.
Da haben die Feldherren Militärübungen gemacht mit Soldaten, um sie auf den Einsatz in afrikanischen Ländern vorzubereiten.
Ich verstehe:
Sich etwas auf die Fahne schreiben. Der Reichsapfel. Die tote Taube.
Sich etwas auf die Fahne schreiben. Der Reichsapfel. Die tote Taube.
Ich schaffe den Absprung von Small Talk zu Big Talk irgendwie noch nicht so ganz. Dafür lerne ich, dass das mit dem hottest Place und Mannheim gar nicht stimmt.
- Wie meinst du das?
- Na ja. Eigentlich ist das bei Karlsruhe, also so ein Acker bei Karlsruhe, wo die offiziell heißeste Stelle ist.
Da haben die Feldherren Militärübungen gemacht mit Soldaten, um sie auf den Einsatz in afrikanischen Ländern vorzubereiten.
- Echt jetzt?
- Ja. Die Hitze, die Dürre. Damit die das schon mal üben können. Verstehst du?
Ich verstehe:
Sich etwas auf die Fahne schreiben. Der Reichsapfel. Die tote Taube.
Sich etwas auf die Fahne schreiben. Der Reichsapfel. Die tote Taube.
DONNERSTAG, 26. JUNI, 11.25 UHR
»Multiperspektive, Empathie, Ko-Kreation – Internationale Ansätze der Partizipation«, Panel mit Theatercompany Common/Wealth (UK), dem Labor für transkulturelle Kunst Brunnenpassage (AT) und der Kulturinstitution Teatr Łaźnia Nowa (PL)
Ich traue dem Schreiben nicht. Dem Mitschreiben. Will ich bloß, dass immer alles miteinander in Verbindung steht? Ziehe ich Fäden, wo es eigentlich besser ist, die Dinge einfach einmal für sich stehen zu lassen? Es geht nicht. Da ist er wieder, der nächste Punkt, der nächste Faden, den ich ziehe: Common Wealth. Die lose Verbindung von Großbritannien, Nordirland und dessen Kolonien. Der Feldherr, der in Karlsruhe seine Soldaten auf dem heißesten Acker Deutschlands üben lässt. Dann, vom Acker in Karlsruhe, ein Faden zum Reichsapfel in der Ausstellung. Weiter, die tote Taube auf dem Asphalt. Wie können wir Partizipation denken, wenn alles brennt?
Wie die Wealth im Common sehen, ein anderes Common, eine andere Wealth? From the center to the heart. Aus dem imperialen 1. Bezirk raus in den 16. Ein Faden, noch ein Faden, ein Faden, der sich über die Stadt, der sich über die Karte, der sich durch den Theaterraum spinnt. Outskirts. Die Außenröcke. Wer in der Mitte ist, braucht keine Fäden. Wer in der Mitte ist, muss sich keinen Rock nähen. Wer in der Mitte ist, sieht sich nicht in Relation zu. Wir wollen Theater machen für diejenigen, die nie Theater hatten. TAKE ON THE THEATRE CAUSE WE FUCKING HATED IT! Neue Röcke weben. Röcke miteinander verweben. Zurück in die Outskirts, dahin, wo man herkam. Von da aus dann: Neue Räume schaffen, durchsichtige, transparente Räume schaffen, in die man vom Yppenplatz-Markt aus reinschauen kann. Ein anderes Zuhause. Eine kinky Lehrerin für all die Queers, Enbies, Lezzies. Ein Utopian Theatre in Polen. Eine Gruppe Menschen, die im Wald gemeinsam Pilze sammeln gehen. Da! Ein Pilz! Ein Garten. Eine Heterotopie? Ein Gegenentwurf? Eine Alternative innerhalb der bestehenden Ordnung? Die AI hatte recht: Die Liebe für den Garten bleibt gestellt. The love for the garden remains posed.
Wie die Wealth im Common sehen, ein anderes Common, eine andere Wealth? From the center to the heart. Aus dem imperialen 1. Bezirk raus in den 16. Ein Faden, noch ein Faden, ein Faden, der sich über die Stadt, der sich über die Karte, der sich durch den Theaterraum spinnt. Outskirts. Die Außenröcke. Wer in der Mitte ist, braucht keine Fäden. Wer in der Mitte ist, muss sich keinen Rock nähen. Wer in der Mitte ist, sieht sich nicht in Relation zu. Wir wollen Theater machen für diejenigen, die nie Theater hatten. TAKE ON THE THEATRE CAUSE WE FUCKING HATED IT! Neue Röcke weben. Röcke miteinander verweben. Zurück in die Outskirts, dahin, wo man herkam. Von da aus dann: Neue Räume schaffen, durchsichtige, transparente Räume schaffen, in die man vom Yppenplatz-Markt aus reinschauen kann. Ein anderes Zuhause. Eine kinky Lehrerin für all die Queers, Enbies, Lezzies. Ein Utopian Theatre in Polen. Eine Gruppe Menschen, die im Wald gemeinsam Pilze sammeln gehen. Da! Ein Pilz! Ein Garten. Eine Heterotopie? Ein Gegenentwurf? Eine Alternative innerhalb der bestehenden Ordnung? Die AI hatte recht: Die Liebe für den Garten bleibt gestellt. The love for the garden remains posed.
DONNERSTAG, 26. JUNI, 15.05 UHR
»Queer-feministische Communityarbeit als ästhetische Praxis«, Workshop mit CHICKS* freies performancekollektiv, Probebühne
Wir haben uns gefragt: Was bedeutet diese Kette für mich?
Wir haben uns gefragt: Was bedeutet diese Tablette für mich?
Wir haben uns gefragt: Was bedeutet dieser Ausweis, dieser Name für mich?
Auch: Wie lecken wir richtig?
Oder: Welches Alter hat deine Wut?
Und: Wollen wir das überhaupt, die Utopie, von der alle immer sprechen?
Wir haben uns gefragt: Was bedeutet diese Tablette für mich?
Wir haben uns gefragt: Was bedeutet dieser Ausweis, dieser Name für mich?
Auch: Wie lecken wir richtig?
Oder: Welches Alter hat deine Wut?
Und: Wollen wir das überhaupt, die Utopie, von der alle immer sprechen?
FREITAG, 27 JUNI, 14.04 UHR
»How to Occupy Space: The Sports Spectacle, feminism, and participation«, Workshop mit Jennifer Jackson, Kampfsportschule Mannheim
Ah ja, den gibt es ja auch noch, den Körper. Der ist ja auch noch da, der Körper, der will auch mitmachen, reingelassen werden, hallo, hallo, darf ich bitte auch mit rein? Also darf ich auch mit zur Party, mit zur Partyzipat – Bevor die Wortspiele zu peinlich werden, macht der Körper besser schnell eine Rolle.
Wärmt sich auf.
Squats.
High Knees.
Dann stößt der Körper einen anderen Körper um.
Gibt dem umgestoßenen Körper die Hand, hilft ihm aufzustehen, alles ok, fragt der eine Körper, alles gut, sagt der andere Körper.
Wärmt sich auf.
Squats.
High Knees.
Dann stößt der Körper einen anderen Körper um.
Gibt dem umgestoßenen Körper die Hand, hilft ihm aufzustehen, alles ok, fragt der eine Körper, alles gut, sagt der andere Körper.
FREITAG, 27. JUNI, 15.36 UHR
R4, Pause
Ich nehme mir vor, diesen Text später mit der Taube enden zu lassen. Ich nehme mir vor zu schreiben, wie ich am Ende, nach drei Tagen Kongress, in meine Collini-Wohnung komme, völlig platt und durchgeschwitzt, wie immer die Balkontür aufmache, um etwas Luft reinzulassen, um dann nach unten schaue. Ich nehme mir vor zu schreiben, dass ich sie sehe, dort unten, die tote Taube, die es natürlich eigentlich gar nicht gibt, die ich bloß in den Text hineingeschrieben habe, so wie ich alles bloß in den Text, in den Kongress hineingeschrieben habe, meinen Blick, meinen Eindruck, meine Perspektive so sehr hineingeschrieben wie die Taube, auf die ich nach drei Tagen Kongress, völlig platt und durchgeschwitzt, vom Balkon meiner Collini-Theaterwohnung aus blicke und die sich, während ich sie von meinem Balkon beobachte, auf einmal zu bewegen beginnt – ein Zucken erst, kaum wahrnehmbar, vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet, denke ich, vielleicht ist das die Hitze, die Erschöpfung, das Spielzeitende, aber dann wieder: Ein Zucken, da!, sie bewegt sich, reckt sich, langsames Schütteln des Gefieders, sie dreht sich um auf dem Asphalt, da!, sie hinkt, sie schwankt, aber sie steht!, richtet sich weiter auf während ich, auf dem Balkon, siebter Stock, mich ein wenig weiter über die Brüstung lehne, zur Taube schaue, zur Taube nach unten, die –
Die Taube dreht ihren Kopf. Die Taube schaut mich an. Die Taube gurrt.
Die Taube dreht ihren Kopf. Die Taube schaut mich an. Die Taube gurrt.