Online-Vorstellung

Levée

Boris Charmatz und César Vayssié
Kunstfilm

Choreographische Assistenz: Anne-Karine Lescop

Sound: Olivier Renouf

Regie: Fabrice Le Fur

Kostüm: Stefani Gicquiaud

Pilot: Holger Lubbe

Helicopter-Maschinist: Thomas Lempke

Kamera-Equipment: Loca images

Postproduction: Firm

 

Mit: Or Avishay, Eleanor Bauer, Matthieu Barbin, Magali Caillet-Gajan, Ashley Chen, Sonia Darbois, Kerem Gelebek, Peggy Grelat-Dupont, Gaspard Guilbert, Christophe Ives, Dominique Jégou, Lénio Kaklea, Jurij Konjar, Élise Ladoué, Maud Le Pladec, Catherine Legrand, Naiara Mendioroz, Andreas Albert Müller, Mani A. Mungai, Élise Olhandéguy, Qudus Onikeku, Felix Ott, Annabelle Pulcini und Simon Tanguy

Das spiralförmige Plateau der stillgelegten »Halde Haniel«, einer der höchsten Halden des Ruhrgebiets, inspirierte den international renommierten Choreographen Boris Charmatz zu einer Arbeit mit der Geste des Unendlichen. Vor der unglaublichen Kulisse dieser Halde formt das Ensemble aus Tänzerinnen und Tänzern mit 25 simultane Gesten, die das Auge nicht gleichzeitig erfassen kann, eine labyrinthische Skulptur aus Körpern. Ein Zeremoniell aus kraftvollen und zehrenden Bewegungen, die einen starken Kontrast zur architektonischen Landschaft bilden. Filmemacher César Vayssié hat diese kraftvolle Performance mit aufwändiger Filmtechnik, Kamerafahrten und Helikopterflügen eingefangen.

»Levée« bildet für Charmatz und sein Ensemble den Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen der Gleichzeitigkeit und Unendlichkeit, die ihn, unter dem Hör-Eindruck von Mozarts Requiem, zu seiner Arbeit »10000 Gesten« inspirierten – jener Arbeit,  die eigentlich im Programm des Festivals gezeigt werden sollte. Wir freuen uns, mit »Levée« zu den Ursprüngen dieser Arbeit zurückzukehren.

 

 

Die deutsche Übersetzung des Interviews Ein paar Gedanken von Boris Charmatz zu Levée finden Sie unterhalb des Textes. Bitte klicken Sie auf das Dropdown-Menü »Übersetzungen«.

 

 

© terrain / Same Art - 2014

Eine Produktion von Musée de la danse / Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne (2013), Koproduktion Same Art Producers / Dimitri Chamblas und Amélie Couillaud.

 

Dank an: Yves Godin und das Team der Kollaborateure des Projektes Levée des

conflits, namentlich die Tänzerinnen und Tänzern: Nuno Bizarro,Matthieu Burner, Olga Dukhovnaya, Olivia Grandville, Taoufiq Izeddiou,Thierry Micouin, Fabrice Ramalingom und Nabil Yahia-Aïssa.

Heiner Goebbels, Marietta Piekenbrock, Andreas Dietmann, André Grüss, Christiane Schmitz und das Team der Ruhrtriennale – Michael Sagenschneider und Bernd Lorscheidt — RAG Aktiengesellschaft. Alban Teurlai, Thierry Demaizières und Léo Monnet — Falabracks. Matthieu Goeury, performing arts programming, Kunstencentrum Vooruit, Gand.

 

 

Fotos: César Vayssié

Ein paar Gedanken von Boris Charmatz

Übersetzung

 

Hallo!

Man sagt oft, Tanz sei vergänglich, aber eigentlich ist er das gar nicht so sehr. Ich tanze Choreografien von Isadora Duncan aus dem Jahr 1922. William Forsythe spielt dieses Stück seit 30 Jahren auf der ganzen Welt, und es wird immer wieder aufgeführt.

Man hat also diesen Eindruck von Vergänglichkeit, aber ganz so einfach ist es nicht. In »10 000 Gesten« nehmen wir Bezug darauf, indem jede Geste nur einmal getanzt wird und dann verschwindet, vertrieben von einer anderen Geste. Diese große Sammlung an Gesten ist auch ein Gestenfriedhof. Denn wenn ein Tänzer »Auf Wiedersehen« sagt, lächelt, sich zweimal in der Luft dreht und auf den Knien endet, dann weiß man, dass hier etwas verschwindet und nie wieder im Stück vorkommen wird. Es bleibt ausschließlich im Gedächtnis.

Dieser »Gestenfriedhof« hat uns auf die Idee gebracht, mit dem »Requiem« zu arbeiten. Mozarts »Requiem« ist natürlich zum einen eine Musik für die Toten, zum anderen starb aber auch Mozart selbst, während er sie komponierte. Im »Requiem« gibt es quasi einen zweifachen Tod. Ich fand, unser Stück sei auch ein bisschen wie Tex Averys Kojote in den Cartoons. Er läuft und läuft, und dann kommt der Abgrund. Er könnte hinunterfallen, aber wenn er weiterläuft und nicht in den Abgrund sieht, dann fällt er nicht. So ist auch ein bisschen das, was wir machen. Wir kommen in Bewegung, machen alle Gesten mit sehr hoher Geschwindigkeit und hoffen so auch irgendwie, nicht zu sterben.

Hier gibt es also einen guten Zusammenhang mit dem »Requiem«. Am Anfang dachte ich, dass die Sänger es a cappella stark beschleunigt singen würden. Das war aber unmöglich, da das Stück körperlich so anstrengend ist. Wir haben es nie hingekriegt. Eines Tages ließen wir dann das »Requiem« einfach während einer Probe spielen und konnten seitdem nicht mehr darauf verzichten. Das Ganze ist also sehr konzeptuell und basiert nicht auf dem »Requiem«. Wir erlauben uns nur, es während unseres Tanzes zu spielen. Es entsteht natürlich eine mentale und emotionale Verbindung dazu, aber die Choreographie wurde nicht für das »Requiem« gemacht.

Ich arbeite zum ersten Mal mit einem solchen musikalischen Erbe, aber ich finde, dass es gut funktioniert. Wir haben uns jedenfalls dazu entschlossen, dem »Requiem« einen Platz in dem Stück zu geben, und ich hoffe, es wird Ihnen gefallen.

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