Schauspielhaus

Das schwarze Wasser (UA)

Roland Schimmelpfennig Premiere: Sa, 10. Januar 2015

Eine magische Nacht, am »schwarzen Wasser voller Sterne«: Eine Gruppe Jugendlicher überwindet für einen kurzen Moment alle gesellschaftlichen Gegensätze. Liebestrunken und übermütig »fahren sie in den Himmel«. Doch die Realität wird ihre Hoffnungen enttäuscht haben; die Jugendlichen von einst begegnen sich in einer Gegenwart wieder, die die Parallelwelten und die gegenseitigen Vorurteile zementiert hat.

»Er trifft sie zufällig auf der Straße. Sie fängt plötzlich an zu weinen, und er fragt sie, ob er ihr helfen kann, immerhin kennen sie sich doch von früher.
Freunde von früher – und früher war alles egal, die Herkunft, das Geld, die Schule, die Eltern. Heute ist einer Minister, und der andere verkauft Autos, und eine sitzt an der Kasse im Supermarkt. Die Stadt ist groß genug, aber manchmal läuft man sich doch über den Weg.
Es regnet, und er bringt die weinende Frau zu ihrer Wohnung, in der Wohnung haben schon ihre Eltern gewohnt. Und später fragt ihn seine Ehefrau: Alles in Ordnung? Ja, sagt er, aber von diesem Tag an ist nichts mehr in Ordnung, nichts.« (R. Sch.)

Der Autor verwebt meisterhaft die Vergangenheit mit der Zukunft; sein melancholischer, poetischer Blick beschwört die Unschuld der ersten großen Liebe und die Utopie des gegenseitigen Verstehens über soziale Schranken hinweg.

 

Roland Schimmelpfennig, ist »der führende deutsche Dramatiker« (FR). Er schrieb Auftragsarbeiten für das Schauspielhaus Zürich, das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Bochum, das Wiener Burgtheater und andere. 2010 erhielt er den Mülheimer Dramatikerpreis für sein Stück Der goldene Drache.

 

Ein Auftragswerk für die Frankfurter Positionen 2015 – eine Initiative der BHF-BANK-Stiftung

 

Dauer: ca. 1 Stunde und 30 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

So unangestrengt und leger – und trotzdem so differenziert, so ernsthaft – kann's auf dem Theater zugehen! […] Sie alle (die sechs Schauspieler) bieten anderthalb Stunden lang intelligentes, farbiges Theater – etwas zu textlastig vielleicht, aber spannend bis zuletzt. Und wenn die Szene einen Regenguss braucht, tritt einer der Darsteller vor und hält eine Gießkanne hoch. Wie simpel – und doch: wie schön! (Allgemeine Zeitung Mainz, 14. Januar 2015)

Sechs Schauspieler schlüpfen mit Perücken und Umhängebärten in viele Rollen lassen in der professionellen Geläufigkeit dieser Wortpartitur die kleinen Pointen blitzen. (Darmstädter Echo, 15. Januar 2015)

Doch von Beginn an liegt im Zauber der gemeinsamen Nacht die zukünftige Realität. Das ist die Stärke des Stücks, in dem sich die Zeitebenen überlagern. […]
Flott und präzise wie Pingpong-Bälle spielen sich die sechs Schauspieler eindrucksvoll die Worte zu und liefern dabei den Subtext (das war eine Pointe) gleicht mit. Sprachwitz und Humor, bis hin zum eingespielten Modern Talking-Hit, bewahren das Stück vor Sentimentalität, ohne den Inhalt zu verwässern.
(Die Deutsche Bühne, Januar 2015)

Intendant und Regisseur Burkhard C. Kosminski begegnet der Schimmelpfennig-Bühnen-Prosa mit Theater. Seine Schauspieler stehen nicht wie andernorts schon gesehen an Mikrofonen an der Rampe und vertrauen dem Text, sondern es gelingt ihnen auf der leeren Bühne immer wieder, die erzählte Geschichte in starke Bild- und Erinnerungsfetzen zu verwandeln. (nachtkritik.de, 10. Januar 2015)

Dass der wohl sein Sohn sein könnte, ist eine von den kleinen Fußangeln in diesem hellsichtigen und doch deprimierenden Text, dessen Poesie geschickt mit dezent dosiertem Wortwitz durchzogen ist und ganz unspektakulär ohne Katastrophen auskommt. (die tageszeitung, 13. Januar 2015)

Ein ständiges Vor und Zurück ist das auf der fast leeren Bühne, ein Spiel mit Erinnerungsfetzen, die Kosminski immer wieder zu einprägsamen Bildern formt. (Stuttgarter Zeitung, 13. Januar 2015)

Doch Kosminski trifft die richtige Entscheidung, choreographiert die Personen und Zeitwechsel markant in teils hochpoetischen Bildern, lässt sie pantomimisch-köstlich U-Bahn fahren, Döner schneiden oder am Beckenrand albern, statt die Mimen – wie branchenüblich – vor ein Mikro an die Rampe zu stellen. […]
Nachdenken über den nur vermeintlich gekitteten Riss durch die Gesellschaft ist eine Sache, die man aus diesem mit großem Applaus bedachten Abend mit nach Hause nehmen kann.
(Mannheimer Morgen, 12. Januar 2015)

Kosminski bringt all die kleinen Geschichten und Gedanken, die aufblitzend Lebensträume und Liebeshoffnungen in einen 90 Minuten währenden Theaterfilm, dessen Bilder zu einem Gutteil aus der Fantasie der Zuschauer kommen. […]
Das Schauspieler-Sextett mit Ragna Pitoll, Katharina Hauter, Anke Schubert, David Müller, Boris Koneczny und Reinhard Mahlberg hantiert herrlich mit Haltungen, Emotionen und ein paar Requisiten. Am Ende viel Applaus für Autor, Regisseur und Ensemble.
(Die Rheinpfalz, 12. Januar 2015)