Internationaler Kompositionswettbewerb am NTM:»DER FREMDE«

Auf der Suche nach neuen Ideen für das Musiktheater der Gegenwart hat das NTM einen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Das Gewinnerteam erhält den Auftrag, Albert Camus’ surrealistische Erzählung »Der Fremde« (1942) in eine abendfüllende Kammeroper zu verwandeln. In einem virtuellen Finale auf Zoom präsentietren die sechs Finalteams am 22. Juli 2021 ihre Konzepte vor Publikum und Jury. Außerdem stellte sich jedes Team mit einer kompositorischen Kostprobe vor, die vorab von Musiker*innen aus dem Ensemble des NTM aufgenommen wurde und im Rahmen der Veranstaltung erklang. Dabei waren auch die Zuschauer*innen gefragt: Denn bei der Wahl des Gewinnerteams vergab auch das Publikum online eine Stimme und wurde damit sozusagen zum siebten Jurymitglied.

 

Der erste Preis, ein mit 20.000 Euro dotierter Kompositions­auftrag ging an Cecilia Arditto (Komposition), Annette Müller (Libretto) und Bart Brouns (Beratung).

 

In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: »Ich habe mich für das Team um Cecilia Arditto entschieden, weil mir die Kombination einer klaren Erzählweise dicht am Autor mit einer phantastischen Welt aus Geräuschen, Klängen, Lichtern und Bewegungen spannend und innovativ erschien. Anstelle einer Oper erwarte ich mir ein fremde, poetische Klang-Welt.« Jan Dvořák (Dramaturg, Komponist und Leiter des Festivals »Mannheimer Sommer«)

Krystian Lada (Regisseur und Librettist) fügt hinzu: Ich habe mich für das Team von Cecilia Arditto entschieden, weil sie ein Verständnis dafür haben, Theater in Musik und Musik in Theater zu überführen. Und weil sie die multisensorischen Gestalt des Stücks in den Mittelpunkt der Opernkomposition stellen.«

Ein Punkt der auch den Komponisten Sidney Corbett überzeugte: »Das Projekt von Cecilia Arditto hat mich zum einen wegen der Linearität der Erzählweise überzeugt, die mir einen guten Rahmen für den komplexen Inhalt des Werks zu geben scheint. Zum anderen gefiel mir die Sinnlichkeit der musikalischen Sprache, besonders im Zusammenhang mit den Klangobjekten, die vom Text inspiriert sind.«

 

Der zweite Preis, ein mit 5.000 Euro dotierter Kammermusikpreis, ging an Ehsan Khatibi (Komposition), Elnaz Seyedi (Komposition) und Johannes Abel (Libretto). Dieses Team konnte nicht nur die Jurystimmen, sondern auch die des Publikums für sich gewinnen.

 

In der Begründung der Jury heißt es: »Den Kammermusikpreis vergebe ich an das Team um Elnaz Seyedi und Ehsan Khatibi, das in seinem Zugang zu Camus’ Roman den Tod als thematische Struktur wählt. Mich überzeugt die hörspielartige Atmosphäre, die sorgfältige Auswahl an Klängen sowie die Tiefgründigkeit des Konzeptes. Es ist mutig und konsequent Meursault nicht als singenden, sondern nur als erzählenden Protagonisten auf die Bühne zu setzen und so die Entfremdung zu verhandeln.« Theresa Beyer (Musikjournalistin, Kuratorin und Leiterin der Musikredaktion bei SRF2 Kultur)

Cordula Däuper (Regisseurin) ergänzt: » Den zweiten Preis möchte ich an das Team um Elnaz Seyedi und Ehsan Khatibi vergeben, deren bezwingende, eindringliche Klänge mich überzeugt haben. Auch den Umgang mit Sing- und Sprechstimme, Wort- und Stimmfetzen finde ich im Zusammenhang mit dem subjektiven Erleben der Hauptfigur sehr interessant. Ein im besten Sinne elektrisierendes »Hörspiel« kann entstehen.

 

 

Interpretation der Kompositionen: Astrid Kessler (Gesang), Amelia Scicolone (Gesang), Patrick Zielke (Gesang), Matteo Pirola (Flügel), Arne Roßbach (Violine)

 

 

Schirmherrin: Elisabeth Maisondieu-Camus

 

Der Kompositionsauftrag für die Kammeroper wird gefördert von den Freunden und Förderern des Nationaltheaters Mannheim e.V.

 

 

 

 

DIE FINALTEAMS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE JURY

 

Theresa Beyer

Musikjournalistin und Kuratorin

 

Sidney Corbett

Komponist

 

Cordula Däuper

Regisseurin

 

Jan Dvořák

Dramaturg, Komponist und Leiter des Festivals »Mannheimer Sommer«

 

Krystian Lada

Regisseur und Librettist

 

Giorgos Panagiotidis

Ensemble Modern

 

 

 

 

CREDITS

Mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft von Albert Camus und dem Rowohlt Verlag