Schauspielhaus

Die Räuber

Friedrich Schiller Premiere: Fr, 12. Juni 2015

Zwei ungleiche Söhne ringen um die Gunst ihres Vaters, des Grafen von Moor. Karl, der Erstgeborene, bittet um Vergebung für seine Jugendsünden aus Leipziger Studentenzeiten. Franz, der sich gegenüber Karl und von der Natur benachteiligt sieht, unterschlägt dem alten Moor das Reuegesuch und intrigiert gegen den älteren Bruder. Daraufhin wird Karl vom Vater verstoßen, erben soll nun Franz. Karl wollte zu seiner Familie und Geliebten Amalia zurückkehren. Die unversöhnliche Antwort des Vaters bewirkt einen anderen Entschluss: Er geht in die böhmischen Wälder, wird ein Räuber und Mörder. Doch als die Gewalt überhandnimmt, entschließt sich Karl, in die Heimat zurückzukehren …

 

Calixto Bieito liest Die Räuber des jungen Regimentsarztes Schiller als Anatomie der Familie Moor. Als Schauspiel- und Opernregisseur international erfolgreich, war Calixto Bieito in Barcelona künstlerischer Leiter des Barcelona Internacional Teatre (2011 – 2012) und des Teatre Romea (1999 – 2011). Er inszeniert regelmäßig an Opernhäusern in Basel, Berlin, Gent, London, Hannover, Zürich u. v. m. In Basel wurde er 2009 von der Kulturstiftung pro europa für seine Verdienste im Bereich der Opernregie mit dem Europäischen Kulturpreis ausgezeichnet. In der Spielzeit 2013 / 2014 war er artist in residence am Theater Basel. Nach seinen Inszenierungen von Bernarda Albas Haus, Das Leben ein Traum und Der Sturm am Nationaltheater hat der katalanische Regisseur mit Schillers 1782 in Mannheim uraufgeführten Drama die 18. Internationalen Schillertage 2015 eröffnet.

 

Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

Bieito präsentiert zwei pausenlose, intensive Stunden lang das letzte Kapitel des Niedergangs einer Familie. Amalia spielt eingangs Cello und gedenkt des geliebten Karl. Katharina Hauter, eine wirkungsvoll wie von innen leuchtende, dabei vernünftige Unbeirrbare, rückt durch Bieitos Konzeption vom anrührenden Rand ins Zentrum des Geschehens. […]
[…] Wie ohnehin das gute, klare Sprechen Richtung Publikum die Plausibilität des Geschehens (und die Genialität des Dramatikers) vor Augen führt. Auf eine bescheidene, fundamentale Art.
(Frankfurter Rundschau, 15. Juni 2015)
 

Calixto Bieito […] verzichtet fast völlig auf Schillers revolutionäre Freiheits-ideologie. Stattdessen forscht der spanische Regisseur nach den Ursachen der existenziellen Misere und entdeckt sie im inneren der Menschen, dort, wo in der Regel die Entscheidungen zwischen Gut und Böse fallen. […]
[…] Zu den wunderschönen Schwarz-Weiß-Impressionen böhmischer Wälder, die Sarah Derendinger immer wieder über die Leinwand flimmern lässt, hat die Bühnenbildnerin Kathrin Younes ein kleines, sprossengegliedertes weißes Häuschen bauen lassen. Es erinnert an ein Gewächshaus, erfüllt mitunter aber auch die Funktion eines Käfigs, in dem die starren Weltanschauungen des alten Moors symbolisch ein Zuhause finden. Bieito ordnet der Natur in seiner Inszenierung eine leitmotivische Bedeutung zu.
(Stuttgarter Zeitung, 15. Juni 2015)

 

Der spanische Bühnen-Berserker Calixto Bieito geht in seiner Inszenierung behutsam mit dem schweren Stoff um und setzt auf die Wirkung des großen Themas statt auf Effekthascherei. […]
Die Bühne (Kathrin Younes) ist minimalistisch gestaltet […], um eine bedrückende Atmosphäre zu bauen, die durch wenig Licht und punktuelle Beleuchtung noch gesteigert wird. In ihr trägt die intensive Darstellung des alten Moor (Jaques Malan) und seines Konflikts zwischen Vaterliebe und Enttäuschung, und auch Amalia (Katharina Hauter) vermag mit ihren langen Monologen zu fesseln, die das Drama um den Bruderkonflikt einrahmen. Langanhaltender Applaus ist der Lohn des Ensembles, aus dem wieder einmal Sascha Tuxhorn hervorsticht, der die Seelenqualen des Franz eindrücklich, dabei oft mit kleinsten Regungen darstellt.
(Wiesbadener Kurier, 15. Juni 2015)
 

Sascha Tuxhorn lädt Gram auf das kahle Haupt von Franz, und die Regie gewinnt einen neuen Helden. (Darmstädter Echo, 15. Juni 2015)
 

[…] Sascha Tuxhorn in der Rolle des Franz Moor. Kahlköpfig wie sein Vater […] buhlt er um dessen Zuneigung, hochgeschlossen und machtbewusst geht er vor der angebeteten Amalia […] auf die Knie, mit unwiderstehlicher Körperpräsenz und bewundernswertem Gespür für den richtigen Tonfall jedes Halbsatzes zeigt er, wie der unbegrenzte Machthunger aus dem Geltungsdrang des vernachlässigten Kindes entsteht. [….] Mit jedem Detail seiner Darstellung fügt Tuxhorn seiner Figur eine Facette hinzu. (Die Deutsche Bühne, 15. Juni 2015)
 

Ihn [Bieito] interessiert der zeitlose Terror des Zwischenmenschlichen. Die Geflechte von Hingabe, Zurückweisung, Begierde und Rache legt er mit Schauspielern bloß, denen es gelingt, im Karacho der stark gerafften Fassung die Vielschichtigkeit ihrer Rollen zu zeigen. (nachtkritik.de, 13. Juni 2015)
 

Bieito hat das Figurenarsenal von Schiller sehr reduziert, konzentriert sich auf sechs Schauspieler. Aber es ist immer noch Schiller, den wir da sehen – zugespitzt, gekürzt, radikaler gedacht, vom Sturm und Drang Pathos befreit und auf konsequente Art in die Gegenwart gebracht. (hr2, 16. Juni 2015)
 

Die Stärken der Inszenierung lagen in der eindrucksvollen visuellen Aufbereitung voller Symbolbilder. […]
Die Dissonanzen, die das Zusammenspiel von enttäuschter Erwartung, unerfüllter Sehnsucht und gefühltem Unrecht nun mal in Menschenseelen erzeugt, weiß Calixto Bieito zur Konzertreife zu bringen. Kathrin Younes hat hierzu einen atmosphärischen Klang- und Bühnenraum entworfen, finster wie die Abgründe, die es dort (in sinniger Ergänzung mit Schwarz-weiß-Videos von Sarah Derendinger) abzubilden gilt. […]
Sascha Tuxhorns Rollengestaltung schmälert das keineswegs. Hin- und hergeworfen zwischen Unrecht und Verzweiflung, klischee- und mätzchenfrei, gespannt wie ein Flitzebogen, der die Schussrichtung nicht kennt: die beste Schauspielleistung des Abends.
(Mannheimer Morgen, 15. Juni 2015)
 

Großartiger Beginn: Calixto Bieito reduzierte Schillers ‚Räuber‘ klug und mitreißend auf ein dem Tode entgegentaumelndes Familiendrama. […] Bieito will das Geheimnis dieser hoffnungslos in ihren Untergang stürzenden Familie ergründen. […].
Diese auf spannende zwei Stunden verdichtete Geschichte wird vom Mannheimer Ensemble großartig erzählt. Jaques Malan spielt den alten Moor als in stiller Verzweiflung erstarrten Patriarchen, Sascha Tuxhorn den Franz als komplexbeladenen, um den Redefluss wie um das eigenständige Leben ringenden Unglücksmenschen, David Müller den Karl als lebensbegierigen Amokläufer, dessen Liebesenergie keine Chance hat gegen die Betonmauern seiner malträtierten Seele. Mittendrin zwischen den Männern Katharina Hauters Amalia, eine Liebesmärtyrerin im regennassen Kleidchen. Den Untergang dieser Menschen will auch Bieito nicht aufhalten, aber er gönnt ihnen doch eine Art Opferritual und damit so etwas wie Erlösung.
(Die Rheinpfalz, 15. Juni 2015)
 

Das war ein Auftakt nach Maß für die 18. Auflage der Internationalen Schillertage am Nationaltheater Mannheim! Calixto Bieitos mit Spannung erwartete Räuber-Inszenierung überzeugte in ihrer neuen Sicht auf die Vater-Söhne-Konstellation des Dramas ebenso wie durch deren eindrucksvolle Umsetzung in starke Bilder. […] Bieito erkannte und nutzte die im Text angelegte, bis in die Nebenrollen reichende Komplexität fast aller Charaktere in Schillers Stücken. Ungewöhnlich auch, wie er und das von ihm hervorragend geführte Mannheimer Ensemble sich völlig frei von Ironie und ohne Scheu vor Leidenschaft, Pathos und überschießendem Sentiment auf die Sprache des Dichters einlassen […]. (Rhein-Neckar-Zeitung, 15. Juni 2015)