Talat Kamran

Leiter und Geschäftsführer des Mannheimer Instituts für Integration und interreligiösen Dialog e.V.


Was bedeutet Freiheit für Sie persönlich?

Ich unterscheide zwischen innerer Freiheit und äußerer Freiheit.

Um innere, das heißt seelische Freiheit zu erlangen, muss man sich von körperlichen wie auch geistlichen Einengungen wie Emotionen, Gefühlen und Gedanken befreien. Die seelische Freiheit ist die eigentliche, wahre Freiheit, wonach alle Menschen bewusst oder unbewusst streben. Das ist auch die Befreiung vom Ego, unserer niederen Natur. Die äußere Freiheit ist die Freiheit im Alltag. Besonders wichtig sind Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit wie auch Reisefreiheit. Ich verstehe auch unter Freiheit die Freiheit der Völker und Länder.


Wann haben Sie sich zuletzt unfrei gefühlt?

Manchmal bei politischen Fragen, bei denen es unterschiedliche Erwartungen und Meinungen gibt. Alle Seiten erwarten eine Antwort, die ihrer Vorstellung entspricht. Wenn man das weiß, dann steht man unter dem Druck der beiden Seiten. Dann fühle ich mich unfrei.


Wo hört für Sie die Freiheit auf?

Wenn man durch Handlungen die Gefühle der anderen Menschen berührt und benachteiligt, hört die Freiheit auf. Wir sollten bei allem immer Rücksicht für die Anderen haben. Es gibt immer unterschiedliche Auffassungen und Wahrnehmungen, die zu achten sind.


Wer oder was bedroht Ihre Freiheit?

Meine Freiheit wird von fanatischen, einseitigen und strengen Glaubens- oder Gedankenrichtungen bedroht. Die Gedankenrichtung, die die absolute Wahrheit beansprucht, bedroht meine Freiheit.


Sind Sie so frei, wie Sie gern sein möchten?

Nein, ich fühle mich nicht so frei, wie ich es mir wünsche. Ich brauche die innere Freiheit, wonach viele Kulturen seit Jahrtausenden suchen. Das ist ein Prozess, der die Selbstreflektion, Arbeit an sich selbst und Kampf gegen das eigene Ego umfasst. Diese Freiheit gelingt nicht, wenn man den Anderen bekämpft, sondern indem man gegen sein eigenes Ego einen Kampf führt.