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Das Haymatministerium

»Die Baseballschlägerjahre« – Remembering Mannheim-Schönau 1992 – Entwicklungen und aktuelle Debatten zur antirassistischen Erinnerungsarbeit

Die sogenannten Baseballschlägerjahre der Nachwendezeit gingen mit rassistischer Gewalt und Morden in die bundesdeutsche Geschichte ein: Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen. Auch in Mannheim-Schönau finden im Frühjahr 1992 über Wochen hinweg rassistische Ausschreitungen und antirassistische Gegendemonstrationen statt. Bis heute ist dieses Kapitel der Stadtgeschichte kaum aufgearbeitet. 

 

In den nachfolgenden Jahrzehnten wird die Kontinuität rechten Terrors sichtbar: Vor zehn Jahren wurde die Verantwortung des NSU-Komplexes für zehn Morde und noch mehr Anschläge in Deutschland öffentlich bekannt, 2019 starben in Kassel und Halle drei Menschen durch die Gewalt rechter Terroristen, 2020 ermordete ein Mann in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven.

 

Davon ausgehend widmet sich unsere Veranstaltung den Kämpfen um Gerechtigkeit und antirassistischer Erinnerungsarbeit der vergangenen drei Jahrzehnte. Was waren community-übergreifende und migrantische Wege des Widerstands damals und welche Kontinuität gibt es bis heute? Was ist ein kollektives Gedächtnis, das nicht auf gelernter sondern gelebter Geschichte basiert? Welche gesellschaftlichen Forderungen für ein zeitgenössisches Verständnis von Gedenkkultur und Erinnerungsarbeit gewinnen an zentraler Bedeutung? Welche Verantwortung tragen Kunst- und Kulturinstitutionen darin?

 

Über diese und weitere Fragen wollen wir mit unseren Gästen und Ihnen diskutieren.

 

Mit:

Dr. Onur Suzan Nobrega, Ko-Kuratorin der Veranstaltung, wuchs in Mannheim auf. Sie promovierte in Medien- und Kulturwissenschaften an der renommierten britischen Kunsthochschule Goldsmiths College und arbeitet am Institut für Soziologie, Bereich Kultur und Migration an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuletzt erschien von ihr gemeinsam mit Matthias Quent und Jonas Zipf der Sammelband Rassismus.Macht.Vergessen. Von München über den NSU bis Hanau: Symbolische und materielle Kämpfe entlang rechten Terrors. Sie ist von Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft DeKolonial e.V..

 

Nuran David Calis, 1976 als Sohn armenisch-jüdischer Einwanderer aus der Türkei in Bielefeld geboren, arbeitet als Autor, Theater- und Filmregisseur. Zuletzt inszenierte er am Schauspiel Köln das Stück Die Lücke 2.0 zum 17. Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Keupstraße sowie Mölln 92/22 anlässlich des 30. Jahrestags des rassistischen Brandanschlags in Mölln.

 

Chana Dischereit studierte an den Universitäten in Heidelberg und FU Berlin. Sie engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus, insbesondere im Zusammenhang mit der Mordserie des NSU. Seit 2012 war sie unabhängige Beobachterin des ersten und zweiten NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin, in Thüringen und im Münchner NSU Prozess. Sie ist Mitorganisatorin des Tribunals NSU-Komplex auflösen 2017 in Köln, 2018 in Mannheim und vom 3.-5.6.2022 in Nürnberg.

 

Hüseyin Ertunç, Gründungsmitglied von Die Unmündigen e.V., einer Mannheimer Selbstorganisation von Angehörigen der zweiten und dritten Generation von Arbeitsmigrant*innen aus Süd(west/ost)europa.

 

Toni Landomini, gebürtiger Heidelberger alias Toni-L, ist Hip-Hop-Künstler und Pionier der ersten Stunde. Seit dem Song Fremd im eigenen Land (Advanced Chemistry, 1992) repräsentiert er eine der wichtigsten Stimmen gegen Rassismus im Deutsch-Rap.

 

Moderation: Dr. Onur Suzan Nobrega und Sophie Kara-Ebner (Referentin für Diversität am NTM)

 

 

Gefördert im Programm 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes

 

Wir möchten auf zwei weitere Veranstaltungen zum Thema Mannheim Schönau 92 hinweisen:

 

Am Donnerstag, 26. Mai 22. bereits um 15.00 Uhr, veranstaltet der KulturbrückenJungbusch e.V. den Spaziergang Mannheim Schönau - Asyl und Pogrom im Stadtteil Schönau.

Treffpunkt: Lidl-Parkplatz, Lilienthalstr. 301-309.

 

Der Spaziergang wird noch einmal wiederholt, am 28. Mai 22, um 19.00 Uhr.

 

Alle Informationen dazu hier: https://fb.me/e/2CGWUMqMQ und hier https://fb.me/e/3ecdJP6cj

 

 

Am 11. Juni 22 von 14.00 bis 21.00 Uhr findet im Naturfreundehaus Mannheim ein ganzer Tag unter der Überschrift Schönau '92 - Nicht vergessen statt. Mit Workshops und einer Zeitzeug*innen-Diskussionsrunde sollen die Ereignisse von 92 gemeinsam aufgearbeitet und Raum für Austausch zu dem Themenkomplex Rassismus geschaffen werden.

 

Veranstaltende sind:

DIDF Mannheim
Bermuda Funk
Offenes Antifaschistisches Treffen Mannheim
Infoladen JUZ
Stadtjugendring Mannheim e.V.
Mannheim gegen Rechts
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg
...und weitere Einzelpersonen

 

Alle Informationen dazu hier: www.schoenau92-nichtvergessen.de