Das Haymatministerium: Zwei Jahre und ein paar Tage – Erinnerung an die Attentate von Hanau und Halle

Am 19. Februar 2020 wurden in der hessischen Großstadt Hanau neun Personen durch einen rechtsterroristischen, rassistischen und antiziganistischen Anschlag ermordet und sechs weitere Menschen verletzt. Abgespielt hat sich das Attentat mitten in der Stadt, in und vor einer Shisha-Bar, in einem Kiosk, sowie in einer weiteren Bar. Der rassistische Anschlag richtete sich dezidiert gegen Menschen mit Migrationsbiografie und steht in einer langen Kette rechtsradikal motivierter Gewalttaten in Deutschland, die nach dem Wendejahr 1990 unter anderem in Halle, Kassel, München, Mölln, Solingen und Rostock-Lichtenhagen verübt wurden.

 

Seit dem Anschlag vom 19. Februar 2020 ist in Deutschland Rassismus als strukturelles Problem vermehrt in den öffentlichen Fokus gerückt. Dennoch sind bis heute viele Umstände des Anschlags von Hanau und der nachfolgenden Ermittlungen ungeklärt. Hinterbliebene, Betroffene und Aktivist*innen fordern auch zwei Jahre später eine lückenlose Aufklärung, politische Konsequenzen und die fortdauernde Erinnerung an die rassistische Tat und ihre Opfer durch die Zivilgesellschaft.

 

Diesem Anliegen folgend erinnern wie bereits im vergangenen Jahr das Nationaltheater Mannheim und die Muslimische Akademie Heidelberg i. G. gemeinsam mit der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, dem Kompetenznetz Plurales Heidelberg, dem Kulturhaus Karlstorbahnhof, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma sowie dem Bündnis Erinnern.Verändern. mit zwei Veranstaltungen unter dem gemeinsamen Übertitel »Zwei Jahre und ein paar Tage« an den Hanau-Anschlag vom 19. Februar 2020.

 

Teil 1: Nach Halle, nach Hanau: Verbünden!

Der 19. Februar 2020 markiert für viele Menschen in Deutschland einen neuen Höhepunkt in der bundesdeutschen Geschichte rassistischer Gewalt.

Keine viereinhalb Monate zuvor hatte ein rechtsextremer Täter versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, um die dort zu Jom Kippur– versammelten Gläubigen zu ermorden. Während ihm dieser versuchte Massenmord nicht gelang, erschoss er eine Passantin und einen Gast eines Döner-Imbisses auf offener Straße.

Beide Täter, in Halle und in Hanau, waren von rechtsextremen Ideologien überzeugt, in denen sich verschwörungstheoretisches, antisemitisches und rassistisches Gedankengut vermengten. Sie schrieben ihren Opfern pauschal ein »Anderssein« zu.

Im Zuge der Corona-Pandemie haben Verschwörungstheorien, die antisemitisch und  rassistisch geprägt sind, weiteren Zulauf erhalten. Und anlässlich der erneuten und gewaltvollen Zuspitzung des israelisch-palästinensischen Konflikts wurden im vergangenen Sommer hierzulande einige Stimmen laut, die Antisemitismus pauschal muslimisch und migrantisch geprägten Gruppen zuschrieben.

Vor diesem Hintergrund benötigt der gesellschaftliche Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus mehr denn je unsere ungeteilte Aufmerksamkeit sowie neue und starke Bündnisse. Wie kann ein solches Verbünden aussehen? Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede zwischen Antisemitismus und Rassismus sollten dabei berücksichtigt werden? Wie kämpfen, wie erinnern wir gemeinsam, ohne notwendige Differenzierungen auszublenden?

 

Darüber diskutieren

Saba-Nur Cheema & Meron Mendel unter Moderation von Max Czollek

 

Saba-Nur Cheema, 1987 in Frankfurt geboren, ist Politologin, Antirassismus-Trainerin und Beraterin des Bundesinnenministeriums zum Thema Muslimfeindlichkeit.

Prof. Dr. Meron Mendel, geb. 1976 in Israel, ist Professor für transnationale Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank.

Saba-Nur Cheema und Meron Mendel schreiben gemeinsam die Kolumne »Muslimisch-Jüdisches Abendbrot« in der FAZ und haben 2019 mit Eva Berendsen den Sammelband »Trigger Warnung: Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen« herausgegeben.

Dr. Max Czollek, 1987 in Berlin geboren und lebt ebenda. Er studierte Politikwissenschaften an der FU Berlin und schloss eine Promotion am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin ab. Max Czollek ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart sowie künstlerisch-akademischer Kurator der CPPD für eine plurale Erinnerungskultur (https://dialogperspektiven.de/cppd/).

 

 

Teil 2 der Veranstaltung fandstatt am Di, 22.02.2022 und wurde von unserem Kooperationspartner Muslimische Akademie Heidelberg i.G. in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Jüdische Studien, dem Kompetenznetzwerk Plurales Heidelberg, dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und dem Karlstorbahnhof ausgerichtet.

 

Unter dem Titel Zwei Jahre und ein paar Tage – Nach Halle, nach Hanau: Erinnern, aber Weitermachen! stehen an diesem Abend die Fragen im Raum, welche Konsequenzen wir aus diesen Angriffen ziehen, welche Verantwortung wir im Kampf gegen Menschenfeindlichkeit tragen und wie wir unser Gedenken an die Opfer mit Widerstand gegen Hassgewalt verbinden.

 

Darüber sprechen im Karlstorbahnhof Heidelberg die Bildungsinitiative Ferhat Unvar, Zehra Tuzkaya (Aktivistin des Heidelberger Bündnisses Erinnern.Verändern), Yalçın Tekinoğlu (Heidelberger Rechtsanwalt des deutschen, europäischen und internationalen Rechts sowie Strafverteidiger für Opfer von Diskriminierung und Hassgewalt), Esther Dischereit, (Autorin, u. a. des Buchs Hab keine Angst, erzähl alles! Das Attentat von Halle und die Stimmen der Überlebenden), Dr. Harpreet Cholia (Forscherin, Beraterin sowie Autorin des Buchs Unentbehrlich. Solidarität mit Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) unter Moderation von Ülkü Süngün (bildende Künstlerin am Institut für Künstlerische Migrationsforschung). Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von ENGIN. Alle Infos zur Anmeldung finden Sie unter http://www.teilseiend.de/