Schauspielhaus

Der Alpenkönig und der Menschenfeind

Ferdinand Raimund Premiere: Sa, 27. Januar 2018
Romantisch-komisches Original-Zauberspiel

Der vermögende Gutsbesitzer Rappelkopf wittert überall Gefahr und macht seiner Umgebung das Leben zur Hölle. Von seiner Frau fühlt er sich betrogen, von der Tochter hintergangen, dem Personal traut er sogar ein Mordkomplott zu. Er zieht sich in eine einsame Hütte in den Bergen zurück. Der magische Alpenkönig Astragalus beschließt, dem rappelköpfischen Menschenfeind einen Spiegel vorzuhalten. Er verwandelt ihn in seinen Schwager Silberstein und schickt ihn nach Hause zurück; Astragalus selbst nimmt die Gestalt Rappelkopfs an. In seinem Doppelgänger erkennt dieser schließlich die eigene Verblendung.
Ferdinand Raimund gilt neben Johann Nestroy als wichtigster Repräsentant des Wiener Volkstheaters. Sein 1828 uraufgeführtes musikalisches Zauberspiel entwirft das zeitlose Portrait eines schwierigen Charakters in seiner ganzen Zerrissenheit. Selten hat abgrundtiefe Verzweiflung so komödiantische Funken geschlagen. »Sentimentalität und Brutalität des Menschen« seien in diesem Werk untrennbar miteinander verbunden, urteilte Robert Musil. Und so nimmt Raimund im tiefsten Biedermeier die Selbstzweifel des modernen Menschen vorweg.


Susanne Lietzow, als Regisseurin u.a. in Wien, Linz und Dresden tätig, setzt nach Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben und Shakespeares Wie es euch gefällt nun einen Klassiker der Wiener Volkskomödie in Szene.

 

Dauer: 1 Stunde und 45 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

»Die Inszenierung (Bühne: Aurel Lenfert; Kostüme: Marie-Luise Lichtenthal) besticht durch die forsche, ja freche Wahl der Mittel, mit denen die Essenz freigelegt wird. Der komödiantische Pep wird eingebettet ins moralische Rüstzeug, während die darstellerische Deftigkeit, auch gewollte Überzeichnung bis hin zur Groteske mit einer anrührenden Familiensaga korrespondiert.« (Mannheimer Morgen, 29.01.2018)

 

»Boris Koneczny spielt [den Menschenfeind] voll aus als kleinkarierten Stinkstiefel und Berserker, als Frauenhasser und Menschenverächter. […] Nur für sein Töchterlein Malchen, von Carmen Witt als naiv-rührendes Mädchen gespielt, bringt er noch Zuneigung auf. Doch auch ihr unterstellt er Verrat, liebt sie doch den jungen Kunstmaler August, dem Julius Forster wunderschön klischeehafte Züge verleiht. Überhaupt verdient das Ensemble alle Beachtung. Klaus Rodewald macht aus dem Alpenkönig einen grimmig herrschsüchtigen Kerl, der das Gute will, doch dafür auch vor drastischen Mitteln nicht zurückschreckt. Als Adjutanten hat er Alpengeist Alpanor zur Seite, David Müller verhilft ihm zu turnerisch-skurriler Qualität. Mitgefühl erregt Anke Schubert als Ehefrau Sophie in ihrem familiären Spagat: mütterlich, tüttelig, besorgt und schließlich sogar auf emanzipatorischem Trip, prima. Nett und unterschwellig selbstbewusst Almut Henkels Zeichnung des Kammermädchens Lischen, resignativ hingegen der Bediente Habakuk von Stefan Reck, der sich an seinem Mantra „Ich war zwei Jahre in Paris, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“ festhält. (Mannheimer Morgen, 29.01.2018)

 

»Konecznys Rappelkopf ist ein melancholischer Verwandter eines Louis de Funès, der den Slapstick mit tiefem Weltschmerz grundiert.« (Rheinpfalz, 29.01.2018)

 

»Gilbert Handler hat die imaginative Bühnenmusik verfasst, Thomas Mattern (E-Geige) und Tobias Nessel (Schlagzeug) spielen sie. Video (Petra Zöpnek) und Licht (Damian Chmielarz) wirken passgenau.« (Mannheimer Morgen, 29.01.2018)

 

»Vom tollen Ensemble war das alles bis ins kleinste skurril-komische Detail großartig gespielt, und zwischendurch wurden noch herrliche Songs mit wienerisch bösen Texten von Raimund und H.C. Artmann geträllert.« (Rheinpfalz, 29.01.2018)