Opernhaus

Turandot

Giacomo Puccini Premiere: Sa, 08. Mai 2010
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Niemals will die Prinzessin Turandot einem Mann gehören. Allen Bewerbern gibt sie deshalb Rätsel auf. Wer die Antwort nicht findet, verfällt dem Henker. Als es dem Prinzen Calaf gelingt, ihre Rätsel zu lösen, ist Turandot bestürzt. Sie müsste ihr Versprechen nun einlösen und Calaf heiraten. Unerwartet macht ihr dieser ein Angebot: Er will den Freitod wählen, wenn Turandot bis Sonnenaufgang seinen Namen herausfindet.

Die Geschichte der Turandot entstammt einer Erzählung aus Häzâr-jak Rûz (Tausend und ein Tag), der persischen Entsprechung zu den arabischen Märchen aus Tausendundeine Nacht. Carlo Gozzi schrieb eine Dramatisierung, die schon Schiller und später auch Brecht zu eigenen Bühnenfassungen inspirierte, und die Puccini in einer Inszenierung Max Reinhardts erlebte.

Turandot blieb Puccinis letzte Oper. Der exotische Märchenstoff inspirierte ihn zu einer Partitur mit einem ungewöhnlichen Reichtum an Klangfarben. Puccini starb zu einem Zeitpunkt, an dem er über ungelösten dramaturgischen Problemen mit der Komposition ins Stocken geraten war.

 

Dauer: ca. 2 Stunden und 40 Minuten, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Zwölf Minuten applaudiert das Auditorium bisweilen rhythmisch für Puccinis Thriller um jene chinesische Prinzessin, deren sinnliches Auftauen doch so schwierig war und so lange dauerte. Hoch emotionalisiert verlassen wir danach den Theatersaal, hingerissen von der Musik, die beim Nationaltheater-Chor und -Orchester unter GMD Dan Ettinger hochdynamisch und dezibelreich glüht, glänzt, faucht, schwillt und beißt, und betört von Sängerleistungen, die besonders im Falle von Cornelia Ptasseks Liù und Michail Agafonovs Calaf keinerlei Wünsche offenlassen. […] Fast scheint es, Gerbers Team habe Nietzsches These, nach der fast alles, was wir höhere Kultur nennen, auf einer Vergeistigung und Vertiefung der Grausamkeit beruht, mit dem Adjektiv ästhetisierend angereichert. In Meurers eiskalter, schöner neuer Welt aus Metallgerüst und abfallendem Podest, auf dem die Menschen in geschmackvollen Kostümen (Dorothee Scheiffarth) herumlaufen, scheint zunächst alles perfekt. Doch im Reich der Mitte wird die Macht verdreht dargestellt. Das Volk ist prächtig gewandet, Turandot erscheint unprätentiös als einfache Person in gebrochenem Weiß, und der Kaiser von China (fast satirisch karikierend: Mario Brell) wirkt im blauen Pyjama und mit Strohhut und Sonnenbrille gar wie eine Mixtur aus Mao Tse-Tung, Vincent van Gogh und Jack-Nicholson-Bösewicht. (Mannheimer Morgen, 10. Mai 2010)

 

In Sachen Lautstärke ist Ettinger denn auch drei Akte lang kompromisslos. Die emotionale Kraft dieser Musik, ihre überwältigende Intensität geben ihm recht. Und die Gänsehautschauer, die es einem immer wieder den Rücken hochjagt. Zumal er auch die gleichsam hässliche Fratze nicht scheut, die grellen, expressionistisch-veristischen Momente wunderbar herausmodelliert und ausstellt. […] Überzeugende Leistungen auch von Frank van Hove (Timur), Cornelia Ptassek (Liu) und den auch darstellerisch bestens aufgelegten Lars Möller, Charles Reid und David Lee als Ping, Pang und Pong. (Die Rheinpfalz, 10. Mai 2010)

 

Generalintendantin Regula Gerber hat in ihrer neuen Regiearbeit nicht den exotischen Palast des chinesischen Kaisers, nicht das folkloristische Opernspektakel im Blick, sondern die brutale Machtausübung einer Herrscherin, der die Liebe unbekannt ist. […] GMD Dan Ettinger setzt von Anfang an auf krasse Klangwirkungen. Der Chor (Einstudierung: Tilman Michael) ist dabei wesentlicher Faktor. Ettinger hat alle Fäden sicher im Griff. Häufig von den Bläsern dominiert, lässt er Puccini rau und aufgekratzt klingen. […] Dabei stehen ihm ausgezeichnete Sänger zur Verfügung: Caroline Whisnants Turandot setzt sich bravourös und ohne Schärfen gegen das Orchester durch, Michail Agafonovs Calaf weiß mit Tenorschmelz zu überzeugen. Auch Cornelia Ptasseks Liù singt tadellos und rührt (in der Sterbeszene) wirklich an. Auch die kleineren Rollen sind bestens besetzt, das Terzett der Minister (Lars Møller, Charles Reid und David Lee) zu Beginn des zweiten und das große Duett von Turandot und Calaf im dritten Akt sind große Momente dieser Produktion.
(Rhein-Neckar-Zeitung, 10. Mai 2010)

 

Regula Gerber gelingt erneut der große Wurf: Ihre Mannheimer Turandot-Inszenierung auf höchstem intellektuellen und ästhetischen Niveau, konzeptionell stringent, theologisch durchreflektiert und tiefenpsychologisch stimmig. […] Faszinierend, zutiefst beeindruckend, was der Chor (Leitung Tillmann Michael) an diesem Abend leistet, sowohl stimmlich, an der Grenze zur Theophanie, fast unerträglich schön im Schlussakt, zumindest für alle, die in einem gewissen Abstand sitzen, verteilt auf Balkon und Rang, als auch in der Umsetzung Gerberscher Choreographie und Körpersprache. […] Einmal mehr erweist sich die Generalintendantin als etheologisch versiert, in Sandra Meurer findet sie die kongeniale Bühnengestalterin. […] Dan Ettinger sieht mit gestylter Tolle aus wie ein Popstar und dirigiert wie ein vollendeter Meister. So muss Puccini gespielt werden! Einsatzgenau, mit Emphase. Die Protagonisten: Caroline Whisnant, mit Stimme und Spiel in der Titelrolle die Verletzbarkeit schlechthin. Dramatisch (wie immer mit dem ihr eigentümlichen Tremolieren) mächtig, in lyrischen Passagen wunderbar einfühlsam. […] Ein großer Abend auch für die weiteren Sängerinnen und Sänger: Cornelia Ptassek mit ihrem in Bann schlagenden Sopran bietet eine eindringlich schön singende und darstellende Liù, Michail Agafonov begeistert nicht nur in der Meisterarie des Calaf und weist einen Paul Potts in die sängerischen Schranken. […] Frank van Hove, dessen Bass wohl die eigentümlichste, schönste und unverwechselbare Färbung unter allen deutschen Fachkollegen hat, empfiehlt sich in der Rolle des Timur einmal mehr für Aufgaben in Bayreuth. Lars Møller, Charles Reid und David Lee beeindrucken als Solisten wie als Trio scurrile in den Rollen Ping, Pong und Pang. Jaco Venter überzeugt als Mandarin. (Opernnetz.de, 25. Mai 2010)