Opernhaus

Carmen

Georges Bizet Premiere: Sa, 05. Dezember 2009
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der spanische Soldat José verfällt der Fabrikarbeiterin Carmen. Er gibt für sie sein bürgerliches Leben und seine Selbstachtung auf und gerät in einen immer tieferen Strudel der Abhängigkeit. Als sie ihn verlässt, bleibt ihm nichts mehr. In rasender Verzweiflung ersticht er sie.

Bizets Carmenfigur eröffnet die Liste erotischer Frauengestalten, an denen seit dieser Zeit männliche Opernhelden verglühen. Viel weniger als Carmens spätere Geschwister Salome und Lulu ist sie selbst dabei aber bloßes Geschöpf aus dem Reich männlicher Fantasien. Bizets Oper ist eine ausgefeilte soziale Milieustudie mit Figuren von hoher psychologischer Glaubwürdigkeit. Carmens offensiver Umgang mit der Anziehung, die sie auf Männer ausübt, ist ihre Waffe im Kampf um das bisschen Lebensglück, das sie dem Leben am unteren Rand der Gesellschaft für sich abzutrotzen versucht.

Das Publikum der Pariser Uraufführung zeigte sich düpiert von Bizets realistischem Porträt einer sozialen Schicht, in der roher Lebenshunger herrscht, das Gesetz der Straße regiert, Konflikte und Enttäuschungen nicht anders als durch Gewalt ausgetragen werden.
Ein erster geringer Erfolg war seiner Carmen wenige Monate später in Wien beschieden, Bizet freilich erlebte ihn nicht mehr: An einem Herzanfall war er nach den Querelen um diese Oper gestorben.

 

Mit freundlicher Unterstützung der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e.V.

 

Dauer: 3 Stunden und 20 Minuten, inkl. einer Pause (25 Minuten) nach 1 Stunde und 45 Minuten

 

 

»Ettinger hat wirklich alles im Griff, die Abläufe zwischen Sängern und Orchester genauso wie die gezielten Subtilitäten in Tempo oder Dynamik. Dass er sich absolut auf alle verlassen kann, zeugt von guter Probenarbeit. Hier weiß absolut jeder, was er tut – und das ist nicht der Normalfall am Theater.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 07.12.2009)


»Klar ist […], dass Carmen hier keine Sexbombe sein soll. Das ist auch gut so. Die Sängerin der Titelrolle, Edna Prochnik, agiert und singt denn auch alles andere als aufdringlich, manchmal fast schon verhalten. Es geling ihr dabei aber gut, einen leichten, fast schon ein wenig chansonhaften Ton mit innerlich bewegten Aufschwüngen zu verbinden: eine ernste und glaubhafte Deutung. Jeffry Francis gibt den Don José mit Leidenschaft und gleichwohl mit überlegtem Einsatz der stimmlichen Kräfte. Die Blumenarie singt er weich und dezent in der Dynamik. Marina Ivanova überzeugt als Micaela durch zarten, lyrischen Vortrag.« (Die Rheinpfalz, 07.12.2009)


»Sie [Marina Ivanova als Micaela] schwebt über die Bretter und singt betörend. Vielleicht deswegen sehnt sich der Don José von Jeffrey Francis nach ihr. Das Duett ›Parle moi de ma mêre‹ im nach oben gehievten weißen Raum mit Kruzifix strahlt sehr viel Wärme aus, Francis selbst überzeugt vor allem im Forte, wo er klar und edelmetallisch klingt. Jaco Venter beeindruckt mit einem fulminant mächtigen und klar artikulierten Escamillo wie auch Radu Cojocariu (Zuniga), Nikola Diskić (Moralés) und Benjamin Dami (Lillas Pastia). Über allem: ein plastischer, transparenter (Kinder-)Chor- und Orchestersound, der strömt, glüht, brennt. Mannheim hat in Ettinger einen Pultstar gefunden.« (Mannheimer Morgen, 07.12.2009)