Opernhaus

Tannhäuser

Richard Wagner Premiere: So, 16. Juni 1996
Romantische Oper in drei Aufzügen
  • Musikalische Leitung: Alexander Soddy
  • Inszenierung: Chris Alexander
  • Bühne: Maren Christensen
  • Kostüme:
  • Licht: Eduard Roth
  • Chor: Dani Juris

Vier Edeldamen: Sibylle Vogel/Henrika Westenberger, Regina Kruszynski/Monika Fuhrmann, Angelika Krieger-Faß/Brigitte Rackowitz, Jonka Hristova/Gerda Maria Knauer

Double Tannhäuser: N. N.

Double Venus: N. N.

Noch kurz vor seinem Tode gestand Richard Wagner seiner Frau Cosima, er sei „der Welt noch einen Tannhäuser schuldig". Dabei war das Publikum ganz anderer Meinung: nach einer provisorischen, weil unfertigen Uraufführung in Dresden, die noch sehr zwiespältig aufgenommen wurde, erlebte die Oper ihren Durchbruch bei der Weimarer Erstaufführung 1849 unter Franz Liszt. Alle großen Theater interessierten sich nun für das Werk: München, Berlin, Wien machten den Tannhäuser so populär, daß sich Johann Nestroy berufen fühlte, eine Parodie mit dem Titel Tannhäuser und die Keilerei auf der Wartburg zu schreiben.

Bei allem Erfolg: Wagner blieb skeptisch. Als die Pariser Grand’ Opéra ihre Tannhäuser-Inszenierung anmeldete, erweiterte Wagner die Venusberg-Szene zu Beginn zu einem großen Bacchanal für das Ballett. Die Pariser Premiere schrieb als größter Theaterskandal des 19. Jahrhunderts Operngeschichte. Nach drei chaotischen Vorstellungen zog Wagner die Partitur zurück, was einen umso größeren Kult um seine Person und das Werk hervorrief, angeführt von Frankreichs führendem fin de siècle-Dichter Charles Baudelaire.

Der Mannheimer Inszenierung von Chris Alexander liegt jene Pariser Fassung zugrunde. Der Venusberg als üppige, sinnenfrohe und erotische Szene zu Beginn der Oper steht in krassem Gegensatz zum steifen Zeremoniell der Wartburg-Gesellschaft beim Sängerkrieg. Vielleicht löst der Regisseur damit auch ein Teil der Schuld ein, die Wagner glaubte, noch am Tannhäuser zu haben. Dennoch bleibt aus rein bürgerlicher Sicht der Schluß der Oper immer noch ein Happy End, eine Hingabe zur reinen Elisabeth, eine Absage an die exzessive Liebe der Venus.

In Chris Alexanders Regie sind die beiden weiblichen Antipoden Venus und Elisabeth als zwei Lesarten derselben Frau denkbar. Tannhäuser widersteht der letzten Versuchung der Venus, die ihn in Gestalt der Madonna lockt, vor der kurz zuvor Elisabeth ihr Lebenslicht aushauchte.  

Festlicher Opernabend am 3. Mai 2009