Opernhaus

Ernani

Giuseppe Verdi Premiere: Sa, 24. Februar 2018
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Mit dem Opernchor

Das Operngenie Giuseppe Verdi setzte von Beginn seiner Karriere an eigene Akzente. An seinem 1844 in Venedig uraufgeführten Frühwerk Ernani lässt sich das gut beobachten. Die Vorlage stammt von einem »jungen Wilden« der französischen Literatur: In Victor Hugos skandalumwittertem Hernani findet eine junge Generation zu einer eigenen Sprache – das Extreme, Überzeichnete interessiert sie mehr als die Helden der traditionellen Tragödie.

Und dieser Ernani ist in der Tat eine extreme Figur: Um den ermordeten Vater zu rächen, setzt er das eigene Leben aufs Spiel und findet, gefangen in abstrusen und unmenschlichen Vorstellungen von Ehre und Moral, auch in der Liebe zur schönen Elvira keine Ruhe. Wie üblich sollte der männliche Titelheld 1844 von einer Sopranistin dargestellt werden. Verdi setzte jedoch durch, dass sein Ernani von einem Tenor gesungen wurde – im Sinne der dramatischen Wahrhaftigkeit und szenischen Glaubwürdigkeit.

Natürlich verbindet Verdi diese Glaubwürdigkeit mit den schönsten Melodien: Ernani strotzt nur so von Ohrwürmern. Die Hauptrolle wird der georgische Tenor Irakli Kakhidze singen, der ab der Spielzeit 2017/2018 festes Mitglied des Mannheimer Solistenensembles wird. Regie führt Yona Kim, die mit ihrer Deutung der Genoveva von Robert Schumann in der Spielzeit 2016/2017 bewiesen hat, wie tief sie in die Psyche ihrer Figuren vordringen kann.

 

Dauer: 2 Stunden und 45 Minuten

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Mit freundlicher Unterstützung von Deloitte

Das diese Premiere Spaß macht, liegt vor allem an den Sängern. Irakli Kakhidze triumphiert als Ernani geradezu. Die durchaus schwierige (und mitunter auch hohe) Partie gelingt ihm strahlend hell und heldisch, ohne dass ihm der Sinn für süßliche Koloraturen verloren ginge. Sein frisches „Come rugiada al cespite“ euphorisiert, sein „Attendimi“ rührt. Seine Nebenbuhler stehen in nichts nach: Sung Ha singt natürlich einen übermächtig obertonreich leuchtenden Granden Silva. Und Evez Abdullas Bariton verleiht Don Carlo eben genau jene Farbe zwischen kompakter Strenge und dann doch beseelter Milde, die diese scheinbar sinneswandelnde Figur braucht. Miriam Clark schließlich, um die sich hier alles dreht, überzeugt einmal mehr mit ihrer Fähigkeit, Emphase mit Leichtigkeit zu verbinden. (Mannheimer Morgen, 26.2.2018)

 

Die Art und Weise, wie Verdi den in Mannheim wie gewohnt großartig agierenden Chor (Einstudierung: Dani Juris) einsetzt, verrät dann schon den Meister des italienischen Musikdramas. Und Benjamin Reiners am Pult des Nationaltheater-Orchesters findet genau die richtige Mischung zwischen melodienseligem Schöngesang und bisweilen feuriger, energiegeladener Italianitá, wie sie so typisch ist für Verdi. Das ist Musizieren unter Hochspannung, immer jedoch federnd leicht, spritzig und reaktionsschnell. (Die Rheinpfalz, 26.2.2018)

 

»Obwohl sie mit großen Menschengruppen arbeitet, vernachlässigt Yona Kim die Personen im Einzelnen kaum: Irakli Kakhidze macht als kerniger und vor allem standfester Verdi-Tenor und feuriger Liebhaber in spe gute Figur, man sieht hier einmal eine konventionelle, aber doch lebhafte Figurenführung und einen Tenor, der sich sichtlich wohl fühlt. Evez Abdulla als sein Antagonist Carlo tritt mit profundem Bariton an, ist optisch ein Spiegelbild des Rivalen und unterscheidet sich von ihm vornehmlich durch etwas mehr Noblesse. Miriam Clarks Elvira hadert dazwischen mit einem angenehmen, auch in den verschärften Höhen noch ziemlich weichen, allemal souveränen Sopran. Dass sie von Gesellschaft und Libretto zum ausschließlich passiven Widerstand verdammt ist, macht sie durch Expressivität wett. Silva schließlich bekommt von Sung Ha genau die richtige Statur, was sonore Stimme und ruhige Ausstrahlung betrifft.« (Frankfurter Rundschau, 28.2.2018)

 

Musikalisch bemerkenswert war die Einstudierung und Leitung von Benjamin Reiners. Reiners schlanker Verdi-Sound und Miriam Clarks Elvira werden auf der musikalischen Seite gut in Erinnerung bleiben. (Rhein-Neckar-Zeitung, 26.2.2018)

 

»Das eigentliche Highlight an diesem Abend ist die Musik, im Besonderen das Orchester unter dem stellvertretenden Generalmusikdirektor Benjamin Reiners. Die Musizierenden untermalen das Bühnengeschehen mit einer vollendet ausgeführten Palette von Stimmungen und Nuancen, vom düster brummenden Vorspiel, über die amourös-schwermütigen Liebesgesänge des ersten Aktes bis zu den teils schon fast kammermusikalisch instrumentierten Passagen des beginnenden dritten Aktes. Reiners Interpretation glänzt besonders in diesen kleinen, feinen Momenten – ohne jedoch an irgendeiner Stelle das Gespür für den unglaublichen Schwung dieser Oper zu verlieren. Als besonders kongeniales Paar erweisen sich die dramatisch und zugleich nuancenreich singende Miriam Clark als Elvira im Gespann mit Sung Ha, der den unerbittlichen Hass des Edelmanns mit hartem, voluminösen und zugleich tief emotionalem Bass verkörpert.« (Ruprecht, Heidelberger Studierenden Zeitung, 28.2.2018)

 

Es ist nicht erstaunlich, dass die Musik sehr gefangen nimmt, und Regisseurin Yona Kim tat gut daran, szenischen Pomp, der sie überdeckt, zu vermeiden. Im schlichten, schwarzen Bühnenbild von Heike Scheele schält sie die Gefühle der Protagonisten heraus und konzentriert sich ganz auf das Innenleben der vier Hauptfiguren. (Rhein-Neckar-Zeitung, 26.2.2018)

 

Der Verdi-Sound ist da, er lebt leicht, wuselt geschwind und injiziert uns jenes Serum unter die Haut, das unweigerlich zur Sucht führt. (Mannheimer Morgen, 26.2.2018)

 

Was den Abend dann aber musikalisch vollends zum Erlebnis macht, sind die sängerischen Leistungen, ist eine Gesangskultur auf sehr hohem Niveau. Das gilt für den mit kernigem Schmelz singenden Irakli Kakhidze in der Titelpartie ebenso wie für die wunderbare Miriam Clark als Elvira und Evez Abdulla als Carlo und Sung Ha als Silva. Eine fantastische Ensembleleistung in einem Stück. (Die Rheinpfalz, 26.2.2018)

 

»Wenn die Produktion ihre Meriten hat, so liegen die eindeutig im Musikalischen, beim stets präsenten Chor und vor allem beim Ersten Kapellmeister Benjamin Reiners, dessen flüssiges, auf Hochspannung fokussiertes Dirigat den Abend zuverlässig zusammenhielt.« (Allgemeine Zeitung Rhein Main Presse, 5.3.2018)

 

»Allen Absurditäten zum Trotz ist und bleibt der absolute Superstar Giuseppe Verdi und ihm wurde Benjamin Reiners am Pult des prächtig disponierten NTM-Orchesters höchst präsent und adäquat gerecht und zauberte Klangwirkungen exemplarischen Gehalts. In rasanten Tempi formte der junge expansive Dirigent bereits das Prelude, die weiteren orchestralen Einleitungen und Nachspiele in ungeheurer Intensität, instrumental graziler Dezenz. Einem Magier gleich entlockte Reiners dem Klangkörper hymnische Streicher-Glissandi, auflodernd-atemberaubende dynamische Tempi von federleichter Note und steigerte mit dem hinreißend musizierenden Orchester den Melodienreichtum des italienischen Meisterkomponisten, in einen hier selten gehörten kulinarischen Klangraum.« (Online Merker, 25.2.2018)