Schauspiel

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Es spielen

Paul
Ines
Fritz
Anne
Robert
Tanja
Ewald Palmetshofer

faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete (DE)

Inszenierung
Video
Dramaturgie
Kostüme
Premiere
28. November 2009
weitere Aufführungen
03. Oktober 2010
Wiederaufnahme
Karten
 
25. Oktober 2010
Karten

Nachbarschaft ist ein hohes Gut. Und weil die Feste fallen, wie man sie feiert, treffen sich die drei Pärchen Ines/Paul, Tanja/Robert und Anne/Fritz regelmäßig zum nachbarschaftlichen Balkongrillen. Auch ER und SIE – heißen sie Heinrich und Grete? – werden kurzerhand in die muntere Partygesellschaft integriert. „Bring what you eat“ ist schließlich eine sozial verträgliche Lösung für alle, und im nachbarschaftlichen Gemeinschaftskörper ist immer noch ein bisschen Platz. Und weil die beiden noch Single sind und man manche Menschen zu ihrem Glück ein bisschen zwingen muss, ist ein dezenter Glücksaktivismus zum Wohl des Nächsten durchaus angebracht. Nur dass am Ende ein Fernsehteam einen Bericht über einen Kindsmord dreht, war so nicht geplant.

Ausgehend von Motiven aus Goethes Faust fragt Ewald Palmetshofer in seinem neuen Stück, was unsere heutige, gänzlich kapitalisierte Welt überhaupt noch im Innersten zusammenhält. Gibt es überhaupt so etwas wie des Menschen Kern, auf den man sich berufen kann in einer Welt, in der Waren, Konsum und Oberflächen das Glück und den schönen Augenblick ausmachen? Wenn alle Produkte verkonsumiert sind, bleibt dem entkernten Menschen nur noch eins: der Mitmensch. Integration heißt das Zauberwort, und jede Party ist ein potentielles Krisengebiet. Manchmal verschluckt man sich halt dabei.

Ewald Palmetshofer wurde für sein Stück hamlet ist tot. keine schwerkraft, das in Mannheim als Deutsche Erstaufführung zu sehen ist, zum Nachwuchsautor des Jahres 2008 gewählt. Sein Monolog Körpergewicht. 17% ist Teil des Mannheimer Uraufführungsreigens 4x4.
Der Regisseur Dieter Boyer inszeniert nach Stationen in Graz, Mainz und bei den Salzburger Festspielen zum ersten Mal in
Mannheim.

Pressestimmen

„Der originelle Titel „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“ klingt lustiger, als das, was wir auf Anke Niehammers suggestiver Bühne zu sehen und zu hören bekommen. Und das ist gut so, denn lustig aufgepeppte Befindlichkeitskomik gibt es zuhauf. Regisseur Dieter Boyer gelingt es dagegen, der sperrigen und mit Bezügen überfrachteten Kunstsprache, heitere, erkenntnisreiche und tief traurige Momente abzugewinnen.“

Mannheimer Morgen, 30.11.2009


„Dieter Boyer hat das Stück in Mannheim mit behutsamer Genauigkeit inszeniert, hat die manchmal etwas verrätselte Szenenfolge in einen stimmigen Ablauf gebracht, hat viel Komik eingestreut und doch die abgründige Wut der Figuren immer wieder aufblitzen lassen. Die drei Schauspielerinnen machen das noch einen Tick spannender als ihre männlichen Kollegen. Lisa Stachowiak, Wiltrud Schreiner und Almut Henkel können wahre Flammenwerfer aus Missgunst und Bosheit sein, die Gemeinheit gespeist aus einer aggressiven Verzweiflung tief drinnen in der entzündeten Provinzlerseele.“

Die Rheinpfalz, 30.11.2009


„In der kargen Bühne von Anke Niehammer verweisen von der Decke hängende Bäume auf Gretes proletarischen Provinzhintergrund. Einige Bierkisten schaffen Sitzgelegenheiten, ein aufgehängter Blumenkasten mit Petersilienpflanzen markiert den Balkon und bietet eine Gelegenheitsschaukel.
Dieter Boyers Inszenierung gelingt es, Musikalität und Komplexität, aber auch die Komik der Palmetshoferschen Tiraden hörbar zu machen. Mit schaudernder Schaulust erzählen die drei Paare von Heinrich und Grete, lassen den Revoluzzerdrang der anderen Revue passieren. Klischees und Abgründe werden gegeneinandergestellt, und in der klammernden Normalitätsbehauptung der einen wird eine ebenso drängelnde Sehnsucht sichtbar wie im zornigen Aufbegehren der anderen. Die Diagnose aber scheint so klar wie vernichtend: es ist kein Ausweg aus dieser Sinn- und Kernlosigkeit, aus Waldhütte und Balkonidyll, Partnerlook und Einsamkeitsverzweiflung. Eine wahrlich düstere Gegenwartsanalyse. Die Erde ist dunkel, Zeitgenossen!“

Nachtkritik, 28.11.2009
 

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