Schauspiel

Marius von Mayenburg

Freie Sicht (DSE)

Inszenierung
Bühne
Kostüme
Video
Dramaturgie
Premiere
07. Oktober 2009

Ein zwölfjähriges Mädchen, das vor der Kirche Tauben füttert. Ein Elfjähriger, der in den Schließfächern im Schwimmbad nach vergessenen Münzen sucht. Ein zehnjähriges Mädchen, das auf einem gut überwachten
Parkplatz um zehn Uhr abends ein grünes, verschnürtes Paket in einen Mülleimer wirft. Sind es wirklich nur harmlos spielende Kinder?
Wenig später gibt es eine Explosion in der Mülldeponie. Und ein zweites grünes Paket taucht im Einkaufszentrum auf. Die Lage ist eindeutig, der Zugriff unvermeidlich. Während ein Spezial-Roboter sich vorsichtig dem herrenlosen Paket nähert, wirft sich dem zehnjährigen
Mädchen ein vielköpfiges, schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando entgegen.

Marius von Mayenburg treibt in Freie Sicht die Paranoia und das Sicherheitsbedürfnis einer Gesellschaft im Angesicht von Amok, Krieg und Terror auf die Spitze mit so ausgelassener Komik wie erschreckender Härte. In Texten voller übersteigerter Hysterie und pulsierender Dringlichkeit befragt er eine von Angst bestimmte Welt, in der Realitäten verschwimmen und noch die harmlosesten Dinge zur Bedrohung werden. Bis es schließlich nur noch eine Lösung gibt: Freie Sicht für den finalen Schuss.

Der 1972 in München geborene Dramatiker Marius von Mayenburg forscht in seinen klaustrophobischen Familienstücken und grotesk verzerrten Komödien nach den Albträumen des Alltäglichen. Seine Stücke wie Feuergesicht, Eldorado und Der Hässliche sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und werden weltweit inszeniert. Freie Sicht wurde 2008 beim australischen Adelaide Bank Festival of Arts uraufgeführt.

Pressestimmen

„Im verkleinerten Schauspielhaus hat Florian Etti eine steril-elegante, zugleich leere Bühne geschaffen, die eine kühle Ästhetik ausstrahlt. Und in diesem Ambiente sind auch die Menschen kühl bis an das Herz, insbesondere wenn es darum geht, die erreichten Errungenschaften gegen – vermeintliche – Feinde zu verteidigen.
Eindrucksvoll kommt dieser Zusammenprall der Welten in den Videosequenzen zum Ausdruck. In der Art eines überdimensionalen Computerspiels zeigen sie ein blutiges Massaker bei einem Amoklauf an einer Schule, während sich die Schauspieler scheinbar unbeteiligt in dieser hellfarbigen Projektion als schwarze Schattengestalten bewegen.“

Rhein-Neckar-Zeitung, 09.10.2009


„Gibt eine Gesellschaft sich generalisierter Angst hin, verschwinden individuelle Stimmen. Also lässt Mayenburg einen „Schwarm“ sprechen. Man kann diese Sprachpartitur frei verteilen. Burkhard C. Kosminski tat gut daran, das Elternpaar eindeutig mit Silja von Kriegstein und Klaus Rodewald zu besetzen und das allgemeine Geplapper zu personalisieren: Anke Schubert als die naiv Abwartende, Sven Prietz als der bürokratisch Lauernde und Peter Rühring als überfordert Staunender. [...]
Kosminski platziert im klar strukturierten Bühnenbild von Florian Etti ein zurückhaltendes Angstspiel, unterfüttert mit Videos, in denen die fünf Panikspieler zum Opfer eines Ego-Shooters werden. Die Inszenierung macht nichts falsch, man fragt sich am Ende aber, ob „Freie Sicht“ nicht ein besseres Hörspiel wäre.“

Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009


„In Mannheim wird das geschlossene Gehäuse von Florian Ettis Bühne in das Parkett fortgesetzt: Der mit Stellwänden umbaute und verkleinerte Zuschauerraum nimmt das Publikum mit hinein in die klaustrophobische Stimmung, in der die grundlose Angst gedeiht, die das eigene Kind zum Monster macht. Das Dialog-Fugato des geschliffenen Textes wird vom Ensemble sehr pointiert realisiert, besonders stark sind Silja von Kriegstein und Klaus Rodewald als wortreich ratlose Elternfiguren. Die Inszenierung des Schauspieldirektors Burkhard C. Kosminski formt daraus in gerade mal 70 Minuten eine sinnfällige Dramaturgie. Sie wird zur hübschen Satire auf eine paranoide Gesellschaft, in der man von der Polizei als der „Beratungsstelle“ spricht.“

Darmstädter Echo, 20.10.2009
 

September 2010
Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30      

Aktuell


Großes Gala-Eröffnungskonzert am 19. September

... mit Dan Ettinger, dem Opernensemble sowie Chor und Orchester des Nationaltheater Mannheim. ...

Der Kartenvorverkauf 2010/2011 hat begonnen!

Ab sofort können Sie für alle Vorstellungen im September und Oktober 2010 sowie fü...

Viel zu sehen für Studierende in der neuen Spielzeit

Tiefer blicken Probenbesuche für Erstsemester 22. & 23. September Gespräche...

Sponsoren

Spielzeit 2009/2010

Das Nationaltheater bedankt sich bei folgenden Unternehmen...
Nationaltheater Mannheim | Mozartstr. 9 | 68161 Mannnheim
Tel. 0621 1680 0 | Nationaltheater.kasse@mannheim.de