Schauspiel

Dietmar Dath

Waffenwetter (UA)

nach dem gleichnamigen Roman von Diethmar Dath, Bühnenbearbeitung von André Bücker und Ingoh Brux
Inszenierung
Ausstattung
Dramaturgie
Premiere
17. April 2009

Claudia Starik, jung, sexy und hochbegabt, leidet unter zudringlichen Lehrern, wohlmeinenden Eltern, der Liebe und dem Abiturstress. Ihr kommunistischer Opa Konstantin, ein ehemaliger Elektrohändler und Millionär mit altem DKP-Parteibuch, unterrichtet sie in der Geschichte des Klassenkampfes und schenkt seiner Enkelin zum Abitur eine gemeinsame Reise nach Alaska. Dorthin, wo die mysteriöse Riesenantennenanlage HAARP steht, ein als zivile Forschungsstation getarntes militärisches Geheimprojekt der Amerikaner, das mit seinen Hochfrequenzwellen das Wetter und, so vermutet Konstantin, auch das Bewusstsein manipuliert. Und in Wahrheit hat Konstantins Expedition in den Norden nur das eine Ziel, die „Wetterwaffe“ und „Bewusstseinsmaschine“, das die  Gedanken und Träume der Menschen ausspioniert, zu sabotieren …

Was als politischer Zeitroman in der Welt heutiger Verschwörungstheorien beginnt, endet als metaphysisches Science-Fiction. Konstantin ist ein moderner König Lear, der sein politisches Erbe in die Gegenwart zu retten versucht und den Wahnsinn streift.

Der Roman Waffenwetter, der in Mannheim für die Bühne dramatisiert wird, „ist beste literarische Gegenspionage und Dietmar Dath ein aufklärerischer Mystiker“ (Neue Zürcher Zeitung).

Der Schriftsteller und Übersetzer Dietmar Dath (geboren 1970) war Chefredakteur der Spex und Feuilletonredakteur bei der FAZ und veröffentlichte zuletzt im Suhrkamp Verlag Die salzweißen Augen, Dirac, Waffenwetter (2007) und den Essay Maschinenwinter.

Pressestimmen

 

„(…) Daths Fähigkeit, sich in Frauenfiguren hineinzudenken und mit quasi-wissenschaftlicher Akribie linke Verschwörungs-Theorien zu entwickeln, wird von Regisseur André Bücker (…) beeindruckend genutzt: die drei turnenden, tänzelnden, ordinär gicksenden und kreischenden Girlies auf der Bühne erzählen eine Menge über die Gefühlswelten heutiger Jugendlicher aus der linken Szene, über ihre Verzweiflung und Präpotenz, über ihre intellektuellen Möglichkeiten und emotionalen Leerstellen. Die verwaltete Welt der Erwachsenen ist kapitalistisch, also öde und feindlich; und auch der Sex ist ein Problem.“
Deutschlandradio

„Wie andere Teenager trägt Claudia schrille Anoraks und coole Pelzmützen, giggelt mit ihrer Freundin Steffi, hat Sex mit ihrem Lehrer und kennt alle Viva-Klingeltöne. Aber weil sie eine superkluge Abiturientin und Adoptivtochter aus linkem Hause ist, interessiert sie sich doch mehr für Technik und Dialektik der spätkapitalistischen Kulturindustrie als für Dieter Bohlen. „Im mündlichen Kommunismus bin ich spitze“, sagt die angehende Physikstudentin stolz, und das gilt auch für die Psychophysik von Betastrahlen und Schumann-Resonanz. (…) Dass die hyperaktive, schizophrene Claudia sich in drei Figuren aufspaltet und dabei - mit doppelter Kassenbrille und einem Stapel Bücher unterm Arm - auch die Rolle ihres Lear-Opas übernimmt, ist kein schlechter Schachzug. (…) Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein schaffen solo und im Chor nicht nur riesige Textmassen weg (und stolpern nur ganz selten über Wörter wie „Phasensimulation durch externe Stimuli“): Rote Fähnchen schwenkend und Fäustchen ballend, beamen sie mit ekstatisch leuchtenden Augen, wissendem Kichern und rhythmischer Punk-Gymnastik einen kopflastigen Text in eine andere Dimension - die furiose konspirative Performance im Mädchenzimmer. (…)“
Frankfurter Allgemeine Zeitung


„Opa Konstantin ist über achtzig und kein bisschen weise. Als Altkommunist müsste er längst begriffen haben, dass der reale Sozialismus kläglich gescheitert ist. Doch verstockt, wie er nun mal zu sein scheint, glaubt er weiterhin an Wohlstand und Gerechtigkeit für alle. Während Soziologen, Philosophen und Psychologen hauptsächlich menschliches Unvermögen als Ursache dafür sehen, dass wir in keiner besseren Welt leben, verdächtigt Konstantin eine riesige Antennenanlage
der Amerikaner. Sie steht in Alaska, heißt „HAARP“ und ist als ziviles Forschungsprojekt getarnt. Mit ihr, vermutet er, wird das Bewusstsein der Irdischen manipuliert. So einfach und plausibel klingt jedenfalls die Botschaft von Dietmar Dath in dem Roman „Waffenwetter“, den der Regisseur André Bücker und sein Dramaturg Ingoh Brux für die Studiobühne Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters bearbeitet haben. Eine Science-Fiction-Story mit Politthriller-Ambitionen. Denn zum bestandenen
Abitur schenkt Konstantin seiner Enkelin Claudia eine Reise in den hohen Norden, um dort zu sabotieren, was offenbar die Freiheit der Weltbürger bedroht. Das hätte eine staubtrockene Studienfahrt zu den Freuden und Risiken des Kommunismus werden können, hätten nicht Dath und Bücker den thematisch doch eher schlichten Stoff virtuos den popkulturellen Gegebenheiten unserer Zeit angepasst. Bücker, der Claudias Text geschickt auf drei Schauspielerinnen verteilt, die auch Konstantins Passagen sprechen, bringt mit Hilfe der fantasievoll eingerichteten Drehbühne (Jan Steigert) und tollen Videos (Christian Schrills, Tobias Morell) immer wieder in Schwung, was gelegentlich unter physikalischen und technischen Daten zu ersticken droht. Dazu lässt er, unterstützt von den fabelhaften Schauspielerinnen Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein, ein Feuerwerk an kessen Formulierungen abbrennen, die uns beweisen, dass die Generation der Zwanzigjährigen weitaus weniger schlapp ist, als es die kulturkritischen Orakel heutzutage in den Medien gern glauben machen. (…)
Stuttgarter Zeitung

„(…) Neben einer dichten Bühnensituation und den besten Videos der Saison (Christian Schrills/Tobias Morell) hat André Bücker noch einen weiteren Coup gelandet: Auf kluge Weise hat der Regisseur den hochanstrengenden und komplexen Text auf drei Schauspielerinnen verteilt. Isabelle Barth, Ines Schiller und Dascha Trautwein kämpfen nur am Anfang und Ende des über zweistündigen Abends mit den physikalischen Termini, Genrewechseln, den Überlappungen und Personenverschränkungen, hauchen dem unwirtlichen Textbrocken aber mit furioser Spielfreude und Humor wahrlich theatralisches Leben ein." Mannheimer Morgen

(...) Dath selbst hält in einer Grußadresse das Theater für die Veranschaulichung der möglicherweise in Waffenwetter steckenden Botschaft für ausnehmend gut geeignet. (...) In der Tat leisten die drei Schauspielerinnen hier Großes, indem sie nicht nur eine gewaltige Textmasse zu bändigen wissen, über zwei Stunden Dauerfeuer; sondern auch manche dann doch leicht intellektualistisch wirkende Passage charmant überspielen.                                Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
 

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