
Als Theresia Walser den Auftrag der neuen Schauspieldirektion erhielt, zum Start des neuen Schauspielteams ein Stück zu schreiben, konnte keiner der Beteiligten ahnen, dass das Eröffnungsdramolett bei Publikum und Kritikern eine derart große Resonanz finden und sich im Laufe der Spielzeit zu einem begehrten Repertoirestück entwickeln würde. Offensichtlich traf die satirische Kritik am modernen Regietheater einen besonderen Nerv. Darüber hinaus haben gleich zu Anfang einige Theater Interesse angemeldet Ein bißchen Ruhe vor dem Sturm ebenfalls zu zeigen. Theresia Walser hat daraufhin das Stück zu einem abendfüllenden Drama erweitert, das jetzt zu Beginn der zweiten Spielzeit von Burkhard C. Kosminski seine zweite Premiere erfährt.
Die Grundkonstellation ist freilich geblieben:
Drei Schauspieler warten auf ihren Auftritt in einer Talkshow. Der berühmte Franz Prächtel und der prominente Peter Söst sind eingeladen, weil sie gerade als Hitler im Film reüssierten. Der junge Ulli Lerch hat den Goebbels gespielt. Während sie über ihre Figuren und die Darstellbarkeit des Bösen streiten, wird die Schauspielkunst und das Theater an sich ihr Thema. Was auf der Bühne stattfinden darf, wird schließlich zum unfreiwillig komischen Glaubenskrieg. Theresia Walser hat ein amüsantes Kurzdrama über egomanische, engagierte und ehrgeizige Schauspieler geschrieben, die, bekanntermaßen, auch grandiose Selbstdarsteller sind.
Ein tolles Stück! […] die schönsten Diskurs-Schlangengruben und Tabu-Nesselfelder, in denen die darstellenden Künste zurzeit herumtappen. Es geht erstens um die Problematik des Bösen auf der Bühne (verharmlost man Hitler eher, indem man sich warm in ihn einfühlt oder indem man ihn sich eisig vom Leibe hält?). Es geht zweitens um die Kunstfreiheit-über-alles-Debatte (muss man auf der Bühne Rücksicht auf fremde Kulturkreise nehmen, auch wenn die gar nicht ins Theater gehen?). Und drittens um die auch in der ZEIT hitzig geführte Regietheater-contra-Werktreue-Debatte.
Die drei Künstler in Walsers Stück tragen diese Konflikte tollkühn aus. Es sind Wahrhaftigkeitssimulanten und Autonomieclowns in den Fesseln von Jargon und Betrieb. Unsere Stellvertreter auf der Bühne, man muss sie lieben. Im Gespräch dieser drei umrundet das Theater sich selbst - und lacht.
DIE ZEIT
[…] ein sehr lustiger Einakter um eine Kuriosität der deutschen Erinnerungskultur. [...] Das Stück folgt allein der Inspiration, die aus dem absurden Moment folgt, dass der repräsentative Hitlerdarsteller offenbar ein Einfühlungsschauspieler war. „Ich war Hitler“, irgendwie kommt Ganz nicht mehr an diesem Satz vorbei. Und das Stück kreist einzig und allein um diesen Satz und seine Untiefen.
Das liegt Kosminski offenbar, der das Stück mit inspirierten Schauspielern genau so schmissig spielt, wie es auf dem Blatt steht: Mannheim amüsiert sich zu Hitler. […]
Frankfurter Rundschau
[…] das Premierenpublikum johlte vor Vergnügen und weidete sich an der eigenen Extremposition und an großartigen Schauspielern. […]
Theater der Zeit
Das kommt selten vor. Ein Theaterstück wird beim Publikum ein großer Erfolg, andere Theater wollen es nachspielen, nur – es ist mit ganzen 50 Minuten Spieldauer eindeutig zu kurz. So war es Theresia Walsers „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" gegangen. In dem Stück unterhalten sich drei Schauspieler über das Theater. Über große Schauspielkunst, über die Auswüchse des Regietheaters und die lieben Kollegen.
Geschliffene Dialoge und hervorragende schauspielerische Leistungen bei der Uraufführung am Nationaltheater Mannheim vor einem Jahr bescherten dem Stück, [...] raschen Erfolg. Inzwischen hat Theresia Walser nachgebessert und eine Zugabe auf wenigstens 75 Minuten gewährt.
Dem Stück hat es nicht geschadet. [...] Mit 75 Minuten ist es zwar immer noch nur „ein bisschen" Ruhe vor dem Sturm, aber vielleicht wollte Theresia Walser damit ja auch ihre Vorbehalte gegen allzu lange Theaterabende von drei oder vier Stunden auf die Bühne bringen.
Südkurier
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