Schauspiel

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Liebes Publikum,
 

in Theresia Walsers neuem Stück Herrenbestatter erleben wir den letzten Arbeitstag eines Herrenausstatters als tragikomischen Abgesang einer Branche. Nach einem langen Berufsleben
wurde ihm gekündigt. Weil er zu alt ist? Oder weil die Warenhausbranche in der Krise steckt, wie ja die gesamte Weltwirtschaft?! Die junge Anne Rabe hat 20 Jahre nach der Wende das ostdeutsche Randgebiet als eine Art wirtschaftliches und soziales Niemandsland beschrieben.
Während sich dort die Älteren in Resignation flüchten, träumen die Jungen von einem Morgen in einer Welt jenseits des Horizonts. Marius von Mayenburg erzählt in Freie Sicht, wie sich Eltern von ihren Kindern soweit entfremden, dass sie sie sogar als bombenlegende Monster fürchten. Er zeigt, wie eine Gemeinschaft sich angesichts täglicher Kriegsund Terrornachrichten aufrüstet und Angst und Sicherheitsbedürfnisse sich zur Paranoia steigern.
Wie sich gesellschaftliche Veränderungen in der Lebenswelt des Einzelnen niederschlagen, große Krisen sich als individuelle Schicksalsschläge fortsetzen, von Verunsicherung und Infragestellung des Gegebenen, davon handeln diese drei neuen Theatertexte. Wie wir mit Veränderungen umgehen, und wie sie uns verändern können, das untersuchen wir auch in der kommenden Spielzeit mit einem zeitgenössischen Autorentheater und nicht weniger als zehn Ur- und Erstaufführungen. Mit den Mitteln des Theaters, mit literarischen Texten, Stadtbespielungen und performativen Aktionen erkunden wir die Welt, die uns umgibt, und bringen sie auf die Bühne.
Seine Mannheimer Zeit in den Quadraten hat Reto Finger, unser Hausautor der Spielzeit 2006/2007, zu seinem neuen Stück NORMA inspiriert. Cilli Drexel, die Hausregisseurin in dieser Spielzeit, wird es inszenieren.
Die neue Hausautorin heißt Ulrike Syha, auch sie schreibt ein neues Stück für das Nationaltheater. Gesine Danckwart wandert nach ihren Straßenbahn-und Hafenprojekten Richtung Osten zum Teatr Polski in der Mannheimer Partnerstadt Bydgoszcz. Ihre unterwegs gesammelten Monologe und Lieder wird sie in einem musikalischen Reigen präsentieren. Der Regisseur Lajos Talamonti, zum ersten Mal am Nationaltheater, begibt sich in seiner als Bürgersprechstunde getarnten Exkursion dorthin, wo eine Stadt im Innersten zusammengehalten wird, in ihre Verwaltung. In Zeiten der Veränderung muss sich natürlich
auch der Kulturbetrieb anpassen. Das Nationaltheater geht schon mal neue Wege und vergibt einen weiteren Stückauftrag, diesmal nicht an eine Autorin oder einen Autor, sondern an eine Agentur, die Zentrale Intelligenz Agentur aus Berlin. Wir fragen professionelle Literaturdienstleister, denn
darum handelt es sich bei der ZIA, wie in Zeiten von web 2.0 und Google die Zukunft des Autors aussieht. Die Auseinandersetzung mit den Klassikern setzen wir mit Inszenierungen von Peer Gynt,
Amphitryon, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua und Was ihr wollt fort. Genauso wie unsere Zusammenarbeit mit dem Schnawwl. Inès Derksen wird den Astrid-Lindgren-Klassiker Ronja Räubertochter auf die Bühne bringen.
Die Spielzeit eröffnet der gefeierte spanische Regisseur Calixto Bieito, der zum ersten Mal
in Mannheim inszeniert, mit Frank Wedekinds Lulu. Ein weiterer moderner Klassiker steht mit Bertolt Brechts Dreigroschenoper auf dem Programm. Hoch aktuell wirkt dieses Stück aus den zwanziger Jahren. Auch hier wird eine Gesellschaft im Umbruch gezeigt, der moralische und wirtschaftliche Verfall besungen und der große Kassensturz lustvoll gefeiert. Mit seinem Protagonisten Mackie Messer begrüßt das Stück den modernen Menschen als Überlebenskünstler, dessen wahre Heimat die Krise ist.
Auch in dieser Spielzeit gibt es wieder die sonntägliche Lesereihe FrühStücken und die monatliche Late Night Das Wohnzimmer. Die Begegnungen mit unseren Dramatikern werden wir in Autorentreffs ebenfalls fortsetzen.

Liebe Theaterfreunde, zu all diesen Veranstaltungen und Premieren lade ich Sie herzlich ein, wünsche Ihnen beste Unterhaltung und uns allen aufregende Theaterabende.

Ihr Burkhard C. Kosminski

 

 

 

 

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