
Ein antiker Mythos im romantischen Gewand. Der Thebaner Amphitryon kehrt von einem Feldzug zurück. Währenddessen hat Zeus seine Gestalt angenommen und mit Amphitryons Frau den Halbgott Herakles gezeugt. Viele Dramatiker wie Plautus, Molière oder Giraudoux haben sich dieses Stoffes angenommen. Besonders eindringlich aber fragt Heinrich von Kleist nach dem, was den Menschen eigentlich ausmacht. Wer oder was ist dieses „Ich“, das man zu kennen glaubt? Und was passiert, wenn man die Gewissheit um diese Identität verliert?
Bei Kleist hat Jupiter, der höchste aller Götter, mit Amphitryons schöner Gemahlin Alkmene eine berauschende Liebesnacht verbracht. Als der echte Amphitryon erscheint, erfährt er von seiner Frau, dass er bereits in der letzten Nacht bei ihr gewesen sein soll. Ein
eifersüchtiger Streit entbrennt. Alkmene entscheidet sich letztlich zwar für ihren Gatten, kann aber bei einer Gegenüberstellung des echten und des falschen Amphitryon den echten trotzdem nicht erkennen. Dem Doppelgängerpaar Amphitryon/Jupiter ist das Botenpaar Sosias/Merkur gegenübergestellt, dessen ebenfalls gleiche Gestalt die Konfusion auf die Spitze treibt.
Kleist bearbeitete 1806/07 Molières Lustspiel Amphitryon. Dabei spielt er mit dessen Mitteln der Verwechslungskomödie, zeigt aber gleichzeitig den paradoxen Zwiespalt von Gott und Mensch, Treue und Untreue sowie Täuschung und Untrüglichkeit des reinen innersten Gefühls. Wen liebe ich und wenn ja wie viele?
Es inszeniert die Hausregisseurin Cilli Drexel. Von ihr waren am Nationaltheater bereits The Small Things, Einsame Menschen und hamlet ist tot. keine schwerkraft zu sehen.
„Drexel nutzt mit geschickt gestrafftem Text in gut anderthalb Stunden vor allem die Möglichkeiten der Komödie, die aus der Ahnungslosigkeit der von den Göttern gefoppten Menschen wächst. Die eher trockenen Debatten über die Zweifel am eigenen Ich bleiben da nur Episode. Aber ein munterer Abend mit Kleist gelingt der Mannheimer Hausregisseurin allemal.“
Darmstädter Echo, 3. April 2010
„Cilli Drexel und ihre Bühnenbildnerin Christina Mrosek haben Kleists Versuchsanordnung in Mannheim ganz wörtlich genommen und die Bühne als Experimentierfeld ausstaffiert. […] Tim Egloff und Sven Prietz dürfen dabei den meisten Komödienspaß verbreiten, geben als Sosias und Merkur bebrillt und im knappen Sakko ein nur optisch gleiches Brüderpaar. […] Sascha Tuxhorn als Amphitryon ist eher Banker als Krieger, ein wenig hilflos in seiner Eifersucht und natürlich auch deshalb heillos verwirrt, weil sein göttlicher Widersacher eine Frau ist. Cilli Drexel hatte nämlich den wunderbaren Einfall, Silja von Kriegenstein Jupiter spielen zu lassen.“
Die Rheinpfalz, 29. März 2010
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