
USA, Ende der 60er Jahre. Claude, der zum Wehrdienst eingezogen werden soll, begegnet einer Gruppe von Hippies. Berger, der Anführer, Sheila, die Studentin aus reichem Hause, Hud, der Farbige, Ron, Woolf, Jeannie, Crissy und der Rest der Gruppe suchen abseits
etablierter Bürgerlichkeit und in Opposition zu einem skrupellosen Staatsapparat nach einem anderen, friedvolleren Leben. In einzelnen
Szenen und Songs protestieren sie gegen Krieg, Rassismus und Umweltzerstörung, singen von Drogenrausch und Liebe und feiern in Erwartung einer neuen Zeit im Sternzeichen des Wassermanns mit Blumen, Räucherstäbchen, Kerzen und Friedenspfeifen das Leben.
Als Hair 1967 vom Off-Broadway an den Broadway kam, war der Erfolg dieses Stückes nicht mehr aufzuhalten. Zwei Jahre lang hatten James Rado und Gerome Ragni Notizen persönlicher Erlebnisse als Textgrundlage zusammengetragen und so ein Musical geschaffen, das wie kein anderes das Lebensgefühl einer Generation aufgreift.
Authentische Musik der 68er Hippie-Generation setzte zudem der ehemalige Organist und Kirchenmusiker Galt MacDermot dem etablierten Musicalstil entgegen und läutete so zugleich die Ära des Rockmusicals ein. Nicht nur mit seinen nach wie vor populären Songs wie „Hair“, „Aquarius“ oder „Let the Sunshine in“, die heute längst Kultstatus erreicht haben, sondern auch mit seiner Sehnsucht nach Frieden, Liebe, Toleranz, Mitmenschlichkeit und Freiheit hat Hair bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren.
In Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel.
„Das Ende war absehbar. Eine Zugabe musste her. Eine Zugabe, die der nun unausweichlich bevorstehenden Novemberkälte auf dem Nachhauseweg noch einmal das warme Gefühl von weltumspannender Liebe und Toleranz und den süßen Geruch der Friedenspfeife entgegensetzt. [...]
Dass das Premierenpublikum der Mannheimer „Hair“-Inszenierung allerdings selbst nach dieser „Verlängerung“ nur widerwillig bereit war, die „Swinging Sixties“-Kunstwelt im Opernsaal wieder gegen die für rund zwei Stunden ausgesperrte Gegenwart des 21. Jahrhunderts einzutauschen, sprach für sich: Mit ausgefeilten Choreographien, einem klaren und durchdachten Bühnenbild und nicht zuletzt einer Reihe hervorragender Sänger und Musiker ist „Hair“ aucch im Jahr 2009 so mitreißend wie vor 40 Jahren.“
In: Allgemeine Zeitung Mainz, 10.11.2009
„Großer Trumpf der (mit Pause) zweieinhalbstüündigen Aufführung ist [...] die besetzung mit Spitzenkräften der Musical-Szene, die hier in der anspruchsvollen Choreographie von Alonso Barros vor allem tänzerisch permanent strak gefordert sind. Hervorragend auch die neunköpfige Band aus Bläsern und Gitarristen, verstärkt durch Keyboard, Bass und Schlagzeug, unter der Leitung von Michael Cook, der für den nötigen Drive sorgt und die Songs sensibel begleitet, ohne zu versäumen, auch seinen Musikern Gelegenheit zu stärkerer Profilierung zu geben.“
Rhein-Neckar-Zeitung, 9.11.2009
„Philipp Kochheims Inszenierung eröffnet der Abend mit einem Trommelschlag, der den Blick freigibt auf ein durchweg starkes Ensemble mit bilderbuchartiger Vokalpräsenz. Der weiße Bühnenraum wird bestimmt durch zwei bewegliche Half-Pipe-Elemente, der Bühnenhintergrund wird abgeschlossen durch ein großes Fenster, das in der ersten Hälfte den Blick auf die amerikanische Flagge freigibt. Alles ist in der von Thomas Gruber eingerichteten Bühne bespielbar. Ein wahres Wunderland für den Hippie-Trupp, der sich in knapp über zwei Stunden Bühnenzeit auf die Suche nach dem Amerika im beginnenden Zeitalter des Wassermanns macht.
Fein säuberlich zeichnen die Kostüme von Bernhard Hülfenhaus ein buntes und aufregendes Bild einer Generation zwischen Krieg und Bürgerrechtsbewegung, freier Liebe und Drogentaumel.“
Mannheimer Morgen, 9.11.2009
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