Opernhaus

Der Tod und das Mädchen

Premiere: Sa, 11. November 2017
Tanzstück von Stephan Thoss
Musik von Franz Schubert, Philip Glass u. a.

Unzählige Eindrücke und Erfahrungen füllen unser Leben wie einen riesigen Ballon, während wir versuchen, einen Platz und Sinn in ihm zu finden. Stets bemüht, unserem Gefühl zu vertrauen und unseren Sehnsüchten Zuversicht zu geben, hoffen, lieben und kämpfen wir, um größtmögliche Erfüllung im Laufe eines Lebens zu erfahren. Aber in uns wohnt auch die Angst vor dem Tag, an dem uns das Kämpfen genommen wird und wir noch nicht angekommen sind. Der Tod ist eine der wesentlichsten Erfahrungen der menschlichen Existenz, alles läuft auf ihn hinaus und er wird mit absoluter Gewissheit stattfinden.

 

Auch in dieser Spielzeit hat sich Stephan Thoss für die erste Premiere ein abendfüllendes Tanzstück vorgenommen: Der Tod und das Mädchen. Inspiriert von dem gleichnamigen Streichquartett Franz Schuberts spürt Thoss dem schaurigen wie erotischen Motiv des personifizierten Todes als Verführer einer jungen Frau nach und lässt seine Choreografie um die Themen Leben und Tod kreisen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Mädchens, das mehrmals auf eine dunkle Macht trifft. Als Kind und junge Frau Reinheit, Jugendlichkeit, Unberührtheit und Unschuld verkörpernd, hat sie einerseits Angst vor dem Dunklen und Unbekannten, gleichzeitig üben riskante oder gefährliche Situationen einen besonderen Reiz auf sie aus. Während sie in der Geborgenheit der Familie heranwächst und die erste Liebe wie den ersten Rausch erlebt, erfährt sie die schwer einzuschätzende Grenze zwischen Leben und Tod. Man bangt um das Mädchen und hofft, dass der Tod es nicht zu früh „mitnehmen“ möge oder es gar freiwillig mit ihm ginge…

 

Wie der Sommer die Kühle des Winters und der Tag die Ruhe der Nacht braucht, so brauchen wir für das Überleben auch das Ein- und Ausatmen, benötigt das Leben den Tod. Ohne ihn folgt kein neues Leben gemäß dem Zyklus der Natur vom Werden und Vergehen – eine Balance, die die Natur schuf und an der wir teilhaben. Deshalb sagt Stephan Thoss’ Tanzstück bewusst »Ja« zu beiden. Genau das gibt uns die Kraft, mit größter Leidenschaft zu leben, lieben und zu tanzen.

 

Um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, die Arbeitsatmosphäre zu schnuppern, und ihnen vorab Einblicke in die Inszenierung zu gewähren, findet am 26. Oktober eine öffentliche Probe und am 5. November die Einführungsmatinée statt.