Opernhaus

Ein Sommernachtstraum

Stephan Thoss Premiere: Sa, 19. November 2016
Tanzstück von Stephan Thoss nach William Shakespeare
Musik von Joby Talbot, Benjamin Britten und Henry Purcell

Es spielen das Nationaltheater-Orchester und Kai Adomeit (Klavier)

Es sind Liebesbeziehungen unterschiedlichster Art, von denen William Shakespeares Klassiker Ein Sommernachtstraum erzählt. Im Mittelpunkt der temperamentvollen Komödie stehen dabei eine durch politisches Kalkül arrangierte Verbindung, junge stürmische Paare im ersten Liebesrausch, die mit dem Schmerz der Eifersucht zu kämpfen haben, ein zerstrittenes »altes« Ehepaar, dessen Miteinander längst zu einem Machtkampf ausgeartet ist, und eine skurrile Truppe von Handwerkern. Dabei wirbelt Countertenor Alin Deleanu in der zentralen Rolle des magischen Waldgeists Puck die verschiedenen Liebespaare gehörig durcheinander. „Die Liebe sieht nicht, sondern träumt und sinnt“, sagt die junge Helena über ihre Gefühlslage und das scheint für alle Paare zu gelten, denen Thoss auf ihrem Weg durch die Liebeswirren einer verzauberten Sommernacht folgt...  

 

Musikalisch ist der Abend durch Werke dreier britischer Komponisten geprägt. Joby Talbot zählt zu den renommiertesten zeitgenössischen englischen Tonsetzern. In der speziellen atmosphärischen Dichte seiner Kompositionen hat Stephan Thoss die ideale Voraussetzung für seine Interpretation des Sommernachtstraums gefunden. Vervollständigt wird das musikalische Spektrum durch Werke von Benjamin Britten und Kompositionen von Henry Purcell für Countertenor.

Shakespeares Komödie ist in Thoss‘ Tanzversion wahrlich zu einer runden Sache geworden: mit dramaturgisch kluger Musikauswahl, einer die Sinne fordernden Bewegungsdichte und einer guten Portion humoristischer Elemente. Dazu der (im Tanz ja leider keineswegs selbstverständliche) Einsatz des Nationaltheater-Orchesters unter Leitung von Kapellmeister Wolfgang Wengenroth und der wunderbaren Idee des Choreografen, die Rolle des Waldgeistes Puck mit einem Countertenor statt einem Tänzer zu besetzen, wohl um dessen Sonderstellung im wirren Treiben zwischen Liebenden, Herrschenden, Feen und Handwerkern zu betonen. (Die Deutsche Bühne, 21.11.2016)

 

Auf bestem Wege sind hier die Paarungen Titania /Oberon und Hippolyta / Theseus. Während Athens Fürstenpaar (Zoulfia Choniiazowa und Joris Bergmans) sich körpersprachlich einwandfrei zwischen repräsentativem Gestus und kleinteiligen Privatscharmützeln bewegt, zeichnet es die Herrscher des Elfenreichs aus, Liebe, Eros, Eifersucht hand- und fußfest auf gleichberechtigter Naturebene auszufechten. Emma Kate Tilson und Jamal Callender sind als stimmige Figuren und kraftstrotzende Tänzer eindeutig die großen Gewinner des zweieinhalbstündigen Abends im Opernhaus. (Mannheimer Morgen, 21.11.2016)

 

Geschickt reduziert Thoss das Stück auf das für ihn Wesentliche: den Antagonismus zwischen Zivilisation und Natur, zwischen gebändigter und sich frei entfaltender Liebe. Er bürstet den alten Meister gar gegen den Strich. Während bei Shakespeare die Dominanz des Mannes eine zentrale Rolle spielt, erzählt Thoss von starken Amazonen, allen voran der Elfenkönigin Titania. (Die Rheinpfalz, 21.11.2016)