Schauspielhaus

Second Exile (UA)

Oliver Frljić Premiere: Do, 22. Juni 2017

1992 flüchtete Oliver Frljić als 16-Jähriger vor dem Krieg in Bosnien nach Kroatien und wurde so zu einem Teil der „Nation der Flüchtlinge“. Flüchtling zu sein bedeutet, aufgrund von Fakten, die man nicht beeinflussen kann – Geburtsort oder Nationalität der Eltern –, verfolgt zu werden und der Willkür staatlicher Institutionen ausgeliefert zu sein.
2017 zieht es Frljić erneut ins Exil. Als Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka rückte er die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Kriegstraumata ins Zentrum seiner künstlerischen Arbeit; dafür erhielt er Morddrohungen und wurde als Staatsfeind tituliert. In Second Exile blickt Frljić auf eine Zeitspanne von über 20 Jahren zurück, seit er 1995 als Schutzsuchender zum ersten Mal deutschen Boden betrat. Gemeinsam mit Schauspielern aus Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien stellt er individuelle Schicksale in Relation zur globalen Flüchtlingskrise. In Zeiten erstarkender Nationalismen, zunehmender Intoleranz gegenüber Minderheiten und der Bedrohung der Freiheit der Kunst stehen wir vor der Frage: Quo vadis, Europa?


Oliver Frljić, 1976 in Bosnien geboren, studierte Philosophie und Regie an der Akademie der Dramatischen Künste in Zagreb. Seine Regiearbeiten, in denen er sich mit den Verwerfungen des Krieges und der Zukunft Europas auseinandersetzt, wurden vielfach ausgezeichnet und zu internationalen Festivals eingeladen. Im deutschsprachigen Raum wurde er mit seinen Inszenierungen Balkan macht frei am Residenztheater in München, Requiem für Europa am Staatsschauspiel Dresden und Unsere Gewalt und eure Gewalt für die Wiener Festwochen bekannt.

 

Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten.

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

Kein Nacheinlass.

 

Die Vorstellung ist nicht barrierefrei.

 

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

»Am Theater im kroatischen Rijeka eine Pace-Flagge statt der Landes-Flagge am Nationalfeiertag zu hissen, um darauf hinzuweisen, dass das Land Minderheiten und sexuelle Vielfalt nicht wirklich toleriert, hatte bösere Folgen: Todesdrohungen, Einbrüche in die Wohnung. Frljics biografisch angelegter Abend „Second Exile“ erzählt davon. Aber erstaunlich und beeindruckend: mit Witz, Ironie und tieferer Bedeutung. […] Wirklich oder erfunden – egal, es funktioniert, die biografischen Miniaturen sind voller funkelnd böser Blicke auf Leben und Kunst Europa, die Welt, ist Kampf- und Schlachtfeld, immer schon gewesen. Auch ohne Hinweise auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland spricht Frljic davon: wie brüchig Identitäten sind, wie vorläufig jegliches Ankommen in scheinbarer Sicherheit ist, egal, ob man vor dem IS aus Syrien nach Europa flieht oder vor dem ultrarechten Mob aus Europa nach Europa.« (Stuttgarter Zeitung, 26.06.2017)

 

»Frljic ist zwar ein cleverer Politberserker mit viel Wut im Bauch, er ist aber auch ein wunderbarer Bühnenfantast, der zwischen Wirklichkeit und Fiktion keine starre Grenze zieht, sondern erhellende Möglichkeiten entdeckt.« (Die Rheinpfalz, 24.06.2017)

 

»[…] bequem zurücklehnen, das geht nicht in den Produktionen des derzeit sehr gefragten Theatermachers Oliver Frljic. Denn er will provozieren und wachrütteln. […] Erfahrungen und Traumata sind Thema seiner Auftragsarbeit, die er nun zusammen mit sieben Schauspielern im Rahmen der Internationalen Schillertage des Nationaltheaters Mannheim realisiert hat. „Second Exile“, so der Titel ist eine packende biografische Performance, in die auch die Schicksalswege der Ensemblemitglieder eingeflossen sind.« (Rhein-Neckar-Zeitung, 24.06.2017)