Schauspielhaus

Birdland (DSE)

Simon Stephens Premiere: So, 02. Oktober 2016

Paul hat es geschafft. Er ist ganz oben angekommen. Früher spielte er in kleinen Clubs, jetzt gibt er zweihundert Konzerte im Jahr und füllt die Stadien der Welt. Als Musiker ist Paul ein Megastar, bewundert und beneidet. Als Mensch ein seelenloses Monster, grausam und rücksichtslos. Als er mit Marnie, der Freundin seines besten Freundes, schläft und Marnie sich aus Schuldgefühlen umbringt, beginnt für Paul der Absturz ins Bodenlose.

 

Simon Stephens hat das Psychogramm eines rasanten Aufstiegs geschrieben, eines Zynikers, der die Welt von oben betrachtet und den Bezug zum wirklichen Leben verloren hat. Anlässlich der Londoner Uraufführung schrieb Theater heute: »Birdland ist ein Blick auf die aktuelle Phase des Spätkapitalismus durch die Rock’n’Roll-Brille: politisches Theater der subtilen Simon Stephens Variante mit atmosphärisch dichten, rhythmisch-musikalischen Dialogen.«

 

Simon Stephens, 1971 in Stockport / South Manchester geboren, zählt mit Stücken wie Wastwater, Punk Rock und Motortown zu den renommiertesten Dramatikern Englands. Mehrfach wurde er in der Kritikerumfrage von Theater heute zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt.

 

Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

David Müller spielt diesen gefräßigen Allesfresser im Windkanal des Kapitalismus famos. Ein körperlich fast ausgezehrter, mit Drogen vollgepumpter hypersensibler Aktivist tanzt und zappelt über die Bühne, krümmt sich unter den vermeintlichen oder wirklichen Zumutungen des Lebens, eine Psychonummer an der kurzen Leine, die nie ganz ins Entrückte zwischen Sein und Nichtsein abgleitet. Folgerichtig erhält Pauls Perspektivlosigkeit im maßlos überzogenen Selbstanspruch etwas zutiefst Verstörendes. (Mannheimer Morgen, 04.10.2016)

 

Kosminskis Inszenierung führt uns nicht in Pauls Welt, sondern in Pauls Kopf. Und da herrscht zunehmendes Chaos. Gespielt wird dieser Paul in Mannheim von David Müller. Der gibt ihn als hyperaktiven Hänfling, der biegsame Körper in gehetzter Bewegung oder misstrauischer Lauerstellung. (Die Rheinpfalz, 04.10.2016)

 

Alles vollzieht sich in Episoden und Episödchen, die Paul in den Sog einer Abwärtsspirale ziehen. Diesem Strudel setzt sich David Müller in der Hauptrolle auf bewundernswerte Weise aus. Er ist ein Energiebündel, das in seelische Abgründe blicken lässt und sich von der ersten bis zur letzten Minute des zweistündigen Abends verausgabt. Die hohe Qualität von Burkhard C. Kosminskis Inszenierung liegt nicht nur an dieser genau einstudierten Einzelleistung, sondern auch daran, dass der Mannheimer Schauspiel-Intendant die vielen kleinen und kleinsten Rollen mit Vollprofis besetzt hat. Stellvertretend für die anderen seien hier nur Anne-Marie Lux als frühreifer Teenie und das schmierige Sponsorenpaar genannt. (Rhein-Neckar-Zeitung, 04.10.2016)