Studio Werkhaus

Götterspeise (UA)

Noah Haidle Premiere: Mi, 20. Januar 2016

»Die einzige Art und Weise die Welt zu retten ist Mitleiden«: Constant, eine Waise und ehemalige Drogenabhängige, hat ihre Berufung gefunden. Sie kocht für ihr Leben gern. Sie will den Menschen mit einer guten Mahlzeit etwas von der Liebe, die sie für sie zu empfinden gelernt hat, zurückgeben. Überall findet sie schlechtes Essen, das sie verbessern kann und traurige Menschen, die ihrer kulinarischen Zuneigung bedürfen. Unangepasst, engagiert, aber auch naiv und labil, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und beeindruckt ihre Umgebung. Als ihr aber böse mitgespielt wird, beginnt sie allmählich, den Blick für die Realität zu verlieren.

9 Monate, 9 Wochen, 9 Tage, 19 Minuten während 18 Jahren: So lange dauern jeweils die Stationen des Passionswegs dieser unheiligen Heiligen. Ihr Weg führt sie von der Schulmensa in ein Flughafen-Schnellrestaurant, von der Cafeteria einer psychiatrischen Klinik in eine Gefängniskantine. Unfähig zu lügen und sich zu verstellen, gerät sie in die Mühlen einer Alltagswelt, in der allen »die Hände gebunden sind« und in der niemand Verantwortung für seinen Nächsten übernehmen will. Und trotz all des Unglücks in der Welt hält Constant wie ein Fels in der Brandung an ihrer Überzeugung fest …

Der amerikanische Theater- und Drehbuchautor Noah Haidle hat eine abgründige und anrührende Komödie geschrieben, die die menschliche Existenz als bitteren Witz vorführt. Seine Stücke, an den Clownsspielen von Samuel Beckett geschult, werden am Broadway gespielt. Sein Drehbuch Stand up guys wurde 2012 mit Al Pacino und Christopher Walken u. a. verfilmt.

Zino Wey, in Basel geboren, inszeniert nach seiner Assistenzzeit an den Münchner Kammerspielen und arbeitet regelmäßig an der Kaserne Basel.

 

Dauer: ca. 1 Stunde und 50 Minuten, inkl. einer Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Ermöglicht wird der Aufenthalt des Hausautors durch die freundliche Unterstützung der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e. V.

 

Sabine Fürst hat die alles andere als einfache Aufgabe, trotz ihrer dauergrinsenden Mimik einen differenzierten Charakter zu spielen. Das gelingt ihr deshalb so gut, weil sie in den vielen stummen Augenblicken, die ihr der Regisseur gönnt, in seelische und menschliche Abgründe blicken kann. Das sind die starken Momente dieser Inszenierung. In Boris Koneczny, Michael Fuchs, Carmen Witt, Almut Henkel und Baris Tangobay hat die Hauptdarstellerin versierte Kollegen, von denen zahlreiche andere Rollen übernommen werden. (Rhein-Neckar-Zeitung, 22. Januar 2016)

 

Lakonisch knappe Dialoge bewahren diese Geschichte vor dem Abdriften in die Kolportage. Recht clever ist bei Haidle alles Naturalistische von überzogener Typisierung und Beckett'schem Witz untergraben. Der junge Schweizer Regisseur Zino Wey, der an den Münchner Kammerspielen bei Johan Simons, Armin Petras und Andreas Kriegenburg assistierte, belässt das Stück in genau dieser fragilen Balance zwischen realistischem Sozialdrama und surrealem Traumspiel. (Die Rheinpfalz, 22. Januar 2016)

 

Der Reiz dieses quasi im amerikanischen Oberflächenton eines Well-made-Plays dahinschnurrenden Dramas liegt buchstäblich zwischen den Schubladen: Haidle rührt denTeig zu einem tragikomischen Soufflé […]. Die passenden Zutatensind alle da: ein Bund anrührende Momente, ein ordentliches Stück Kitsch, ein Pfund Kälte, eine Hand-voll Realismus, eine Prise Wunderlichkeit und ein wenig sakraler Zuckerguss. […]Gleich wohl kommt Sabine Fürst (ein großer Abend für sie) mit dieser Rezeptur […] bestens zurecht. Wie sie als Fleischwerdung menschlicher Güte mit ängstlich angezogenen Schultern und unsicherem Lächeln alleingelassen auf der Insel ihrer überirdischen Glückseligkeit steht, ist aller Ehren wert. […] Ihr Abschiedsmonolog an ihr vom Jugendamt eingezogenes Kind mag Kitsch sein, entwaffnend menschlich ist er allemal. Almut Henkel tritt indes den Beweis an, dass auch mit kleinen Auftritten großes Spiel möglich ist, Boris Koneczny belegt erneut Wandlungsfähigkeit und Baris Tangobay führt sich als Gast charmant ein. (Mannheimer Morgen, 22. Januar 2016)

 

Sabine Fürst spielt die Mutter Teresa der Liebeshungrigen grandios. […] So geht die Regie nicht auf Distanz zu der Geschichte, aber sie zeigt ihre Modellhaftigkeit der Rolle. Überhaupt hat die Inszenierung von Zino Wey Mut zur melodramatischen Zuspitzung, kitzelt die grotesken Situationen heraus, lädt den Text nicht auf mit übertriebenen Botschaften, wo Haidle doch nur eines erzählt: was Menschen einander geben könnten, wenn sie einen warmen und empathischen Blick für ihre Mitmenschen hätten. (Darmstädter Echo, 22. Januar 2016)