Schauspielhaus

Agnes

Peter Stamm Premiere: Do, 19. September 2013

»Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen … Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viele kleine Punkte machen … Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen«, sagt Agnes. Mit etwas Abstand kommt dann auch die ernüchterte Erkenntnis: Ein Glück war es mit ihr und eine Geschichte ist alles, was ihm bleibt. Sie beginnt im Lesesaal der Public Library in Chicago. Dort entdeckt der Schweizer Sachbuchautor die junge amerikanische Physikdoktorandin Agnes. Ersten Blicken folgen erste Worte und schon bald sind sich die beiden so nah, dass Agnes ihn um ein Porträt bittet. Er soll über sie schreiben und das gemeinsame Glück festhalten. Doch die Geschichte auf dem Papier entwickelt sich rascher als ihre reale Liebe – bis die Fantasie schließlich zu viel Macht gewinnt.

Der Schweizer Peter Stamm, geboren 1963, arbeitet seit 1990 als freier Autor und Journalist. Agnes erschien 1998 als sein Romandebüt, wurde zum Bestseller und in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

 

Dauer: 1 Stunde und 25 Minuten, keine Pause

Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

 

Im Ganzen ein stimmungsvoller, poetischer und in der Dichte seiner Zwischentöne nachdenklich machender Theaterabend. Was am Anfang zunächst viel gedankliche Konzeption vermuten lässt, entfaltet sich dann als gelungene Symbiose mit überzeugenden Schauspielerleistungen sowie Elementen aus Architektur, Kunst, Literatur, Wissenschaft und Musik (Udo Knauer). Für die sehenswerte, 90-minütige Aufführung zum Saisonstart gab es starken Applaus. (Rhein-Neckar-Zeitung, 21. September 2013)


Über Liebe wird zwar gesprochen, aber spürbar ist sie weder bei Stamm noch in der Bearbeitung von Lea Gerschwitz (Dramaturgie) und der Regisseurin Birgit Bauer, die Agnes in ein neunzigminütiges Kunstwerk der kleinen Wahrheiten über das heutige Menschsein verwandelt, das sich in Single-Haushalten nach einer Zweisamkeit sehnt, die offenbar nicht zu leben ist. [...]
Was Stamm beschreibt und Bauer behutsam inszeniert, ist eine Beziehung in modernen Zeiten, die zaghafte Suche nach Verbindlichkeiten in einer Welt, die wenig Stabilität und Zuverlässigkeit bietet. [...] Weit weg vom Zauber der Liebe erfahren wir eher ihre bestürzend langweiligen Schrecken, weil Birgit Bauer auf dem Prüfstand der Gefühle intelligent und einsehbar erklärt, weshalb die nüchterne Wahrheit gepaart mit Vorsicht und Misstrauen, immer wieder über die reinen Empfindungen triumphiert. Für solche Lektionen stehen der Regisseurin zwei bemerkenswerte Schauspieler zur Verfügung. In Michaela Klammingers Agnes dürfen wir eine Frau sehen, die sich nach liebender Zuwendung sehnt, diesen Gang in Ungewisse persönlicher Auslieferung aber nicht wagt.
(Mannheimer Morgen, 21. September 2013)

 

Michaela Klamminger spielt Agnes anfangs als eine Frau von geheimnisumflorter Verletzlichkeit, die sich dann zunehmend entschlossen auf diese Liebeschance einlässt [...] Michael Fuchs macht aus dem Erzähler einen intellektuellen Zauderer, einen jungenhaften Wuschelkopf, der die Hände nicht aus den Taschen und den Fuß nicht ins Leben kriegt.[…] Erwähnt werden muss noch das spielerisch-kluge Bühnenbild von Marcela Snaselova. Die hat dem Unglückspärchen einen großen weißen Zauberwürfel hingestellt, anfangs eine perfekte Form wie die symmetrischen Kristalle, über die Agnes ihre Doktorarbeit schreibt. Aber dann verwandeln sich immer mehr Würfelteile in Sitzgelegenheiten, Treppen und Liegeflächen, bis alles so herrlich durcheinander ist, wie die Welt des Erzählers und seiner Agnes. Die beiden versuchen erst gar nicht, das Ding wieder zusammenzubekommen. (Die Rheinpfalz, 21.09.2013)