Oper

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Verehrtes Publikum,

 

Wir nähern uns mit Riesenschritten dem doppelten Wagner-Gedenkjahr, dem 200. Geburtstag und zugleich dem 130. Todestag. Es hat seinen guten Grund, dass die szenischen Auseinandersetzungen mit dem Werk Richard Wagners zu Meilensteinen in der Entwicklung eines Neuen Musiktheaters wurden, oft genug gegen wütenden Protest. Ja, sie wurden zu einem Kriterium für die künstlerische Leistungsfähigkeit eines Operntheaters. So nimmt es nicht wunder, dass fast alle mittleren und großen Häuser in den nächsten Jahren mit Neuinszenierungen von Richard Wagners Hauptwerk, dem Ring des Nibelungen, auf sich aufmerksam machen. Voran das Nationaltheater, das zu den ausgewiesenen Wagner-Bühnen zählt. Das Rheingold und Die Walküre stehen in dieser Spielzeit auf dem Spielplan und in der nächsten Siegfried und Götterdämmerung. Mit dem Regisseur Achim Freyer freuen wir uns auf einen sicher aufregenden neuen Ring und auf die musikalische Konzeption von Dan Ettinger, der bereits mit seiner Gestaltung des Lohengrin das Publikum begeisterte.

Mit dem Ring im Zentrum bietet unser Spielplan eine musikalische Spannbreite von
240 Jahren, von 1772 bis 2012. Die Oper wird einmal mehr in diesem Jahr lebendig und aktuell ihre Lebensfähigkeit über die Jahrhunderte hinweg unter Beweis stellen. Es sind die Grundbedingungen menschlicher Existenz, die in allen Opern zu allen Zeiten die Themen bestimmen. In der konzertanten Aufführung von Camille Saint-Saëns’ Samson et Dalila geht es um einen interkulturellen Konflikt, der operntypisch mit persönlichen Schicksalen verwoben ist und dessen fatales Ende Samson als
Selbstmordattentäter herbeiführt. Diese Oper eignet sich besonders für das Konzert, da sie
zunächst als Oratorium konzipiert war. Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor, eine
Inszenierung in Zusammenarbeit mit der Oper Dortmund, bereichert den Spielplan mit einer
wilden Belcanto-Oper, wie sie typisch ist für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der die
Primadonna im Zentrum steht und Hass, Liebe, Grausamkeit, Reue und düstere Leidenschaft
auch die Hauptrollen spielen.

In Vorbereitung auch auf den 200. Geburtstag Verdis, der im selben Jahr geboren wurde
wie Richard Wagner, inszeniert Regula Gerber die selten aufgeführte Oper Stiffelio, die erst
in den letzten Jahren wieder auf den Bühnen Erfolge feiert. Stiffelio gebührt ein gleichberechtigter
Platz neben Rigoletto, Il trovatore und La traviata. Wie La traviata basiert Stiffelio auf einem Stoff aus Verdis Zeit und hatte die entsprechenden Schwierigkeiten mit der Zensur, die hier Anstoß nahm an dem religiösen Milieu, in dem die Oper spielt. Für die Figur des Stiffelio schuf Verdi eine seiner schönsten
Tenorpartien.

Das preisgekrönte Broadway-Musical Avenue Q erlebt bei uns seine deutsche Erstaufführung.
Darsteller und Puppen verschmelzen zu frechen Charakteren, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Produktion entsteht in Zusammenarbeit mit dem Theater St. Gallen und BB Promotion.
Am 25. Mai 2012 werden wir Olga Neuwirths The Outcast uraufführen. The Outcast ist eine Oper über Hermann Melville und seinen weltberühmten Roman Moby Dick. Olga Neuwirth – eine der wichtigsten Komponistinnen, die für ein avanciertes Musiktheater stehen – hat das Werk in unserem Auftrag geschrieben. Bary Gifford, der das Drehbuch zu dem Film Lost Highway von David Lynch verfasst hat, ist derLibrettist. Wir führen damit unsere Reihe der Uraufführungen fort, die in der vorvergangenen
Spielzeit mit Bernhard Langs Montezuma Fallender Adler so erfolgreich begonnen hat und in der letzten Spielzeit mit Salvatore Sciarrinos Superflumina ihre Fortsetzung fand.

Sechs Wochen später schlagen wir den Bogen zurück ins 18. Jahrhundert zu Johann Christian
Bach. Günther Krämer wird Temistocle inszenieren, ein Werk, das Johann Christian Bach zum Namenstag des Kurfürsten Carl Theodor für die Mannheimer Hofoper geschrieben hat. Bach hat sich die enormen Qualitäten des Mannheimer Orchesters und der Mannheimer Sänger zunutze gemacht und eine Partitur
geschrieben, die allen Beteiligten eine ungeheure Virtuosität abverlangt. Drei dieser Sänger wurden später mit großen Rollen bei der Uraufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Idomeneo in München bedacht.

In der ersten Juliwoche laden wir Sie wieder zu ganz besonderen Mozart-Erlebnissen nach Mannheim und Schwetzingen im Rahmen des Mannheimer Mozartsommers 2012 ein. Lassen Sie sich anregen und aufregen, bleiben Sie neugierig und vergnügt!
 

Ihr
Klaus-Peter Kehr

 

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