Schnawwl

König Hamed und das furchtlose Mädchen (UA)

Premiere: 06. Juni 2012
Eine deutsch-arabische Frühlingsgeschichte

ab 8 Jahren

Der mächtige König Hamed bin Bathara hat aus Zorn auf seine Frau alle Frauen aus seinem Land verbannt. Allein seine Mutter darf noch an seinem Hof leben. Die furchtlose Sherifa, Königstochter in seinem Nachbarreich, will sich dieses Land ohne Frauen ansehen. Sie besucht als Prinz Sherif verkleidet ihren Nachbarn, auch wenn das für sie bei Todesstrafe verboten ist. König Hamed bin Bathara misstraut dem einnehmenden Wesen des jungen Gastes. Wie kann er das wahre Geschlecht von Sherif herausfinden? Mit drei Aufgaben versucht er, seinem Gast auf die Schliche zu kommen. Überraschend vertraut kommen uns die Definitionen von Männlichkeit und Weiblichkeit in dieser arabischen Welt vor.

„König Hamed und das furchtlose Mädchen“ befragt mit Spaß und Spannung typisch weibliche und typisch männliche Verhaltensmuster. In der offenen Erzähltheaterform spielen die zwei Schauspieler Uwe Topmann und Cédric Pintarelli und der Musiker Peter Hinz mit Klischees von dem starken Mann und der weichen Frau, von dem heißen Ägypten und dem verregneten Deutschland. Männlichkeit und Weiblichkeit werden in diesem arabischen Märchen mit denselben Eigenschaften definiert wie in vielen tradierten europäischen Märchen. Das Spiel mit diesen Eigenschaften wirkt befreiend und stärkend für alle Fragenden.
 

Infos zum Kooperationsprojekt

 

Nach dem überaus erfolgreichen Kooperationsprojekts mit Indien („Der Junge mit dem Kofffer“) führte das zweite internationale Theaterprojekt den Schnawwl nach Ägypten in die Mittelmeerstadt Alexandria. Im Zentrum der einjährigen Kooperation „Mit den Augen der Anderen“ von Teatro Alexandria, I-act und Schnawwl standen zwei Inszenierungen, die das Thema „Freiheit“ kindgerecht untersuchten. Jeweils eine Geschichte aus dem Kulturgut des Partnerlandes erarbeitete ein Ensemble für sein heimisches Publikum.
In Alexandria erarbeitete das Ensemble um Regisseur Mohamed Abdel Kader unter dem Titel „Ein erster Schritt“ seine Interpretation der Tell-Legende. Im Schnawwl entwickelte Andrea Gronemeyer parallel mit ihrem Ensemble eine Theaterfassung des arabischen Märchens „König Hamed und das furchtlose Mädchen“.
 

Rund um die besondere Doppelpremiere am 26. September 2012 in Alexandria fand vom 23. bis 29. September 2012 das „Backstreet Festival“ als Euro-Mediterrane Theaterbegegnung statt. Theater aus den Ländern des arabischen Frühlings traten in Workshops, Diskussionen und Vorstellungen in einen öffentlichen Dialog mit Kollegen aus Europa.
Doch vor der Reise des Schnawwl-Ensembles zum Festival nach Ägypten feierte Andrea Gronemeyers Inszenierung am 22. September 2012 ihre Uraufführung in Mannheim.
Das Teatro Alexandria wurde mit seiner Interpretation der Wilhelm Tell-Legende „Ein erster Schritt“ im Rahmen der Schillertage im Juni 2013 nach Mannheim eingeladen.

 

Zu dem Abschluss der Theaterkooperation „Mit den Augen der Anderen“ ist ein zweisprachiges Bilderbuch mit beiden Geschichten erschienen. Die Illustration der beiden deutsch-arabischen Frühlingsgeschichten für das Bilderbuch hat der in Mannheim lebende Künstler Mehrdad Zaeri übernommen. Die Texte der Autorin Anne Richter hat Mahmoud Hassanein ins Arabische übersetzt.

Das Bilderbuch ist im Handel zu erwerben, Infos hier: http://bit.ly/18EqS1q

 

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes    

 

 

Dauer: ca. 1 Stunde. Die angegebene Dauer ist lediglich ein Richtwert.

„Das Motto 'Mit den Augen der Anderen' durchdringt die Inszenierung von Andrea Gronemeyer bis in die feinste Geste und leiseste Andeutung hinein. [...]
Cédric Pintarelli spielt einen König, der Verunsicherung fühlt, Schwäche zeigt und darum empfänglich wird für die Einsicht: "Was wäre die Freiheit ohne Gleichheit. Frauen müssen sein. Männer müssen sein. [...] Drei Frauenrollen bestimmen den Handlungsverlauf, und alle drei fallen dem Darsteller Uwe Topmann zu. Einerseits wird so das Tabuthema der Nacktheit in Ägypten entschärft. Andererseits ist den Zuschauern dank dieser prachtvollen Besetzung ein humorvolles, klug pointiertes Theatererlebnis gegönnt.
[...] Peter Hinz leitet seine Schauspieler-Kollegen zu kolossalen Percussion-Szenen an. Die Kostümbildnerin Eva Roos erreicht mit geringstem Aufwand eine verblüffende Wanderung zwischen der europäischen (schwarze Kleidung) und der arabischen (blaue Tücher) Kultur.“
Mannheimer Morgen, 24. September 2012


„In der bestechend elegant reduzierten Ästhetik eines Schattenspiels (Bühne: Christian Thurm) präsentierte das Mannheimer Schnawwl nun sein zweites internationales Bühnenprojekt. [...] Der Simultanübersetzer Mohamed El Hagrasy fasste auf Arabisch die befremdliche Geschichte zusammen, die Cédric Pintarelli (König Hamed u. a.), Uwe Topmann (Prinzessin Sharifa u. a.) und Peter Hinz (verschiedene Charaktere, Musik) ihrem Publikum mit hoher Verwandlungskunst nahebrachten. [...] Dass er sich schließlich selbst dem Gesetz der Liebe beugt, ist sein eigener Sündenfall, dessen feine Dramatik Cédric Pintarelli und Uwe Topmann in den kontrastierenden Geschlechterrollen sensibel herausarbeiteten. [...]
Doch ein Verwirrspiel auch dies: In ihren weiblichen (Neben-) Rollen wirkten die Darsteller so überzeugend, dass die wahren Unterschiede der Geschlechter wohl nur noch im Metaphysischen zu suchen sind.“
Rhein-Neckar-Zeitung, 24. September 2012


“Derjenige, der die Frauen spielt, ist nicht der klassische mädchenhafte Jüngling, sondern der durch und durch männliche Uwe Topmann, mit kräftiger tiefer Stimme und ohne zarte Wangen. Während Cédric Pintarelli psychologisch stimmig das weiche Herz des Königs nach und nach preisgibt bleibt Uwe Topmann ein kantiger Kerl. So entsteht keine drastische Verwechslungskomik, sondern eine feine Ironie. Das Weibliche bleibt dem Mann ein großes Rätsel, das nur die Liebe lösen kann. Topmann spielt in spöttischer Übertreibung auch alle anderen Rollen, und Peter Hinz sorgt für die märchenhaft bezaubernde Percussion.“
Die Rheinpfalz, 26. September 2012