Junge Oper

Junge Oper

Liebes Publikum!


Wenn Nachwuchs ins Haus steht, dann gehört es zu den spannenden Aufgaben einen passenden
Namen zu finden. Als wir vor sechs Jahren die jüngste Sparte des Nationaltheaters ins
Leben riefen, haben wir lange diskutiert, wie wir das Kind nennen wollen. Vielleicht ein
frecher und einprägsamer Eigenname?
Warum nicht das jüngere Geschwister des Mannheimer Schnawwl vielsagend „Feuervogel“ taufen
− in Anlehnung an das berühmte venezianische Opernhaus „La Fenice“? Nein, leider
nur für Eingeweihte verständlich! Braucht es nicht, so fragten wir uns, eher ein klares Etikett,
das den Inhalt und die Bandbreite des neuen Angebots möglichst treffend beschreibt, wie zum Beispiel „Musiktheater für junges Publikum“? Nein, zu umständlich und unsinnlich!
Auf die so naheliegende Junge Oper kamen wir erst, als wir in der Diskussion immer klarer formulierten, was wir unserem Publikum mit dem Angebot einer zusätzlichen Sparte bieten wollen. Das junge Mannheimer Publikum braucht von seinem Nationaltheater, das war unsere wichtigste Motivation, mehr
als nur Sprechtheater: Den Jungen die Oper öffnen! Und darüber hinaus steht dem Musiktheaterbetrieb
neben der Publikumsentwicklung auch die Förderung des Künstlernachwuchses an, damit junge Komponisten, Librettisten, Musiker und Regisseure sich für die Gattung begeistern, engagieren und sie als zeitgenössische Kunst fortentwickeln.
Nachdem wir inzwischen ein Repertoire für die unterschiedlichen Altersgruppen von den
allerkleinsten Zuschauern bis hin zum jugendlichen Publikum aufgebaut haben, wollen wir deshalb in dieser Spielzeit damit beginnen, die Junge Oper auch als Experimentierfeld für junge Künstler und junge Kunst zu öffnen.
Den Anfang macht ein Projekt mit der Musikhochschule Mannheim. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren beschäftigen sich die Studierenden unter der Anleitung von Theaterprofis mit der Entwicklung eines Stücks auf der Basis von Cervantes’ Don Quijote, das im April unter dem Titel Echt? zur Uraufführung kommen wird. Die Kompositionsarbeit geht dabei Hand in Hand mit der Entwicklung des
Librettos und wird von Anfang an im Zusammenhang einer möglichen Inszenierung gedacht.
Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Darstellung musikalischer Vorgänge und die Einbeziehung
auch der Musiker in das szenische Geschehen. Als Musiker und Sänger werden in der Aufführung Studierende der Musikhochschule zu sehen und zu hören sein, die im Rahmen des Projekts erste Erfahrungen mit zeitgenössischer Theaterarbeit und ihren spezifischen Anforderungen sammeln können.
Eine weitere Mannheimer Uraufführung haben wir für die Eröffnung des Mannheimer Mozartsommer
2012 im Juli in Auftrag gegeben. In Neumond setzt sich Lucia Ronchetti, eine der spannendsten Gegenwartskomponistinnen Italiens, mit Musik aus der Zauberflöte auseinander und untersucht diese für unser junges Publikum vor dem Hintergrund biographischer Situationen aus den Kinderjahren Mozarts.
Der Text dazu wird von dem Erfolgsautor Kristo Šagor verfasst, der bereits mehrmals für den
Schnawwl tätig war.
Mit der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes Wüstenwind schließlich eröffnen wir unserem Publikum einen Blick auf zeitgenössische Musik, die auf orientalischen Wurzeln basiert. Der türkische Komponist Selim Dogru vertonte ein türkisches Märchen (Libretto:Sophie Kassies) für ein Ensemble aus
orientalischen Instrumenten und Stimme.
Im Mittelpunkt der Komposition steht die Flöte, die wir in diesem Werk als überaus bewegliches
und vielfältiges Instrument erleben dürfen. Gesungen wird in deutscher und türkischer Sprache – eine Referenz an die große Anzahl türkischsprachiger Kinder im Publikum der Jungen Oper und natürlich auch eine Einladung an unsere italienischen, griechischen, russischen, polnischen, afrikanischen, indischen,
deutschen Zuschauer, die vielfältigen Klänge der Welt und der zeitgenössischen Komposition zu entdecken.
Danken möchten wir 2011 MVV Energie, die mit ihrer großzügigen Unterstützung die Realisierung
der Jungen Oper weiterhin ermöglicht.
Unser weiterer Dank gilt 2011 erneut der Wilhelm Müller-Stiftung für die kontinuierliche Förderung von Zählen und Erzählen sowie der Günter Döring-Stiftung und der Stiftung Nationaltheater Mannheim für die Finanzierung zusätzlicher Aufführungen.




Herzlich willkommen in der Jungen Oper!

Andrea Gronemeyer und Klaus-Peter Kehr

 

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