Das Nationaltheater Mannheim und seine Geschichte

Das Nationaltheater Mannheim ist eines der größten und ältesten kommunalen Repertoiretheater Deutschlands. Hervorragende künstlerische Leistungen, Ur- und Erstaufführungen machen es zum Flaggschiff der Stadt Mannheim und überregional zu einer der bedeutendsten Bühnen Deutschlands. Davon zeugen jährlich rund 1300 Vorstellungen für ca. 370.000 Besucher genauso wie eine überregionale Berichterstattung. In jeder Spielzeit stehen in den vier Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und dem Jungen Nationaltheater sowie der Mannheimer Bürgerbühne ca. 35 Premieren und 65 Wiederaufnahmen auf dem täglich wechselnden Spielplan.

 

2010 erhielt das Nationaltheater den Preis der Deutschen Theaterverlage 2009 der Stiftung Deutscher Bühnen- und Medienverlage für herausragende Leistungen in Schauspiel und Schnawwl. 2014 wurde Schnawwl Intendantin Andrea Gronemeyer für das Tanztheaterstück Tanz Trommel in der Kategorie Regie Kinder- und Jugendtheater mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet. Nach dem 2. Platz in der Kategorie »Opernhaus des Jahres 2013« und der Auszeichnung »Uraufführung des Jahres 2013« für Weinbergs Der Idiot wurde 2014 Adriana Hölszkys Oper Böse Geister von Kritikern der Fachzeitschrift Opernwelt zur »Uraufführung des Jahres« gekürt. Der Opernchor des Nationaltheaters ist als »Chor des Jahres« ausgezeichnet worden. 2015 wurde die Oper zum ersten Mal zum »Opernhaus des Jahres« gekürt und hat mit Lucia Ronchettis Esame di mezzanotte zum dritten Mal in Folge die »Uraufführung des Jahres« auf die Bühne gebracht. Für das Bühnen- und Kostümbild zu diesem Werk erhielt Achim Freyer 2016 einen FAUST. Im gleichen Jahr erhielt das Nationaltheater einen weiteren FAUST-Preis für Peter Konwitschnys Regie von Jacques Fromental Halévys La Juive.

 

Die Anfänge* des Nationaltheaters Mannheim reichen zurück bis ins 18. Jahrhundert. Gegründet wurde das Nationaltheater Mannheim bereits 1777 als Schauspielhaus durch Kurfürst Carl Theodor. Ausschließlich in deutscher Sprache zu spielen, galt damals als innovativ. Ein erster Meilenstein in der kontinuierlichen Fortschreibung der Mannheimer Theatergeschichte war die Uraufführung von Friedrich Schillers Drama Die Räuber im Jahr 1782 durch das Ensemble des Intendanten Wolfgang Heribert von Dalberg. Sie begründete den Ruf des jungen Autors und des Nationaltheaters Mannheim. In die Zeit der darüber hinaus existierenden Hofoper um die Mitte des 18. Jahrhunderts fällt die berühmte Mannheimer Schule, bei der europäisch führende Stilrichtungen der damaligen Musik- und Tanzpraxis in einzigartiger Weise zusammengeführt wurden. Nicht nur mit den zweijährlich stattfindenden internationalen Festivals Schillertage seit 1979 und dem Mannheimer Mozartsommer seit 2007 knüpft man an Mannheimer Traditionen an. Das ursprüngliche Hof- und Nationaltheater ging im Jahr 1839 in städtische Verantwortung über. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater in B3 zerstört, der Neubau wurde 1957 nach Plänen des Architekten Gerhard Weber am Goetheplatz fertiggestellt. Seit 2013 wird das Haus nicht wie zuvor von einer (General)intendanz, sondern von einem fünfköpfigen Direktorium des Eigenbetriebs Nationaltheater geleitet. Die einzelnen Sparten Oper, Schauspiel, Tanz sowie Junges Nationaltheater werden mit Bedacht und Ideenreichtum weiterentwickelt. Zur bereits 1978 als Schnawwl gegründeten Sparte des Kinder- und Jugendtheaters kamen 2006 die Junge Oper und ab der Spielzeit 2015/2016 der Junge Tanz hinzu. Bei der beständigen Suche nach neuen Spielformen hat das Nationaltheater 2012 sein Angebot mit der Mannheimer Bürgerbühne und der Jungen Mannheimer Bürgerbühne erneut erweitert. 2017 wurde der 60. Jahrestag der Eröffnung des Neubaus am Goetheplatz in vielfacher Weise gefeiert.

 

 

* Vgl. die Ausstellung zur Theatergeschichte in den Reiss-Engelhorn-Museen, Museum Zeughaus in C 5. Leiterin der dortigen Abteilung für Theater- und Literaturgeschichte ist Liselotte Homering.